Stabile Integration versus Fachkräftemangel

Aktuelle Zahlen belegen: Geflüchtete sind auch bei Handwerksbetrieben gefragt

SAARPFALZ-KREIS Laut einer ntv-Meldung von Ende August verliert Deutschland bis zur Jahrhundertwende 20 Millionen Einwohner – rund 25 Prozent. Die Einwohnerzahl im Saarpfalz-Kreis würde von 144000 auf 108000 zurückgehen. „Diese Voraussage, die Zahlen unseres Jobcenters und Gespräche unserer Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit Handwerksunternehmen sprechen eindeutig dafür, dass wir schon heute Zuzug dringend brauchen. Es ist eine stabile Integration bei den Menschen mit Fluchthintergrund feststellbar. Handwerksbetriebe berichten von guten Erfahrungen“, erklärt Landrat Dr. Theophil Gallo nach der jüngsten Sitzung des Demographie- und Integrationsausschusses.

Zuzug gegen Bevölkerungsschwund

Die Zahl der Asylbewerber ist mit 39 auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Zuwanderung im Jahr 2015 hat bis August 2016 zu einem deutlichen Anstieg der Menschen, die Leistungen und Unterstützung durch das Jobcenter benötigen, geführt. Seit September 2016 nimmt die Zahl der Menschen, die im Jobcenter betreut werden, kontinuierlich ab und erreichte im Februar 2020 ihren niedrigsten Wert seit Einführung des SGB II im Jahr 2005. Diese sehr positive Entwicklung spiegelt die große Nachfrage nach Arbeitskräften im Saarpfalz-Kreis wider. Aus Sicht des Jobcenters ist es sehr erfreulich, dass die angebotenen Integrations- und Qualifizierungsangebote wirksam die Integration der geflüchteten Menschen, aber auch von Langzeitarbeitslosen, in den Arbeitsmarkt unterstützen und die Menschen auch ihre Chancen nutzen. Allerdings konnten trotzdem nicht alle Bedarfe der Betriebe gedeckt werden.

Im März 2020 brach das allumfassende Thema Corona herein. Zeitgleich stieg die Zahl Hilfebedürftigen wieder monatlich um rund zwei Prozent. Von März bis August 2020 sind 1178 Antragstellungen auf ALG2 erfolgt. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr waren es 693. „Bemerkenswert ist, dass aktuell 44 Prozent dieser Anträge tatsächlich abgegeben wurden und durch das Jobcenter bewilligt werden konnten. 27 Prozent sind bisher noch nicht ausgefüllt beim Jobcenter eingegangen. Alle anderen wurden entweder zurückgezogen oder konnten wegen fehlender Voraussetzungen nicht bewilligt werden. Das zeigt sehr viel Unsicherheit bei den Menschen. Bei anderen hat sich die berufliche Situation wieder entspannt. Gerade die Beratungen von Menschen mit Fluchthintergrund zeigen allerdings, dass sich die Probleme bei dem Personenkreis, der noch nicht integriert ist, eher vergrößert haben, da man beim Spracherwerb noch nicht so weit war bzw. im Shut-Down Sprachkurse geendet hatten und das Gelernte auch vergessen wurde. Betroffen sind insbesondere Frauen und ältere Menschen ab 50“, erklärt Dietmar Schönberger. Betrachtet man den Zeitraum März bis August, so ist die Zahl der Menschen mit Fluchthintergrund, die im Jobcenter betreut werden, von 2488 auf 2426 trotzdem kreisweit rückläufig. Dies gilt für alle saarpfälzischen Kommunen außer Homburg und Bexbach. Gleichzeitig ist Zahl der Menschen mit Jobcenterleistungen ohne Fluchthintergrund im gleichen Zeitraum jedoch von 5157 auf 5691 gestiegen. „Der Anstieg bei den Nichtgeflüchteten ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Auswirkungen von Corona auch ganz stark die Mitte der Gesellschaft erreicht haben. Es hat Menschen getroffen, die bisher nie etwas mit Hartz IV zu tun hatten, beispielsweise in der Industrie oder Soloselbständige. Der Anstieg dort ist momentan größer, da Menschen mit Fluchthintergrund oftmals in kleinen und mittelständigen Betrieben sind und diese bisher auch während der Krise eine hohe Personalbindung haben“, so Schönberger weiter. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Saarpfalz ist dabei, nach dem mehr 20-jährigen Bestehen die zweite Generation der Unternehmen – also die Nachfolger – in kleineren Gruppen zu beraten und nach ihrem Wünschen an die Arbeit der Wirtschaftsförderung zu fragen. „Sehr spannend ist, dass gerade Unternehmer aus dem Handwerk unisonso sagten, sie zählen auf die Migranten als Arbeitspotenzial der Zukunft“ informiert Wirtschaftsfördererin Doris Gaa. „Unsere Chancen in Deutschland liegen auch im verstärktem Zuzug und in der Integration. Davor brauchen wir keine Angst zu haben. Wir brauchen die Menschen. Die Zahlen zeigen, dass wir auf dem Weg zu einer guten Integration sind“, bekräftigt der Landrat. red./jj

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