Shoppen an Maria Himmelfahrt

Gewerbeverein reduziert die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage

HOMBURG Weil die Meinungen zu den verkaufsoffenen Sonntagen in der Homburger Kaufmannschaft inzwischen weit auseinanderdriften, wollte der Vorstand um Annette Germann die Termine für das kommende Jahr nicht eigenverantwortlich festlegen, sondern diese im Rahmen einer Diskussion mit den Gewerbevereinsmitgliedern festzurren.

Es galt bei der Zusammenkunft im Bistro 1680 in Erfahrung zu bringen, ob der Gewerbeverein künftig an den bislang vier verkaufsoffenen Sonntagen festhalten soll oder ob die Anzahl reduziert werden kann.

Es ging in der Konsequenz um die Frage, welcher Sonntag dann gestrichen werden könnte, wie es um die solidarische Geschlossenheit bestellt ist, welche möglichen Alternativen es zu dem Angebot gibt und auch um die Frage des generellen Verzichtes.

Den vielen und zum Teil kontroversen Erfahrungen und Wünschen hatte die Vorsitzende Germann ihre eigenen Erfahrungen vorangestellt: 2012, als sie ihr Geschäft in der Eisenbahnstraße eröffnete, da waren die verkaufsoffenen Sonntage noch richtig gut angenommen, „und der Laden war voll, und ich habe den Eindruck, das war bei vielen anderen auch so.“ Inzwischen aber seien viele Mitglieder unzufrieden. Aus Sicht mancher Geschäftsinhaber seien die Sonntage falsch terminiert, andere seien der Auffassung, es seien zu viele verkaufsoffene Sonntage. Auch die Kopplung an verschiedene Feste habe nicht immer die erhofften Erfolge gebracht: „Die Leute gingen zwar zu den Festen, aber nicht in die Geschäfte.“

Hinzu komme, so Germann weiter, „der starke Mitbewerber Online-Handel“, der rund um die Uhr an allen Tagen geöffnet habe.

Vor diesem Hintergrund wollte der Vorstand die Terminierung von verkaufsoffenen Sonntagen nicht alleine entscheiden, sondern die Mitglieder einbeziehen. Grundsätzlich könnten diese ihre Sonntage selbst wählen. Man hatte in Homburg aber auf die Geschlossenheit und Solidarität der Kaufmannschaft gesetzt, damit angelockte Sonntags-Kunden nicht vor verschlossenen Türen stehen. Künftig könnte, es aber so sein, dass die verkaufsoffenen Sonntage möglicherweise prinzipiell an größere Feste in der Stadt geknüpft sein müssen. Eine entsprechende gesetzliche Vorgabe sei derzeit in Prüfung und es sehe so aus, dass sie umgesetzt werde. Darauf wies Wirtschaftsförderin Dagmar Pfeiffer hin.

Im Mai nicht mehr verkaufsoffen

Die meisten der Anwesenden waren der Ansicht, dass ein verkaufsoffener Sonntag auch weiterhin mit dem gut frequentierten Keramikmarkt in der Stadt stattfinden solle. Anders die Meinung zum Maifest-Sonntag. Hier hatten viele Vieles probiert, das nicht so richtig funktionieren wollte. Weil die Mehrheit den verkaufsoffenen Sonntag im Mai als am schlechtesten bewertete, wird dieser im kommenden Jahr nicht stattfinden. Am „Mantel-Sonntag“ wollten die Textilanbieter allerdings nicht gerüttelt haben. Der Sonntag im Oktober bietet ihnen traditionell eine gute Gelegenheit zum Bewerben der Herbst- und Winterkollektionen und locke auch heute noch Kunden. Die verdeutlichte auch, dass die Akzeptanz von verkaufsoffenen Sonntagen sehr auch von der Branche abhängig ist.

Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind lenkte den Blick auf eine gedankliche Alternative. Wie wäre es, wenn man beispielsweise den Feiertag Maria Himmelfahrt (15. August) als verkaufsoffenen Feiertag in den Blick nehmen würde und dies einfach mal im kommenden Jahr austeste, mit ökumenischen Freiluftgottesdienst auf dem Marktplatz, der in diesem Jahr sehr gut besucht war. Das müsse zwar rechtlich geprüft werden, aber die gültigen Vorschriften zu verkaufsoffenen Feiertagen nennen aktuell nicht den genannten Feiertag. Vor diesem Hintergrund herrschte Einigkeit darin, Maria Himmelfahrt im kommenden Jahr auszutesten und die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage auf drei zu reduzieren: 7. April (Keramik-Markt), 6. Oktober (Mantel-Sonntag) und 1. Dezember (1. Advent). rk

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