Schaffhosen an und los geht‘s

Das Camp der Mittelaltervereins Waldläufer in Dietrichingen wächst von Jahr zu Jahr

DIETRICHINGEN Alte Handwerkskünste standen auf dem Programm des Feriencamps des Mittelaltervereins Waldläufer in Dietrichingen, an dem 28 Mädchen und Jungen teilnahmen. „Hände waschen, Mittagessen!“ Campleiter Hans Traxel muss zweimal rufen, so vertieft sind die Kinder in ihre Arbeit.

Mit roten Wangen, Feuereifer und sichtlicher Freude schippen sie Erde, warfen diese durch große, aufgestellte Siebe. „Die Erde dahinter ist ganz fein und weich“, weiß Jeshua Bläs (11) aus Wallhalben. Er ist bereits zum dritten Mal im Dietrichinger Camp. „Die Arbeit macht echt Spaß. Viel besser als Schule“, findet auch Alessio Storero. Der elfjährige Zweibrücker ist zu seinem dritten Ferienaufenthalt gleich mit Schaffhosen angerückt. Gemeinsam werden Steine gefahren und der Grund für die neue Schmiede gelegt.

Große, unbehauene Natursteine versetzt aufgeschichtet, die Lücken mit kleineren Steinen aufgefüllt und schließlich mit Erde vervollständigt. Im Nachgang werden die Waldläufer die Grundmauer mit Mörtel haltbar machen, um im nächsten Jahr gemeinsam mit den Kindern einen Oberbau aus Holz darauf zu errichten. Kinder, die jedes Jahr kommen, erleben das Camp wachsen. Sie dürfen auch helfen, die Winterschäden am Hobbitaus zu reparieren, das sie selbst 2018 aus Sandsäcken der Bundeswehr aufgebaut haben. Im vergangenen Jahr wurde auf der praktischen Zeitreise Mittelerde erreicht. Ab diesem Jahr nun wird das Land, zu dem „Herr der Ringe“ Pate gestanden hat, aufgebaut.

„So hat man das im Mittelalter gemacht. Da gab es noch keinen Bagger“, erklärt Jeshua stolz, während er sich durch den großen Berg aus rotem Sand, Muttererde und Steinen schippt. Der sechsjährige Pepe Jäger aus Bechhofen ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. „Gestern hatte ich Heimweh. Da habe ich im Haus geschlafen“, erzählte er, während er Steine in die Schubkarre sammelte. Tags darauf war er froh, dabei zu sein und wollte auch mit den anderen im Zelt übernachten.

Gemeinsam entwickelten die Kinder kreative Ideen und erarbeiteten sich selbstständig alte Techniken. So kamen sie ohne Hilfe auf die Lösung, die schweren Betonplatten der Tischgarnitur auf zuvor zurecht gesägten Holzbohlen zu transportieren. Nachdem gemeinsam ein Torbogen aus zurecht geschnittenen Blattzweigen als Durchgang neben den Gemüserabatten der Hausmutter errichtet wurde, kam den Kindern eine Idee. Sie bauten sich eine Waldhütte und verkleideten sie so dicht mit Blättern, dass sie darin unsichtbar waren.

Immer wieder staunten Hans und Bettina Traxel über die Findigkeit der Sechs- bis 14-Jährigen, ihren Eifer, ihre Begeisterung und ihre Ausdauer. Sich selbst erproben dürfen, Lösungen finden, im Einklang mit der Natur und dem sozialen Gefüge leben – neben den Techniken vermitteln die Waldläufer im Sommercamp spielerisch auch eine Fülle an Sozialkompetenzen. Kein Wunder, dass die Praktikanten und Betreuer neben der Familie der Waldläufer aus ehemaligen Ferienkindern erwachsen sind.

Sie hatten sichtlich Freude am Umgang mit dem Nachwuchs. Brett und Gesellschaftsspiele, Volley- und Völkerball ergänzten das umfangreiche Freizeitangebot. In diesem Jahr konnten die Kinder mit den „Tanzmädels der Waldläufer“ sogar mittelalterliche Tänze lernen. Wer mochte, durfte auch in der Küche helfen.

Höhepunkte waren, wie in jedem Jahr, der Besuch des Greifvogelexperten und der Försterin Theresa, die den Kindern Flora und Fauna im Wald näher brachte. Und der Gang durch das Labyrinth nach Hildegard von Bingen. Hier entdeckte jedes Kind individuell seinen Weg, der sich mit jedem neuen Schritt offenbarte.cvw

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