„Ulrike Becker hat Maßstäbe ­gesetzt, menschlich wie fachlich“

Nach 37 Jahren bei der AWO geht die Hauswirtschaftsmeisterin in den Ruhestand

SAARBRÜCKEN/VÖLKLINGEN Hauswirtschaft ist ein Beruf mit Zukunft. Das wurde bei der Verabschiedung von Ulrike Becker schnell deutlich. 37 Jahre lang war sie für die AWO tätig und hat in dieser Zeit die Hauswirtschaft und die Qualität des Service in den saarländischen AWO-Einrichtungen geprägt.

Für den typischen Empfang, wie er sonst bei vielen Verabschiedungen in den Ruhestand üblich ist, war die Hauswirtschaftsmeisterin allerdings nicht zu begeistern. Deshalb hat die AWO diesen kurzerhand in eine Fachtagung zum Thema „Visionen für eine professionelle Hauswirtschaft“ umgewidmet. Damit sei Ulrike Becker sehr einverstanden gewesen, sagte Landesgeschäftsführerin Ines Reiman-Matheis bei der Veranstaltung im Kongresszentrum der SHG-Kliniken in Völklingen. Schließlich habe Becker mit ihrer Arbeit die Grundlage für gelebte Servicequalität gelegt. Und eine solch hohe Servicequalität bedeute auch eine hohe Lebensqualität für die Bewohner der Einrichtungen.

Auch der AWO-Landesvorsitzende Marcel Dubois würdigte die Verdienste: „Ulrike Becker hat Maßstäbe gesetzt, menschlich wie fachlich“. Und das nicht nur als Leiterin der Hauswirtschaft für unterschiedliche Einrichtungen, sondern auch in der Betreuung von Auszubildenden. Aus ihrer Obhut sind gleich mehrere Landes- und auch ein Bundessieger Hauswirtschaft hervorgegangen. Zuletzt übernahm Ulrike Becker 2016 die Leitung der Stabsstelle Hauswirtschaft und Hygiene bei AWO-Pflege- und Betreuungsservice APS.

Für den Fachvortrag konnte Daniela Katz-Raible gewonnen werden. Die Vorsitzende des Fachausschusses Bildung bei der deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft weiß: „Hauswirtschaft muss laut und sichtbar sein, sonst werden wir übersehen.“ Derzeit gebe es 80 000 Hauswirtschafterinnen in der Bundesrepublik, Tendenz steigend. Der Beruf werde immer attraktiver, auch weil man überdurchschnittliche Gehaltssteigerungen ver­zeichne.

Dennoch: 2030 werden rund 20 000 Hauswirtschafterinnen allein im Pflegebereich fehlen, schätzt Katz-Raible. Und stellt fest: „Bescheidenheit war früher eine Tugend in der Hauswirtschaft. Und genau das, ist unser das Problem“. Deshalb: „Wir müssen raus aus der Bescheidenheit, sichtbarer werden und uns selbst vermarkten. Und klar machen: Wir sind Profis!“

Ein herzliches Dankeschön an Ulrike Becker in humorvoller Reimform kam aus dem saarländischen Bildungsministerium. Mit ihr zu arbeiten sei immer eine reine Freude gewesen, sagte Maria Frier, im Ministerium zuständig für die Berufsbildung in der Hauswirtschaft. Und: „Sie haben die hauswirtschaftliche Berufsausbildung im Saarland maßgeblich mitgestaltet.“ Ganz wird Ulrike Becker der AWO und den zukünftigen Hauswirtschaftern daher nicht verloren gehen. Sie will sich weiterhin in verschiedenen Bereichen um die Auszubildenden kümmern und auch weiterhin im Prüfungsausschuss für die Abschlussprüfungen sitzen.

red./jb

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