Verkehrs-Chance für Europa

Reaktivierte Niedtalstrecke könnte Verbindung nach Frankreich und Luxemburg sein

DILLINGEN / NIEDALTDORF Die Zukunft der Eisenbahnstrecke von Dillingen durch das Niedtal nach Bouzonville ist weiter ungewiss. Zuletzt keimte Hoffnung auf, als die Bahn bekannt gab, das etwa 900 Meter lange Teilstück zwischen Niedaltdorf und der französischen Grenze vorerst nicht stillzulegen.

Die Gemeinden Rehlingen-Siersburg, Bouzonville und auch die Stadt Dillingen setzen sich schon seit Jahren für einen grenzüberschreitenden Personen- und Güterzugverkehr auf der 1901 in Betrieb genommenen Bahnstrecke ein. Bis 1944 gab es auf der Niedstrecke einen florierenden und durchgehenden Personen- sowie Güterzugverkehr zwischen der Saar-Region und Lothringen.

Seit über 70 Jahren enden die Personenzüge auf saarländischer Seite in Niedaltdorf. Lediglich an Karfreitagen gibt es seit 1998 immer wieder einen Personensonderzug zwischen Dillingen und Bouzonville. Der internationale Güterzugverkehr auf der Niedstrecke wurde 2013 eingestellt. Ein dauerhaftes Interesse der DB an der Niedstrecke dürfte sich somit in Grenzen halten.

„Ohne eine Unterstützung der französischen Eisenbahn wird die Reaktivierung des grenzüberschreitenden Güterverkehrs nicht möglich sein“, sagte Dr. Klaus Vornhusen, Konzernbeauftragter der Bahn, anlässlich einer Veranstaltung Ende 2019 in Dillingen. Dort ging es um die Zukunft der Niedtalbahn. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte die CDU-Landtagsfraktion gemeinsam mit der Allianz pro Schiene und dem VCD Saar.

„Über die Niedtalbahn ließe sich eine neue und schnelle Personenzugverbindung nach Luxemburg einrichten, sofern im lothringischen Thionville eine zusätzliche Eisenbahnbrücke gebaut werden könnte“, sagte Dr. Werner Ried, stellvertretender Vorsitzender des VCD Saar.

Jörg-Michael Fries, Geschäftsführer der Firma BahnLog, sprach sich vehement dafür aus, die Niedstrecke wieder für grenzüberschreitende Güterzüge tauglich zu machen. BahnLoG transportiert seit Jahren Kalkzüge aus Frankreich zur Dillinger Hütte und muss dafür große Umwege über Forbach in Kauf nehmen. Aktuell plant das Logistikunternehmen, in Bouzonville ein großes Logistik-Zentrum aufzubauen. Auch für den Präsidenten des Départements Moselle, Patrick Weiten, und Denis Paysant, Bürgermeister von Bouzonville, hat die grenzüberschreitende Güter- und Reisezugbeförderung oberste Priorität im Hinblick auf die deutsch-französischen Beziehungen.

„Es geht nicht mehr um das Ob, sondern darum, wie wir dieses grenzüberscheitende Projekt realisieren können“, bekräftigte Günter Heinrich, Landtagsvizepräsident und CDU-Landtagsabgeordneter. Er schätzt die Gesamtkosten hierfür auf etwa eine Milliarde Euro.

„Allein die Sanierung der Grenzpassage mit der Niedaltdorfer Brücke dürfte etwa 15 Millionen Euro kosten“, bestätigte Rüdiger Weiß von der DB Netz AG. Zudem müsse das Hemmersdorfer Stellwerk erneuert werden.

Vom Wirtschaftsministerium beauftragte Gutachter sehen für die Niedtalbahn aber kein großes Potenzial für die Zukunft. In den 1980er-Jahren nutzten noch mehr als 1300 Schüler und Berufspendler die Züge auf der Niedtalbahn. Aktuell dürfte die Zahl etwa bei 850 liegen.

„An Schultagen gibt es heute durchschnittlich 24 Reisende im Zug“, bestätigt Jürgen Meyer vom Wirtschaftsministerium. Alexander Raphael, Vorsitzender des Grünen-Ortsverbandes Rehlingen-Siersburg, kritisierte das von Wirtschaftsministerium für die Aufstellung des Verkehrsentwicklungsplans Nahverkehr in Auftrag gegebene Gutachten zur Niedtalbahn: „Die Option einer Verlängerung des Personenzugverkehrs nach Luxemburg wurde überhaupt nicht bewertet“.

Nach wie vor unklar ist, wie sich die französische Bahn (SNCF) zu diesem Thema positioniert. Trotz Einladung zur Veranstaltung nach Dillingen, war kein Vertreter der SNCF erschienen. rgi

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