Von der Flüchtlingskrise zu Corona

Dr. Theophil Gallo zieht im Gespräch mit dem WOCHENSPIEGEL eine Halbzeitbilanz

SAARPFALZ-KREIS Ein Amtswechsel bildet immer eine Zäsur. Eine der Herausforderungen besteht darin, bisher Bewährtes nicht ohne Not zu ändern oder gar aufzugeben. Gleichwohl gilt es, auch neue Wege zu gehen, denn das ist die Chance, die jedem Wechsel innewohnt.

Landrat Dr. Theophil Gallo hatte zu seinem Amtsantritt am 26. Juni 2015 noch zusätzlich mit einer ganz anderen Herausforderung zu kämpfen – der Flüchtlingskrise. Sie dominierte lange Zeit das Handeln weltweit und stellte einen „großen Aufwand für die Verwaltung“ dar. Und nun, fünf Jahre später zur Halbzeit von Dr. Theophil Gallo als Landrat, müssen sich alle erneut einer zusätzlichen Herausforderung stellen, der Bewältigung der Corona-Pandemie.

„Das hat einer gewissen Dramaturgie bedurft. Wir hatten im Landkreis den ersten Corona-Fall und den ersten Corona-Toten zu beklagen. Doch wir haben die richtigen Maßnahmen ergriffen, sind aber immer noch nicht durch. Die Corona-App halte ich daher für ein sinnvolles Instrument und die Bürger sollten davon Gebrauch machen, wir Landräte mit gutem Beispiel vorangehen“, lautet die Gallos Empfehlung.

Froh sei er zur Hochzeit der Corona-Krise auch über Institutionen wie Uniklinikum Homburg und Kreiskrankenhaus St. Ingbert gewesen, „feste Pfeiler“ in der Infrastruktur des Gesundheitswesens.

In diesem Zusammenhang verweist er auf den auch im bundesweiten Vergleich bemerkenswert gut aufgestellten Katastrophenschutz im Landkreis. „Solche Ereignisse sind immer auch eine Chance, Dinge zu überdenken und bewusster anzugehen. Daher ist für mich ein besonders wichtiges Thema, die Infrastruktur für den Katastrophenschutz weiter auszubauen“, hält es der Landrat für sinnvoll, in diesem Bereich weiter tätig zu werden, denn „Vorsorge war noch nie verkehrt“. Im Zivilschutz habe man in der Vergangenheit viel Geld eingespart, das man nun wieder ausgebe.

Doch natürlich liegt der Blick seiner Regentschaft abseits der Krisen auch auf den „alltäglichen Aufgaben“ wie Ausbau der Schulen und Kindergärten, Städtepartnerschaften, demografischer Wandel, Weiterentwicklung der Biosphäre oder das Gebäude-, Energie- und Wasser-Management.

Digitalisierung

Das Mega-Thema Digitalisierung bezeichnet der Bexbacher als „laufenden Prozess, bei dem der Mensch aber trotzdem nicht nur zu einer Nummer werden darf“. Eine Qualifizierungsinitiative IT in Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen für Bürger wie den Volkshochschulen müsse das Ziel sein. Allein, so für Gallo das Dilemma, es fehle allerorts noch an qualifiziertem Personal.

Sehr zeitnah richtete Dr. Theophil Gallo schon zu Beginn seiner Amtszeit den Fokus auf die Strukturen der Kreisverwaltung, es erfolgten Veränderungen bei der Zu- und Einteilung der Geschäftsbereiche (früher Dezernate), dazu gehörte insbesondere die interne Prozessoptimierung mit Hilfe externer Beratung.

Wobei die Digitalisierung insgesamt für den Landrat ein Premium-Thema ist. Hier laufe die Verwaltung der Entwicklung oftmals hinterher. Doch nicht nur sie. Dr. Theophil Gallo strebt eine Qualifizierungsinitiative IT an in Kooperation mit der Hochschule Zweibrücken. „Dabei geht es nicht nur darum, die kommunalen Mitarbeiter fit zu machen sondern auch die Bürger und die VHS auf diesem Weg mitzunehmen“, sieht Gallo in diesem Bereich großen Nachholbedarf.

Zudem hat der Landrat unmittelbar nach seiner Wahl den Demografiepakt auf den Weg gebracht. Dazu wurde beim Saarpfalz-Kreis die Stabsstelle zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels etabliert. „Damit haben wir eine Anlaufstelle geschaffen, die es uns ermöglicht, unsere Rolle als Moderator und Impulsgeber für die positive Gestaltung der Zukunft unserer Region wahrzunehmen“, erläutert Gallo.

So konnten über 2,2 Millionen Euro zusätzlich für die Gestaltung zukunftsfähiger Dörfer und Städte im Kreis eingeworben werden. Im Dezember 2016 erhielt der Saarpfalz-Kreis den Demografie-Exzellenz Award 2016 für die Verwirklichung des Demografiepaktes und seine zukunftsorientierte Fokussierung auf Kultur, Mobilität, Bildung, Integration, Wohnraum u. a. in der Region.

Partnerschaften

Neben den Kreispartnerschaften mit dem Département Moselle (Frankreich), dem Landkreis Przemysl (Polen) und dem Rayon Pustomyty (Ukraine) liegen liegen dem Landrat auch die Städtepartnerschaften besonders am Herzen. Unter der Ägide von Gallo hat der Kreistag der weiteren Förderung und dem Ausbau von Städte- und Gemeindepartnerschaften zugestimmt. Was alles aus Partnerschaften entstehen kann, zeige sich am Beispiel des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim, einem grenzüberschreitenden Projekt, welches auf französischer Seite vom Departements Moselle und auf deutscher Seite vom Saarpfalz-Kreis betrieben wird.

Partner spielen auch im Biosphärenreservat-Bliesgau eine bedeutende Rolle. Neben der Bündelung und Vernetzung der bereits vorhandenen Ressourcen und Strukturen und neben der Umsetzung von Projekten und Fördervorhaben bleibt sein oberstes Ziel als Vorsteher des Biosphärenzweckverbandes Bliesgau, den Aufgabenstellungen eines UNESCO-Biosphärenreservates gerecht zu werden und damit 2020 die erneute Anerkennung des Biosphärenreservates Bliesgau durch die UNESCO sicherzustellen. Die Zeichen dafür stehen auf Grün.

Rückblickend hat in seiner bisherigen Amtszeit vieles funktioniert, auch und gerade in Zusammenarbeit mit dem Kreistag. Ärgernisse und Missverständnisse gab es in der halben Dekade Amtszeit natürlich auch. Heute steht er darüber. „Ich bin nicht für politische Spielereien. Ich will lieber mit meinen Taten überzeugen. Ich bin gerne Landrat und ich hoffe, auch in den kommenden fünf Jahren gemeinsam mit meiner Verwaltung und dem Kreistag einiges bewegen zu können“, resümiert Gallo.

dos/jj

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