Unvergessen: Sandbahnrennen in Erbach

Zwei gut besuchte Vortragsveranstaltungen weckten Erinnerungen

HOMBURG Die Namen einer Schule und einer Straße in Erbach erinnern noch daran, dass auf dem Gelände zwischen „Heimstätte“ und heutigem Berliner Wohnpark Mitte des letzten Jahrhunderts auf einer Sandbahn Motorradrennen mit internationalem Teilnehmerfeld ausgetragen wurden. Doch auch bei vielen Menschen in der Region sind die Rennen noch in bester Erinnerung, wie zwei Vortragsveranstaltungen zeigen, zu denen die Erbacher Ortsvertrauensfrau Anni Schindler, Markus Emser vom Historischen Verein Homburg und die Brüder Edi und Franz Boßlet als ehemalige Rennfahrer eingeladen hatten. Zuerst traf man sich im Haus der Begegnung in Erbach, wo der Saal jedoch nicht alle Interessierten aufnehmen konnte, so dass man zu einem weiteren Abend in die Galerie des Homburger Saalbaus einlud. Auch hier fasste der Raum letzte Woche kaum die vielen Besucher. Anni Schindler schätzt deren Zahl auf jeweils ca. 170 Personen.

Brüder Edi und Franz Boßlet

„Die Brüder Boßlet hatten alles darangesetzt, Sandbahnrennen zu gewinnen – nicht nur in Erbach, sondern im übrigen Deutschland und Europa. So haben sie einen besonderen Anteil an unserer Ortsgeschichte. Sie waren die Sand- und Grasbahnspezialisten und Lokalmatadoren in Erbach“, stellte Schindler ihre Partner des Abends vor, die später, nach der Pause, auf sehr packende aber auch humorvolle Weise ihre Erlebnisse als Rennfahrer, insbesondere auf der Sandbahn in Erbach, zum Besten gaben. Dabei stellten sie auch eine Rennmaschine und mit Spikes bestückte Reifen sowie Pokale vor. Dass sie als junge Rennfahrer auch schon mal mit einem Kaffeeservice als Hauptpreis beglückt wurden, ließen sie nicht unerwähnt. Doch nicht alle Rennen blieben unfallfrei – und nach Klinikaufenthalten musste so manches implantierte Metallteil den Körper wieder funktionsfähig machen.

Anni Schindler berichtete von 17 internationalen Sandbahnrennen, die zwischen 1952 und 1963 auf dem Gelände hinter der Siedlung La Bretesche ausgetragen wurden, das zuvor als Truppenübungsplatz und Panzerübungsgelände der Höfer-Kaserne gedient hatte. Die Stadt erwarb das 16 Hektar große Areal vom Forst. Mit einer Länge von 800 bis 1200 Metern Länge und einer Breite von 12 bis 15 Metern entsprach das Oval internationalen Vorgaben. Rings um die Bahn wurde eine 1,50 Meter hohe Bretterwand errichtet. Im Saal Reidenbach beschloss der Motorsport-Club Homburg, auf der Sandrennbahn in Erbach Rennen auszurichten. Auftakt dazu war am 25. Mai 1952 mit 20000 Zuschauern. Die Sandbahnrennen wurden in der Folge zu Volksfesten, auch für Gäste von jenseits der Grenzen des Saargebietes. Mit 40000 Zuschauern wurde beim Herbstrennen 1953 ein Besucherrekord erzielt. Das letzte Rennen wurde am 14. Mai 1961 ausgetragen. Bis dahin waren 244000 Besucher in Erbach registriert worden. red./jj

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