Schweinehund überwinden – so klappt es

Er schlägt immer wieder zu: der berüchtigte Schweinehund. Doch zurückschlagen ist ebenfalls möglich: mit der richtigen Motivation.

Aller Anfang ist schwer

Oder etwa doch nicht? In der Theorie lassen sich oft Berge versetzen: Dem Kunden einmal wirklich die Meinung sagen, jeden Tag mit dem Sonnenaufgang aufstehen, das Wohnzimmer stets in Ordnung halten wie für ein Wohnmagazin und mit schlanker Taille locker ins Marathon-Ziel laufen … Die Motivation ist da – ebenso allerdings die Kreuzung zwischen Schwein und Hund, die inneren Verlockungen. Doch mit einigen Tricks und der richtigen Motivation lassen sie sich überlisten – in welchem Lebensbereich sie auch zuschlagen mögen:  

  • Arbeitsumfeld
  • Ausschlafen
  • Aufräumen
  • Abnehmen
  • Aktivitäten

Nicht klein beigeben

Neues Jahr, neues Glück? Kaum jemand, der noch nie mit mindestens einem guten Vorsatz ins neue Jahr gestartet wäre. Doch ebenso selten werden die Pläne auch wie vorgenommen umgesetzt. Nach den ersten drei Januar-Wochen leeren sich die zuvor überfüllten Fitnessstudios wieder, das Glas Wein wird erneut in den Tagesabschluss integriert, Post und Dokumente bleiben unsortiert liegen. Weshalb der Sinneswandel? Ist es wirklich so schwer, die erforderliche Einstellung beizubehalten?

An Gründen mangelt es nicht, wieder in die alte Rolle fallen zu können: Der Kunde könnte abspringen, die Sonne scheint auch noch am Nachmittag, Unordnung gehört zum Leben, Twiggi ist sowieso out und wer nicht schnell läuft, schont seine Knie. Vor allem alltägliche Handgriffe wie aufräumen fällt vielen schwer – doch Chaos muss nicht als System deklariert werden. Schon Kleinigkeiten können helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Oft ist es vor allem der Anfang, der einem schwerfällt. Danach steht die Hürde des Dranbleibens. Beim Aufräumen beispielsweise müssen sich Menschen erst einmal einen Überblick verschaffen. Vielleicht ist sogar erst Ausmisten angesagt, ehe Ordnung im eigenen Zuhause überhaupt mal einkehren kann.

Langfristige Effekte wie die Gesundheit, das Ausschütten von Glückshormonen, das Wissen, dass unerwarteter Besuch jederzeit hereingebeten werden kann und auch wichtigen Klienten gegenüber Selbstvertrauen zu zeigen – wer sich die richtigen Reize setzt, wird durchhalten. Und nach einer Weile die erforderlichen Handgriffe automatisch in seinen Alltag implementiert haben.

Reize setzen und setzen lassen

Was genau ist eigentlich Motivation? Vom lateinischen Wortstamm mit „Bewegung“ übersetzt, lässt sich diese Bewegung nicht nur im wörtlichen Sinne auf Aktivitäten, sondern auf sämtliche Lebensbereiche übertragen: Bewegung als Triebfeder für bestimmte Handlungsweisen. Ausgelöst werden kann sie sowohl durch innere wie auch äußere Reize:

  • Extrinsische Motivation: Anreize von außen
  • Intrinsische Motivation: Anreize durch eine Tätigkeit an sich

Der Unterschied, was den inneren Schweinehund betrifft: Was man nicht wirklich tun möchte, was sich einzig auf Zwang oder Pflichtgefühl begründet, wird nicht zu langfristigen Ergebnissen führen. Ziele, Reize und Interessen müssen gewollt, müssen groß genug sein, auch in weiter Zukunft nicht aufzugeben. Nur so wird es gelingen, dem Kunden freundlich, aber bestimmt entgegenzutreten, auch an einem regnerischen Wintertag früh aufzustehen, die Kleidung in den Schrank zu räumen und dem Schokoladenkuchen das Fitnessstudio vorzuziehen.

Ziel erreicht? Dann los …

Geschafft? Ziel gesetzt und erreicht? Leider grüßt am nächsten Tag wieder das Murmeltier, und zwar an jedem. Denn am Berggipfel angekommen, gilt es, oben auf dem Grat zu verweilen. Sonst sind die Pfunde auf den Hüften und das Chaos in der Wohnung bald zurück, und das Glücksgefühl der Zielerreichung wird wieder verschwinden.

Das Leben im Hamsterrad verbringen?

Die Vorstellung, in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr auszuschlafen, nur noch Salat zu essen, immer wieder die Sporttasche zu packen und alles sofort wegräumen zu müssen, mag zunächst demotivieren. Und ja – jeder fällt einmal in ein mentales Loch. Doch jeder ist auch in der Lage, sich stets neu anzuspornen, was immer gerade schiefläuft im Leben.

Mit der richtigen Einstellung, dem absoluten Willen ist fast alles möglich. Nur so gelingen Sportlern nach Verletzungen fulminante Comebacks – was vor allem den Bewohnern des Saarlandes bekannt zu sein scheint. Mehr als ein Drittel aller Einwohner des südwestlichen Bundeslandes gehören einem Sportclub an und führen damit die deutschlandweite Liste an.
Immer mehr nutzen die traumhafte Umgebung für Bewegung an der frischen Luft – mit dem willkommenen Nebeneffekt, damit automatisch oftmals früh aufzustehen und ihre Kleidung sorgfältig in die Sporttasche zu packen.

