Schon als Kleinkind im Sattel

Antonia Bley stammt aus einer pferdebegeisterten Familie

EINÖD/ ZWEIBRÜCKEN „Das war ein Glückstreffer“, strahlt Antonia Bley. Die 13-jährige Einöderin hat 2020 bei den Saarlandmeisterschaften Vielseitigkeit in Schwalbach sowohl den Einzeltitel der Junioren als auch den Titel mit der Mannschaft gewonnen. Im vergangenen Jahr verpasste sie knapp den Sieg bei der Landesjugendschärpe in Zweibrücken und wurde mit ihrem damaligen Turnierpferd, dem zehnjährigen Trakehnerwallach Hermann Vizemeisterin.

Die Reiterin, die sich als durchaus „gesund ehrgeizig“ bezeichnet, hatte den Titel gewollt, jedoch nicht unbedingt erwartet. Denn beide Male gibt es besondere Umstände, unter denen sie auf ihre ersten Schärpen besonders stolz sein kann. Den Einzeltitel als Saarlandmeisterin Vielseitigkeit Junioren hat sie sich mit ihrem Erfolgspferd Hilton 50 oder auch Hennes, wie der Hannoveraner liebevoll genannt wird, bei ihrer allerersten Vielseitigkeitsprüfung der Klasse A** erritten.

Nach einer guten Dressur auf Treppchenkurs beendete das Paar zunächst die anspruchsvolle Geländestrecke in Schwalbach fehlerfrei innerhalb der erlaubten Zeit auf Platz 2. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Toni so schnell reitet“, staunte selbst Trainer Manfred Reitmeier als Streckenbeobachter, als die Juniorin, die für den RV Einöd sattelt, ihren ohnehin bereits blitzschnellen Wallach Hennes mit ihrer Stimme zu noch mehr Tempo motivierte. Gelände ist auch die Lieblingsdisziplin der Gymnasiastin, die aus einer pferdebegeisterten Familie stammt. Bei dem entscheidenden, abschließenden Springen freute sie sich über eine gute Runde im Parcours und landete unter den zum Teil erwachsenen Teilnehmern auf dem Bronzerang in der Prüfungswertung. Unter den Junioren bedeutete das den Titelgewinn.

Zu dem siegreichen Mannschaftsergebnis in der E-Klasse trug Antonia Bley mit ihrem Nachwuchspferd Casi bei. „Ich hatte beinahe einen Sprung vergessen und musste eine Schleife reiten. Trotzdem waren wir innerhalb der erlaubten Zeit“, berichtet die junge Reiterin, die für ihr Leben gerne fliegend galoppiert. Sie habe zwar gemerkt, dass die Stute am Anfang ihrer Ausbildung und noch jung und unerfahren ist, doch die sechsjährige Casi habe ihre Aufgaben dafür mit sehr viel Herzblut souverän gemeistert. Das Paar wurde in der E-Vielseitigkeit Siebte.

Mit Mama Katy im Sattel

Mutter Katy Bley, geborene Huber, war bereits vielfach Saarlandmeisterin Vielseitigkeit. Von ihr hat Antonia, die als Kleinkind bereits vorne im Sattel saß, bevor sie laufen konnte, das „Buschfeeling“ geerbt. Einzig vor den Gräben hat sie ein wenig Respekt, wie übrigens viele Buschreiter und entsprechend auch ihre Pferde.

Ihre erste vierbeinige Lehrmeisterin war die Ponystute Taylina, mit der Antonia Bley die Einstiegswettbewerbe bei den regionalen Turnieren bestritt. Neben Mutter Katy, die eine B-Trainerlizenz besitzt, lernte sie vorwiegend Dressur bei Dieter Pankok und Springen bei Manfred Reitmeyer. Im Gelände erfährt sie Unterstützung von Stefan Odenbreit, der das saarländische Team diesjährig auch zu dem Junioren Bundeschampionat, der Goldenen Schärpe, geführt hat.

Als Antonia älter wurde, kam das junge Schimmelpony Mustang in den Bleyschen Stall. Doch da Antonias Beine immer länger wurden, war sie auch ihm schnell entwachsen. „Ihn hat die Tochter von Ingrid Klimke bekommen“, erinnern sich Mutter und Tochter an das „völlig entspannte Kaffeetrinken“ mit der berühmte Deutschen Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit.

Antonias großes Vorbild ist Josefa Sommer, von der auch Hilton stammt. In den Sommerferien war die junge Reiterin dort auf Gut Waitzrodt, wo auch die Filmaufnahmen zu dem berühmten Pferdefilmen „Ostwind“ gedreht wurden, zur Ausbildung. „Ihr Reitstil, ihre Kämpfernatur, dass sie alle ihre Pferde von der Pike auf selbst ausgebildet hat und jedes Pferd genau so nimmt, wie es in dem Moment gerade ist“, zählt sie die Eigenschaften der erfolgreichen Vielseitigkeitsreiterin begeistert auf.

Das wohl der Pferde im Vordergrund

So will sie auch mit ihren eigenen Pferden umgehen, um möglichst lange Freude mit ihren vierbeinigen Sportkameraden zu haben. „Antonia reitet Hennes ohne Gerte und ohne Sporen“, beschreibt Katy Bley. Etwas, das im Meisterschaftsreglement so nicht vorgesehen ist. Auf die Frage nach „Warum?“ antwortete die Reiterin ganz selbstverständlich: „Weil es bei diesen Pferden gut funktioniert.“

Das leibliche Wohl und die Rundumversorgung ihrer Pferde stehen für die junge Vielseitigkeitsreiterin an erster Stelle. Besondere Unterstützung erfährt die junge Amazone nicht nur von Mutter Katy und Vater Marcus, sondern auch von ihren Großeltern. Mit vier eigenen Pferden in dem kleinen Privatstall gibt es immer etwas zu tun. So verbringt die Achtklässlerin am Helmholz-Gymnasium in Zweibrücken, deren Lieblingsfach Sport ist, auch jede freie Minute mit ihren Pferden und im Stall.cvw

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