Scharfsinnige, redegewandte Persönlichkeit

Erinnerungen an Domkapitular Dr. Dietrich Becker

NIEDERGAILBACH Neben Bischof Nikolaus von Weis und Prälat Josef Eduard Konrad Bischof (Konrad von Bolanden) gehört auch Domkapitular Dr. Dietrich Becker zu den prägenden Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts in der Diözese Speyer. Alle drei geistlichen Würdenträger stehen in enger Verbindung mit dem kleinen Grenzdorf Niedergailbach.

Vor 190 Jahren – am 29. November 1830 – wurde Dietrich Becker als vierter Sohn der Eheleute Nikolaus Becker und Maria Elisabeth geb. Schuster in Niedergailbach geboren. Er war Priester der Diözese Speyer, Doktor der Philosophie, Direktor des Bischöflichen Konviktes St. Josef, Speyerer Stadt- bzw. Dompfarrer und Domkapitular.

Zu seiner Zeit galt er als einer der dominierenden Redner und Prediger des Bistums und betätigte sich auch als theologischer Schriftsteller. Becker studierte in München u.a. bei Professor Daniel Bonifatius Haneberg, dem späteren Bischof von Speyer. Am 20. August 1855 erhielt er im Speyerer Dom von Bischof Nikolaus von Weis die Priesterweihe. Beim Tod von Bischof Weis 1869 hielt ihm Dietrich Becker am 15. Dezember im Dom die Trauerrede. Ebenso hielt er am 2. Juni 1876 zum Tod von Bischof Haneberg die Traueransprache.

Domkapitular Becker wurde in der Presse auch als einer der Nachfolger von Bischof Weis gehandelt. So schreibt die Bayerische Landeszeitung in Zweibrücken am 6. Januar 1870: „Dass Dr. Becker sich Hoffnungen auf den Bischofsstuhl macht, ist bekannt, aber viele bezweifeln, ob er die erforderliche Duldsamkeit, Milde und wahre Vaterlandsliebe besitzt….“

Becker war in der Pfalz ein maßgeblicher Initiator der sogenannten katholischen Wanderversammlungen, die man als regionale Katholikentreffen bezeichnen könnte und auf denen man besonders die Beschlüsse des I. Vatikanischen Konzils erörterte und dem Volk näher brachte. Die Ergebnisse des Konzils wurden nämlich von der Presse stark angegriffen und meist verzerrt dargestellt. In jener Zeit trat Dr. Becker auch öfter als Redner auf den deutschen Katholikentagen auf.

Nach zweijährigem Hirnleiden verstarb Dr. Dietrich Becker relativ jung am 31. Januar 1879. In der Presse wurde er folgendermaßen charakterisiert: „Dom- und Stadtpfarrer Becker war eine scharfsinnige, geistreiche, redegewandte Persönlichkeit, die an ihrem Auftreten alles überragte und daher in der Öffentlichkeit seit Jahren eine unbestritten führende Rolle übernommen hatte.“

Dr. Dietrich Becker wurde auf dem alten Friedhof Speyer (Domkapitelsfriedhof) bei St. Bernhard beigesetzt, wo der Grabstein heute noch an ihn erinnert.red./dos

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