Vom Zillertal nach Chile

Filmische Erlebnisse von Horst und Helga Bast beim AFW

NIEDERWÜRZBACH Genau genommen sind es die Vorfahren, mütterlicherseits, von Helga Bast, mit denen sich beide schon weit über 20 Jahre lang beschäftigen. 1837 waren die aus dem Zillertal nach Schlesien ausgewandert. Akribisch forschten beide in unzähligen Archiven und sprachen persönlich mit Nachkommen. Die Ergebnisse waren u. a. Grundlage eines rund 700 Seiten starken „Familienbuches“. Im Februar 2015 erhielten sie für ihre Arbeit das Bundesverdienstkreuz. Heute leben die Nachkommen der ausgewanderten Zillertaler in aller Welt verstreut, eben auch in Chile.

Und dorthin zog es das filmende Ehepaar Horst und Helga Bast. Das Filmhandwerk kennen beide bestens, sind sie doch eng mit dem erfolgreichen Filmclub AFW Blieskastel verbandelt. Er stellvertretender Vorsitzender, sie Schriftführerin und beide mit zahlreichen Preisen bei Wettbewerben ausgezeichnet. So war es nicht verwunderlich, dass wieder ein Film über einen durchweg spannenden Aufenthalt in diesem unbekannten fernen Land entstand. Allerdings keiner, der den Wettbewerbsregeln des BDFA (Bundesverband Deutscher Film-Autoren) entsprechen würde, denn dann hätte er beispielsweise nur 20 Minuten dauern dürfen. Als solcher war er auch nicht gedacht, kein Reisefilm etwa, wie Horst Bast zu Beginn seiner Projektion betonte.

700 Seiten starkes „Familienbuch“

Es ging auch weniger um die Landschaft, sondern um eine filmische Dokumentation bei Treffen mit Nachfahren der Zillertaler, die dem Paar aus dem fernen Deutschland aber gerne auch ihre jetzige Heimat zeigten. Clubleiter Jürgen Baquet sprach von einer Filmpremiere, als er die Zuschauer im Clublokal „Oase“ begrüßte. In all den Jahren sei noch nie ein Film mit einer Gesamtlänge von 110 Minuten vorgeführt worden. Es sprach für das Können beider Autoren, dass die Darstellungen trotzdem zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen ließen. Aber eine kurze Pause zwischendurch musste sein. Von November bis Dezember 2016 besuchten Helga und Horst Bast während ihres vierwöchigen Aufenthaltes Nachfahren deutschstämmiger Auswanderer in einem ausgewählten Bereich in dem 13000 Kilometer entfernten Chile und staunten, wie der Film bewies, wie lebendig deutsche Sprache und traditionelles Brauchtum dort noch lebendig ist und erhalten wird, wobei ein „Deutsch-Chilenischer Bund“ maßgebliche Hilfe und Unterstützung leistet. Museen bewahren Zeugnisse aus der alten Heimat, ganze Stuben sind zu besichtigen mit all den Utensilien, wie sie damals gang und gäbe waren, sogar ein original Zillertaler Frauenhut ist dabei. Beim Besuch von Friedhöfen trugen die Grabsteine z. B. Tafeln mit deutschen Familiennamen, auf Feuerwehrautos stand tatsächlich „Feuerwehr“. Die Unterhaltung war verhältnismäßig einfach, wie im Film zu hören war, denn man konnte sich beim Betrachten von Fotos aus alter Zeit oder beim Geschichten erzählen meist auf Deutsch unterhalten. Wenn nicht, war auf jeden Fall jemand unter den Anwesenden, der übersetzte. Gänsehaut gab es wohl bei den Besuchern aus Deutschland, als sie bei der Probe eines Männerchores deutsche Advents- und Weihnachtslieder zu hören bekamen und am Ende „Tirol Tirol, Tirol, die bist mein Heimatland …“.

„Wir sind dort bestimmt mehr als 3500 Kilometer mit einem Leihauto gefahren“, meinte Horst Bast nach der Projektion, „aber wir kamen reich an ausschließlich positiven Erfahrungen zurück, mit Tausenden Fotos und vielen Stunden Filmmaterial.“ all

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