„Shalom - Kirche trifft Synagoge“

Konzert in der katholischen Pfarrkirche St. Stephan

ILLINGEN Ein ganz besonderes Konzert erwartet die Besucher der katholische Pfarrkirche St. Stephan in Illingen, wenn es am Samstag, 14. März um 17 Uhr heißt „Shalom – Kirche trifft Synagoge“. Präsentiert wird das Konzert vom Kammerchor con anima unter der Leitung von Stefan Monshausen. Solisten sind Semjon Kalinowsky (Viola) und Paul Kayser (Orgel).

In einer Zeit, in der Unterschiede zwischen jüdisch-abendländischer und christlich-abendländischer Tradition nicht wertfrei diskutiert, sondern mit aller Macht als trennendes Element gesucht werden, bis hin zu Antisemitismus, ist es wichtig, Gemeinsamkeiten des kulturellen Hintergrunds herauszustellen.

Musik ist ein Medium, das besonders geeignet ist, solche Gemeinsamkeiten erkennbar zu machen zumal diese in der breiten Bevölkerung kaum oder überhaupt nicht bekannt sind.

So ist wenig bekannt, dass, von liberalen und reformierten Gemeinden ausgehend, die sich im Zuge der Aufklärung im Verlauf des 19. Jahrhunderts neben den traditionellen, orthodoxen oder konservativen Gemeinden etablierten, am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Synagogen die Liturgie verkürzt und der Chorgesang, der Gemeindegesang, die Predigt und Gebete in der Landessprache eingeführt worden waren.

Auch die Orgel hielt in deutschen reformgesinnten Synagogen Einzug. Fast der gesamte Instrumentenbestand wurde aber in der sogenannten Reichspogromnacht 1938 vernichtet; heute gibt es in Deutschland nur noch Synagogenorgeln in der Frankfurter Westend-Synagoge und in der Synagoge Saarbrücken.

Wichtige Musiker und Komponisten des Reformjudentums waren Salomon Sulzer, der Berliner Chordirigent Louis Lewandowski, der meisterhafte Chorsätze im Mendelssohn-Stil schuf und Ernest Bloch, der zum jüdischen Wesen einen Zugang von einzigartiger Individualität fand.

Die Jüdisch-Nationale Kunstmusik fand ihre Fortsetzung in Amerika, wo vor allem die mitteleuropäischen Emigranten zwischen den 30er und 50er Jahren für eine Blütezeit sorgten mit Namen wie Darius Milhaud, Arnold Schönberg und auch Leonard Bernstein.

Zum Programm „Schalom - Kirche trifft Synagoge“ schreibt Semjon Kalinowsky: „Dieses Programm stellt einen interreligiösen Dialog dar. Angelehnt an die reichen Traditionen der christlichen Orgelmusik und der jüdischen Liturgie, vereint dieses Programm in einem einzigartigen Konzept die beliebten Repertoire-Klassiker mit den wertvollen, in Vergessenheit geratenen Werken, die wir infolge unserer intensiven Forschung entdeckt haben. Im Vordergrund steht dabei, dass eine Brücke zwischen Tradition und Moderne geschlagen wird. Die seltene, aber reizvolle Konstellation Viola und Orgel verspricht ein außergewöhnliches Klangerlebnis.“

Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Louis Lewandowski, Max Bruch, Joseph Sulzer, Ernest Bloch, Joachim Stutschewsky und Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Der Eintritt kostet 8 Euro, Kinder unter zwölf Jahren sind frei. Der Erlös des Konzertes geht an die Synagogengemeinde Saar. red./eck

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