Die richtige Antwort auf Ausreden finden

Natürlich aber sind auch Saarländer nicht vor dem Mann mit dem Hammer gefeit. Er kann jeden treffen, jederzeit. Weshalb ihm das gelingt? Weil nicht jeder immer kann oder will, falschen Vorstellungen oder ungenügenden Beweggründen erliegt.

  1. Nicht können: Der Kunde hat einen zeitaufwendigen Auftrag
  2. Nicht wollen: Parallel läuft die Lieblingsserie
  3. Falsch einschätzen: So schnell räumt es sich nicht auf
  4. Falsche Beweggründe: Der Diätvorschlag kommt vom Ehemann

Dabei bedarf es nicht mehr als einer Änderung des Blickwinkels, einer zielgerichteten mentalen Einstellung:

  1. Können: Prioritäten setzen, früher aufstehen
  2. Wollen: Wozu gibt es Mediatheken?
  3. Ziele niedriger stecken: ein Zimmer nach dem anderen
  4. Äußere Reize zu inneren kehren: Manchmal hat der Göttergatte auch recht

Den Körper überlisten

Geist gegen Körper – auch das ist eine Schwierigkeit auf dem Weg der Selbstmotivation. Denn der Mensch geht am liebsten den Weg des geringsten Widerstands. Wer damals rannte, sicherte sich so sein Überleben – heutzutage muss niemand vor natürlichen Feinden fliehen oder sein Essen selbst jagen. Weshalb also unnötig anstrengen?

Weil es keine Anstrengung sein muss. Es gibt Selbstvertrauen, mit Kunden auf Augenhöhe zu kommunizieren, es beglückt, den Sonnenaufgang zu beobachten. Ist die Wohnung vom Chaos befreit, fühlt sich auch der Geist freier, und mit Sport und gesunder Ernährung steigen Stimmung und Lebenserwartung gleichermaßen. Sollte all dies Wissen nichts helfen, gibt das Blatt nichts mehr her, lassen sich nur noch Joker ziehen:

„Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe.“

Das sagte einmal mit Götz Werner der Gründer des dm-Drogeriemarkts. Wege aus dem Motivationstief und zur Überlistung des inneren Schweinehundes gibt es wahrlich genug. Es gilt: Taten zählen mehr als Worte!

Routine einführen: Nicht ob, sondern wann: So wie das tägliche Zähneputzen lässt sich vieles einfach in den Alltag integrieren: früh aufstehen, joggen, gesund einkaufen, Unterlagen sortieren.

  • Routine durchbrechen: Keine Langeweile aufkommen lassen: Neues spornt an. Statt joggen einfach mal Rad fahren, ein neues Ordnersystem implementieren, zum Sonnenaufgang an den See fahren, dem Kunden einen außergewöhnlichen Vorschlag unterbreiten
  • Für die richtige Stimmung sorgen: Mit Musik motivieren und schnelle Rhythmen zum Putzen, aufbauende Texte vor dem Klientengespräch, schnelle Beats beim Laufen hören und auf schlechte Nachrichten im Radio verzichten
  • Prioritäten setzen: So wichtig ist das spannende Buch gerade nicht
  • Sich selbst testen: Pläne für Arbeit und Freizeit erstellen: Wann wurde aufgestanden, was gegessen, wie mit dem Kunden gesprochen, wohin die fliegenden Blätter sortiert
  • Überprüfen lassen: Druck von außen generieren und mit einer App andere Menschen an der eigenen Zielsetzung teilhaben lassen
  • Fokussieren: Handy ausschalten, Kühlschranktür nicht öffnen, Ziel im Blick behalten
  • Equipment verwenden: Neue Ordner kaufen, frische Weckmelodie einstellen, Saftpresse gönnen, Springseil nutzen
  • Mentale Einstellung richten: keine Angst vor der Kundenreaktion. Selbstbewusst sein
  • Realistische Ziele setzen: Statt Marathon den Fünf-Kilometer-Lauf anpeilen
  • Maßgeschneiderten Plan erstellen: montags die Küche, mittwochs das Schlafzimmer, am Wochenende das Büro putzen
  • Alles gut vorbereiten: Am Vorabend schon die Sporttasche packen, morgens auf dem Markt das Mittagessen erwerben
  • Nach erfolgreicher Etappe belohnen: Ein Kilogramm abgenommen? Eine Kinokarte! Einen neuen Auftrag erhalten? Sekt mit Freunden trinken

Rückschläge sind normal

Und wenn das alles nichts hilft, der Wecker einfach wieder ausgeschaltet wird und der Kunde eine ungeschickt formulierte E-Mail erhält, wenn der Schokoriegel im Magen landet, die Sporttasche in der Ecke und die Teller sich in der Küche stapeln, dann ist das hin und wieder völlig normal. Selbst Personen mit der konzentriertesten mentalen Einstellung, mit dem unbedingten Willen, ihr Ziel zu erreichen, erleben Rückschläge auf ihrem Weg zum Erfolg. Doch sie stehen auch wieder auf. Denn wie schon der bekannte Dramatiker Friedrich von Schiller wusste: „Jeder Tag ist eine neue Chance, das zu tun, was du möchtest.“

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