Reise ins Mittelalter

Jutta Schwan berichtete vom Pilgern in früherer Zeit

WITTERSHEIM Das Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld mit seinen weitläufig umgebenden Anlagen war Ort eines besonderen Vortrages über das Pilgern im Mittelalter. Anhand ihrer zusammengestellten medialen Präsentation lud Dr. Jutta Schwan in vergangene Jahrhunderte ein, wo das Pilgern die erste Form des Fernreisens darstellte und es dabei abenteuerlich und durchaus auch gefährlich zuging.

Die Kunsthistorikerin des Saarpfalz-Kreises betrachtete dabei nicht nur die Beweggründe unserer Vorfahren wie die Vergebung der Sünden, wenn man Orte wie Rom, Santiago de Compostela oder Jerusalem aufsuchte, sondern gab auch Einblicke in die weitere geschichtliche Entwicklung bis in unsere heutige Zeit, wo Pilgern geradezu wieder „modern“ ist und durch verschiedene Veröffentlichungen, nicht zuletzt durch Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ durchaus zu einem echten Boom wurde. Auch wenn Corona in diesem Jahr auch hier seine Einschränkungen vornimmt. Heute sind es nicht nur gläubige Menschen, die sich auf den Weg machen. Viele brauchen einen Ausbruch aus dem Alltag oder beschäftigen sich mit Lebens- und Beziehungsfragen und erhoffen sich durch das Unterwegs-sein einen frischen Wind und freien Kopf für die weiteren Ansprüche an ihr Leben. Pilgern ist auch keine (rein) christliche Tradition. Jährlich strömen Millionen von Muslimen nach Mekka, Juden pilgern nach Jerusalem, Buddhisten zu den Orten Buddhas und Hinduisten zu ihren heiligen Flüssen, Orten und Städten.

Bei Christen besonders beliebt ist der Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Dabei gehörte dessen Symbol, eine Muschel, schon früh zu den Ausrüstungsgegenständen eines Pilgers, denn aufgrund ihrer Form diente sie auch als Trinkgefäß oder Besteck. Sie war also sehr praktisch.

Zur weiteren Ausrüstung eines Pilgers gehörten (und gehören auch heute noch oftmals) ein langer Umhang, der nachts auch als Decke diente, ein Pilgerhut zum Sonnen- und Regenschutz und ein Pilgerstab. Das heute noch gepflegte Sprichwort „Das kannst du dir an den Hut stecken“ kommt ebenso aus der Pilgertradition. Denn am Hut (oder am weiten Pilgermantel) wurden die immer weiter aufkommenden Pilgerabzeichen befestigt, welche sichtbar machten, welche Orte ein Pilger bereits besucht hatte. Anhand ihrer Präsentation konnte Dr. Jutta Schwan verschiedene Modelle solcher Abzeichen zeigen wie auch Pilgermünzen und vieles mehr. Der sehr informative Vortrag im Haus Lochfeld war eine Kooperation des Zweckverbandes „Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe“, des Saarpfalz-Kreises und des Mandelbachtaler Verkehrsvereins. Coronabedingt war der Raum nur für zwölf Personen zugelassen, für welche es jedoch ein sehr interessanter Abend war. ks

Copyright © wochenspiegelonline.de / WOCHENSPIEGEL 2020
Alle Rechte vorbehalten.