Syrische Ärztin in Saarlouis

Sanaa Roumia floh vor dem Bürgerkrieg – Feste Anstellung am Marienhaus Klinikum

SAARLOUIS In ihrer Heimat hatte sie zusammen mit ihrem Mann eine eigene Praxis: Heute arbeitet Sanaa Roumia als Assistenzärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Marienhaus Klinikums

Für jemanden, der wie sie aus Syrien kommt, sei das eine „ganz normale Geschichte“, sagt Sanaa Roumia. Dabei hat die vierköpfige Familie durch den Bürgerkrieg gleich zweimal alles verloren.

Trotzdem wären sie geblieben, wenn die Sorge um die Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Kinder nicht Überhand genommen hätte. So ist die Familie im Sommer 2014 nach Deutschland gekommen. Nicht klassisch als Flüchtlinge, sondern im Rahmen der Familienzusammenführung. Sanaa Roumias Bruder lebt bereits seit sieben Jahren im Saarland und ist als Radiologe an der Uniklinik in Homburg tätig. Seit Anfang des Jahres arbeitet auch Sanaa Roumia wieder in ihrem erlernten Beruf – als Assistenzärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Marienhaus Klinikums in Saarlouis. Möglich gemacht hat das das IQ-Netzwerk des Saarlandes. Wobei IQ hier für Integration durch Qualifizierung steht.

Religion

Sanaa Roumia stammt gebürtig aus Homs und hat in Damaskus Medizin studiert. Zusammen mit ihrem Mann, der ebenfalls Kinderarzt ist, hat sie viele Jahre eine Gemeinschaftspraxis betrieben. Die Familie gehört zur christlichen Minderheit im Lande. Aber die Religion habe in Syrien eigentlich nie eine große Rolle gespielt, erzählt sie. Ehen zwischen Muslimen und Christen seien zwar tabu gewesen, „aber wir haben friedlich nebeneinander gelebt“.

Das änderte sich mit Beginn des Bürgerkrieges 2011 schlagartig. Syrien ist zum Spielball ausländischer Interessen geworden; hier wird erbittert um Macht und Einfluss im Nahen und Mittleren Osten gekämpft; und plötzlich ist auch die Frage nach Religions- oder Volkszugehörigkeit eine, die über Leben und Tod entscheiden kann.

Bürgerkrieg

Als der Bürgerkrieg ausbrach, lebten und arbeiteten die Roumias in der Stadt Al Zabadani. Sie liegt nordwestlich von Damaskus nahe der Grenze zum Libanon und ist damit strategisch wichtig für den Nachschub der Kriegsparteien in dieser Region. Und so wurde Al Zabadani schnell zu einer umkämpften Stadt.

„Wir mussten häufig im Keller Schutz suchen“, sagt Sanaa Roumia. Zwei Jahre trotzte die Familie dem Krieg in Al Zabadani. Erst als ihr Haus völlig zerstört und auch noch die Schule geschlossen worden war, verließen sie die Stadt und wagten in Bloudan, einem Dorf in der Nähe, einen Neuanfang. Aber auch vor Bloudan machte der Krieg nicht Halt. – So haben sich die Roumias schweren Herzens entschieden, ihre Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu gehen. Vor allem der Kinder wegen.

Deutschkenntnisse

Erster und entscheidender Schritt dabei: Die Familie musste Deutsch lernen. Den Kindern ist das nicht schwer gefallen. Sie besuchen das Max-Planck-Gymnasium in Saarlouis, haben keine Klasse wiederholen müssen und brin-gen exzellente Noten nach Hause. Auch ihre Mutter ist sehr sprachbegabt, hat zunächst bei der VHS in Saarlouis Deutsch gelernt und dann den Deutschkurs für Mediziner des saarländischen IQ-Netzwerkes besucht.

Das bundesweite Förderprogramm Integration durch Qualifizierung gibt es seit gut zehn Jahren. Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, die Chancen für Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Deshalb bieten die IQ-Netzwerke beispielsweise auch Kurse an, in denen Deutsch für bestimmte Berufsgruppen vermittelt wird.

In einem solchen hat Sanaa Roumia ihre sehr guten Deutschkenntnisse weiter verbessert und noch das entsprechende Fachvokabular dazu gelernt. Und weil sie in ihrem Praktikum auch Chefarzt Dr. Alexander Tzonos überzeugt hat, hat sie zum Jahresbeginn eine Stelle in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Marienhaus Klinikums in Saarlouis bekommen.

Dort arbeitet sie klassisch als Assistenzärztin auf der Station, kümmert sich auch um kleinen Patienten aus dem arabischen Raum. Davon hat das Marienhaus Klinikum viele. Dann springt Sanaa Roumia als Übersetzerin ein – ein unschätzbarer Vorteil, wenn sich Arzt und Patient in ihrer Muttersprache unterhalten können.

Sehnsucht nach Syrien

Weil sie eine feste Anstellung hat, ist die anfangs auf zwei Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung um fünf Jahre verlängert worden. Was danach werden wird, steht in den Sternen. Auch wenn die Familie keine Probleme mit der Integration hat, so „fehlt mir doch unser altes Leben“, gibt Sanaa Roumia unumwunden zu. Dazu sind allein die familiären Bindungen nach Syrien einfach viel zu eng. Ihre Eltern leben noch dort. Die will sie in diesem Sommer auf alle Fälle besuchen; auch wenn das natürlich gefährlich sei, wie sie sagt.red./am

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