Live-Restaurierung digital verfolgen

Anton von Werners Gemälde „Fürst Bismarck“ wird im Historischen Museum Saar fachmännisch instand gesetzt

Saarbrücken. Aufgebockt auf einer Werkbank liegt Anton von Werners „Fürst Bismarck“ (1880). Anfangs war die Leinwand auf eine Holzplatte gespannt und eine dünne Schicht Japanpapier verdeckte weite Teile des Ganzkörper-Portraits. Sie hielt das 140 Jahre alte Ölgemälde provisorisch zusammen. Mittlerweile hat Expertin Katharina Deimel die ausgerissenen Ränder stabilisiert, die Papierschichten gelöst sowie Vorder- und Rückseite von alten Schmutzschichten befreit. Als nächstes wird die Leinwand auf einen neuen Keilrahmen gespannt, bevor es mit der Detailarbeit weitergeht.

Die kommende Sonderausstellung „Monumente des Krieges“ im Historischen Museum Saar steht schon in den Startlöchern. Sobald die Museen wieder geöffnet sind, werden dort die sieben Gemälde des Alt-Saarbrücker Rathauszyklus zu sehen sein. Zwei Gemälde des Zyklus werden in einer einzigartigen Live-Restaurierung in den Räumen des Museums wiederhergerichtet. Die öffentlich zugängliche Restaurierungswerkstatt befindet sich unterhalb der großen Freitreppe im Untergeschoss des Museumsbaus und veranschaulicht die einzelnen Schritte der Restaurierungsarbeit, die den Blicken der Museumsbesucher normalerweise verborgen bleiben. Sie können der Diplom-Restauratorin Katharina Deimel während der Arbeit über die Schulter schauen und Fragen stellen. Zudem werden an einer Tafel die einzelnen Schritte der Restaurierung beschrieben und mit entsprechenden Fotos bebildert.

Neben der Besichtigung vor Ort kann man den Fortschritt der Restaurierungsarbeiten jederzeit auch von zu Hause aus über eine Webcam live mitverfolgen. In regelmäßigen Abständen sendet sie Fotoaufnahmen an die Startseite der Museumshomepage www.historisches-museum.org. „Die Übertragung im Internet steht für einen partizipativen Ansatz, der es auch den Menschen, die das Museum nicht real besuchen können, ermöglicht, eines der spannendsten Kapitel der Museumsarbeit kennenzulernen: die Bewahrung und Erhaltung von Kulturgut“, erklärt Museumsdirektor Simon Matzerath.

Ende März sollen die Arbeiten an „Fürst Bismarck“ beendet sein, so dass er seinen Platz innerhalb des Alt-Saarbrücker Rathauszyklus wieder einnimmt. Dieser wird mit seiner enormen Gesamtbildfläche von über 55 qm mit Wiedereröffnung der Museen in der neuen Sonderausstellung des Historischen Museums Saar präsentiert. Erst danach hält das größte Gemälde des Zyklus „Ankunft König Wilhelms I. in Saarbrücken“ (1880), mit einer Breite von über fünf Metern, Einzug in die Werkstatt. red./tt

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