Vom Beat zum Musikvideo

HipHop-Projekt „Piece to Peace“ von Villa Fuchs, Jugendhaus und CEB begeistert

MERZIG Der Beat reißt sie alle mit. Ein Dutzend Jugendliche sitzen um Markus Trennheuser alias „Drehmoment“ herum. Sie wippen mit den Köpfen, Oberkörpern oder Füßen. „Das einzige, was den Schmerz lindern kann, ist die Musik“, rappt Trennheuser in das Mikrofon, das er mit der linken Hand dicht vor den Mund hält. „Und jetzt brauche ich von euch ein lautes…“ – „Piece to Peace!“, stimmen die Kids ein. „Das geht aber noch lauter!“ – „Piece to Peace!“

Das von dem Kreiskulturzentrum Villa Fuchs, dem Jugendhaus Merzig und der CEB-Akademie ins Leben gerufene Projekt „Piece to Peace“ ist mit einem Schnupperkurs gestartet und mündet in ein HipHop-Workout-Camp. Die Jugendlichen lernen all das, was ein Rapper beherrschen sollte: Mit einer speziellen Software produzieren sie am PC eigene Beats, schreiben Rap-Texte, performen sie vor den anderen und drehen ein professionelles Musikvideo.

Markus Trennheuser, saarländischer Rapper, Video- und Musikproduzent, unterstützt die Jungs und Mädels dabei. Vorrangiges Ziel des Projektes im Rahmen des Bundesprogramms „Kultur macht stark“ ist es, Jugendlichen aus schwierigen sozialen Situationen mit kultureller Bildung neue Perspektiven zu bieten. Diese Teilhabe ist eine Voraussetzung für den sozialen Frieden – daher auch der Titel „Piece to Peace“ (Teil zum Frieden).

„Es ist schon bemerkenswert, wie viele sich bereits in der ersten Stunde ans Mikrofon getraut haben, um vor den anderen etwas zu performen. Dazu gehört schon eine Portion Mut“, zeigt sich Trennheuser beeindruckt. So auch in der zweiten Schnupperstunde. Einer der Jungs packt das Mikrofon, wartet ein paar Takte ab, bis er ein Gespür für den vorgegebenen Beat hat – und rappt los.

Ob jemand Lust hat, zu freestylen, fragt der Rapper. Einfach dem Beat lauschen und texten, was einem durch den Kopf geht? Auch wenn die Jugendlichen sich da noch zurückhalten – an einem eigenen Beat versuchen sie sich gerne mal. Und hauen in die Tasten eines Keyboards. „Besonders interessant finde ich, dass Markus uns zeigt, wie die modernen Musikprogramme funktionieren. Ist schon cool, mal zu sehen, wie man Musik am Computer produziert“, schwärmt der 14-jährige Jeremy. Tobias (16) freut sich darauf, die späteren Texte in einem echten Studio aufzunehmen. „Dann kann man sich mal so fühlen wie ein richtiger Rapper, saucool. Und dann machen wir dazu noch ein echtes Musikvideo.“Besonders wichtig ist Trennheuser, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie stehen, und dass die Texte, die sie schreiben, mit deren Leben zu tun haben. Über das Texten lernen die Kinder, sich selbst und ihre Umwelt zu reflektieren, findet er.

Für den Geschäftsführer der Villa Fuchs, Michael Rauch, ist dieses Projekt in zweierlei Hinsicht interessant. „Zum einen wird den Jugendlichen Medienkompetenz vermittelt und zum anderen lernen die Jugendlichen, wie ein solches Projekt umgesetzt wird. Am Ende stehen Rap-Songs, die sie mit eigener Kreativität realisiert haben“, so Rauch.

Der erste Song widmet sich dem Thema „Der Weg zum Frieden“. Bevor das Texten beginnt, diskutieren die Jugendlichen, warum Krieg ausbricht und was passieren müsste, damit mehr Frieden herrscht. Die Gruppe einigt sich, dass Ungerechtigkeit und Neid dazu führen können, unzufrieden zu sein. „Sehr gut, alles aufschreiben! Bevor man anfängt zu texten, muss man erst einmal wissen, was man überhaupt sagen will“, fordert Trennheuser die Jugendlichen auf. Disziplin ist eben auch gefordert, selbst Geschichte steht auf dem Plan. So erklärte Trennheuser, wie und wo die Hip-Hop-Kultur ihren Ursprung fand. Dass die Szene in den 70er Jahren in den afroamerikanischen Ghettos von New York City entstand, sich rasch ausbreitete und seit Mitte der 90er Jahre zu den populärsten Jugendkulturen gehört.

In den kommenden Wochen treffen sich die Jugendlichen regelmäßig mit Trennheuser und tüfteln weiter an Beats und Raps. Im Mai sollen die Ergebnisse live aufgeführt werden. Viel Arbeit liegt noch vor den Jugendlichen, aber die sind hochmotiviert. „Am Ende werden wir echte Stars“, ruft der 14-jährige Jan lachend.red./ti

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