Seit 50 Jahren Chorleiter

Philharmonischer Chor feiert Prof. Leo Kraemer beim Jubiläumskonzert in Hülzweiler

HÜLZWEILER Ein seltenes und außergewöhnliches Jubiläum wird in diesen Tagen beim Philharmonischen Chor an der Saar gefeiert: Prof. Leo Kraemer ist seit 50 Jahren Chorleiter. In einem Konzert für Violine und Orgel spielt er sein eigenes Geburtstagsständchen am Sonntag, 30. Juni, 18 Uhr, in der Pfarrkirche St. Laurentius Hülzweiler. An der Beckerath-Orgel wird er begleitet von Robert Frank.

Das Konzertprogramm beinhaltet Werke von Johann Sebastian Bach, Francesco Maria Veracini, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Max Reger. Am Ende wird Kraemer über ein aufgegebenes Thema improvisieren.

Kartenreservierung und Info: www.philchor-saar.de oder Tel. (06831) 54636.

Seit 50 Jahren pendelt der emeritierte Domorganist und Domkapellmeister am Dom zu Speyer von seinem Wohnsitz in Speyer zu den wöchentlichen Proben ins Saarland. In all den Jahren hat Kraemer „seinen Chor“ zu hohem künstlerischem Ansehen geführt.

Als er 1969 als Kantor von „Liebfrauen“ in Püttlingen den Chor übernahm, hatte dieser gerade die Wandlung vom Kirchenchor über den Kammerchor „Cäcilia Hülzweiler“ zum Philharmonischen Chor an der Saar hinter sich.

Schon bald stellten sich überregional beachtete Erfolge ein. Meilensteine waren dabei Konzerte im Saarland, in Rheinland/Pfalz und in vielen Ländern Europas. All die Chorwerke, die dafür erarbeitet werden mussten, aufzuzählen, würde die Grenzen dieser Darstellung sprengen. Wenn man einige hervorheben will, sollten Bachs Matthäus-Passion, Verdis Messa da Requiem, das Deutsche Requiem von Johannes Brahms, die Psalmensinfonie von Igor Strawinsky und das Mozart-Requiem genannt werden.

Große Erlebnisse waren auch die Konzerte mit bekannten Solisten und Orchestern: mit Thomas Quasthoff, Peter Schreier, Siegmund Nimsgern, dem Staatsorchester Tallin und den Petersburger Philharmonikern.

Stets hatte sich Leo Kraemer zum Ziel gesetzt, Chormusik auf hohem künstlerischen Niveau zu pflegen. Um diesen Qualitätsansprüchen zu genügen, war konzentrierte, intensive Probenarbeit ebenso erforderlich wie professionelle Stimmschulung und Freude an der Musik. Dies vermittelte Kraemer in den 50 Jahren in vorbildlicher Weise, so dass der Chor mit seinen rund 70 Sängerinnen und Sängern nach wie vor hohe Ziele anvisiert: im Jubiläumsjahr Konzerte im Weltkulturerbe Völklinger Hütte (Haydns Schöpfung am 27. Juni), in Püttlingen, Hülzweiler und Speyer. Zum wiederholten Male folgt man auch einer Einladung zu Konzerten im Rahmen des internationalen Festivals „Musica e Arte Sacra“ in Rom.

Ein Saarländer mit internationaler Karriere

Leo Kraemer wurde 1944 in Püttlingen geboren und entpuppte sich schon in früher Jugend als Ausnahmetalent. Meisterkurse führten ihn zu bedeutenden Künstlern wie Ludwig Doerr, Gaston Litaize, Michael Schneider, Adrian Aeschbacher, Sergiu Celibidache, Günter Wand und Eugen Jochum. Er erhielt internationale Anerkennung mit dem Mendelssohn-Preis der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, beim Flandern-Festival von Brügge, in Aosta (Italien), bei der Pfälzischen Musikgesellschaft.

Von 1971 bis 2009 prägte Leo Kraemer als Domorganist und Domkapellmeister am Dom zu Speyer und somit Leiter des dortigen Domchores nachhaltig das musikalische Geschehen an dieser bedeutenden europäischen Kathedrale. Unter seinem Dirigat kam mehr als 120 Orchesterwerke im In- und Ausland zur Aufführung. Neben diesen Tätigkeiten unterrichtete er nach seiner Ernennung zum Professor an den Musikhochschulen von Saarbrücken und Mannheim.

Ein besonderen Stellenwert im Leben von Leo Kraemer aber nehmen die intensiven Kontakte und musikalischen Begegnungen mit Russland ein. Als Gastdirigent des Kammerorchesters der Petersburger Philharmoniker ist er immer wieder präsent in der berühmten Philharmonie von St. Petersburg. Konzerte führten ihn darüber hinaus in der Sowjet-Zeit nach Tallin und Minsk. Schließlich pflegt er eine wunderbare Beziehung zum Hochschulchor und Hochschulorchester des Konservatoriums von Kazan, die er immer wieder zu gemeinsamen Konzerten mit dem Philharmonischen Chor an der Saar und seinem Ensemble PalatinaKlassik in Russland, in Deutschland und in Italien vereint.

Prof. Kraemer ist weiterhin weltweit engagiert als Organist und Dirigent. Konzertreisen führen ihn immer wieder nach Rom, Tokio, Seoul, Mexico-City, Kazan, Samara, St. Petersburg und Moskau. red./am

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