Versorgungsforschung: Projekt am UKS

Abrechnungsdaten messen Qualität der Schmerzbehandlung

HOMBURG Das Universitätsklinikum des Saarlandes erforscht zusammen mit dem Universitätsklinikum Jena (Projektleitung) und der Barmer die langfristigen Auswirkungen von Schmerzen und Schmerztherapieverfahren bei stationären Operationen. Das Projekt bringt die Informationen aus Schmerzregistern mit den Versorgungsdaten der Krankenkasse zusammen, um Nutzen und Risiken der Therapien besser beurteilen zu können und soll zur Etablierung eines Qualitätssicherungsverfahrens für die Akutschmerztherapie und zu einer besseren Versorgung beitragen.

Über sieben Millionen operative Eingriffe werden in deutschen Kliniken jährlich vorgenommen. Trotz der Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie beklagt etwa die Hälfte aller operierten Patienten Schmerzen nach der Operation. Einerseits sind akute Schmerzen ein wichtiges Alarmsignal, andererseits können ausufernde Schmerzen zur Beeinträchtigung von Mobilisierung und Atmung führen, die postoperative Erholung verlängern, in eine chronische Schmerzerkrankung münden und sogar möglicherweise die Herzinfarktrate erhöhen. In den Registern QUIPS des Universitätsklinikums Jena bzw. net-ra des Universitätsklinikums des Saarlandes erfassen zahlreiche Krankenhäuser die Qualität der Schmerztherapie bei Operationen, indem sie klinische Routinedaten systematisch dokumentieren und Patienten zu deren Schmerzsymptomatik befragen. An dem seit 20 Jahren bestehenden Schmerzregister QUIPS beteiligen sich inzwischen über 200 Kliniken, die ihre Daten untereinander vergleichen, um die Behandlungsqualität zu verbessern. „Wir können t inzwischen sehr gut die Qualität der Schmerzbehandlung kurz nach der Operation analysieren. Uns fehlen aber Langzeitdaten zu positiven oder auch negativen Folgen verschiedener Therapieverfahren“, so Schmerzmediziner Prof. Dr. Winfried Meißner vom Universitätsklinikum Jena.

Wie gut bilden Kassendaten Behandlungsqualität ab?

Diese Langzeitdaten, sowohl ambulant als auch stationär erhoben, steuert die Barmer als Partner in dem Projekt LOPSTER bei. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss fördert das Projekt dreieinhalb Jahre lang mit über einer Million Euro. Die Wissenschaftler gleichen die anonymisierten Datensätze der Patientenbefragungen im QUIPS-Register bzw. im net-ra Register mit Informationen der Krankenkasse ab, die Krankheitstage, Medikamentenverordnungen oder Physiotherapiebehandlungen bis sechs Monate nach der Operation umfassen. Anhand dieser Langzeitdaten zu positiven oder auch negativen Folgen sollen der langfristige Nutzen und die Risiken der verschiedenen Schmerztherapieverfahren bei Operationen bewertet werden. Prof. Dr. Thomas Volk, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am UKS und wissenschaftlicher Leiter des net-ra Projektes, sieht in der Auswertung von Routinedaten großes Potenzial: „Sie spiegeln wider, was im Rahmen der täglichen Arbeitsroutine getan wird und vermitteln einen guten Eindruck davon, wo wir mit Qualitätsverbesserungsmaßnahmen ansetzen müssen“. Das Projektteam untersucht außerdem, wie gut Informationen zu Schmerztherapieverfahren in den Krankenversicherungsdaten abgebildet werden, damit nicht nur die Behandlungsfälle aus den Schmerzregistern, sondern alle dokumentieren Fälle mit Operationen zur Untersuchung der Versorgungsqualität anonym ausgewertet werden können. „Wir wollen erfassen, wie häufig akute Komplikationen und langfristige Folgeerkrankungen nach einer OP auftreten, und ob es einen Zusammenhang zwischen perioperativen Schmerzen sowie deren Behandlungen und solchen Komplikationen gibt“, erläutert der Projektleiter Dr. Daniel Schwarzkopf von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena. Auch ob sich die verschiedenen Schmerztherapieverfahren hinsichtlich der Komplikationsrate und der Häufigkeit langfristiger Folgeerkrankungen unterscheiden, will das Projekt analysieren.

Beitrag zur Verbesserung der Versorgung

Es soll die Kenntnisse zu Nutzen und Risiken der verschiedenen perioperativen Schmerztherapie-Verfahren erweitern und so die Versorgung verbessern und trägt so zur Etablierung eines Qualitätssicherungsverfahrens zur Akutschmerztherapie bei.

red./jj

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