Vielfach ein Herz und eine Seele

Frühjahrsempfang beim Zentrum für Psychiatrische Familienpflege

VÖLKLINGEN „Ich finde es großartig, wie sie ihre Gäste in ihren eigenen Alltag integrieren. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Entstigmatisierung der Psychiatrie.“ Mit diesen Worten begrüßte SHG-Geschäftsführer Bernd Mege die Anwesenden beim traditionellen Frühlingsfest des Zentrums für Psychiatrische Familienpflege in den SHG-Kliniken Völklingen. Im Rahmen des Begleiteten Wohnens in Familien nehmen Menschen in der Region seit mehr als 20 Jahren Gäste mit einer psychischen Erkrankung auf und lassen sie am normalen Alltag teilhaben. Eine gute Sache, denn dadurch entwickeln sich viele gesundheitlich stabiler und werden auch wieder aktiver, was Klinikaufenthalte vermeiden hilft.

Das Wort „Gäste“ passe eigentlich nicht so richtig, erklärte Chefärztin Dr. Claudia Birkenheier, die das Projekt seit vielen Jahren leitet. Besser wäre eigentlich die Anrede „liebe zusätzliche Familienmitglieder“. Fast überall seien die „Gäste“ in die Familien geradezu hineingewachsen. Diplom-Psychologin Sonja Kirsch ließ das ereignisreiche vergangene Jahr noch einmal Revue passieren. Einige Gäste seien dazugekommen, andere hingegen hätten sich entschieden, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Das ist auch das Ziel des Projekts: Nämlich den Klienten den Weg (zurück) in ein normales und möglichst selbständiges Leben zu öffnen.

Einen dicken Blumenstrauß gab es für Monika Bierwirth, die seit 20 Jahren über die Psychiatrische Familienpflege betreut wird. Sie hat nach 15 Jahren ihre Gastfamilie gewechselt und lebt dort jetzt bereits weitere fünf Jahre. Auch Edeltraut Irsch ist seit 20 Jahren im Projekt. Bei ihrer derzeitigen Gastfamilie lebt sie seit Oktober 2018. Thomas Scheuermann wird seit zehn Jahren von der Familienpflege begleitet. Nach anfänglichen Wechseln hat er im Jahr 2011 „seine Familie“ gefunden. Ein anderes Familienteam fühle sich seit 10 Jahren „sauwohl miteinander“, nämlich Annette Gramm und ihre Gastfamilie, die Familie Merten. Eine weitere Frau lebt seit zehn Jahren bei der Gastfamilie Paul. Für alle anderen Jubilare und Jubilarinnen gab es natürlich ebenfalls einen Blumenstrauß.

Das Begleitete Wohnen in Familien ist eine Maßnahme der Eingliederungshilfe, die über das Landesamt für Soziales finanziert wird. Sie richtet sich an Menschen, deren akute Krankheitsphase abgeklungen ist, die aber zur Bewältigung des Alltags noch Unterstützung brauchen. Die Gastfamilien, die für Aufnahme, Unterbringung und Verpflegung ihrer Gäste ein Entgelt erhalten, bieten einen strukturierten Tagesablauf und schaffen Geborgenheit. Gastgeber können auch Einzelpersonen oder Paare sein.

Kontakt: SHG-Kliniken Völklingen, Zentrum für Psychiatrische Familienpflege, Tel. (0 68 98) 12 24 58. Informationen zum Fachdienst auch unter www.shg-kliniken.de. red./jb

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