Plädoyer für Wachsamkeit und Verantwortung im digitalen Netz

Dunja Hayali sprach beim KSK-Wirtschaftsforum über Macht, Medien und Mythen

SAARLOUIS Prominente Gesichter, kluge Köpfe, Leute, die etwas zu sagen haben – mit seinen Top-Referenten zählt das Wirtschaftsforum der Kreissparkasse Saarlouis zu den attraktivsten Adressen im alljährlichen Event-Reigen in der Kreisstadt.

Diesmal war die Journalistin und ZDF-Fernsehmoderatorin Dunja Hayali zu Gast. Millionen Zuschauer kennen sie vom Morgenmagazin, ihrer Talkshow und neuerdings auch vom Aktuellen Sportstudio.

Vor über 500 geladenen Gästen sprach die 44-jährige in Westfalen geborene Tochter irakischer Einwanderer über ihre berufliche Arbeit und ihren ganz persönlichen Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Als Journalistin, für die Sorgfalt und Wahrhaftigkeit in der Berichterstattung oberstes Gebot sind, und als Frau mit Zivilcourage, die offensiv ihre Überzeugungen vertritt – so hat Hayali von sich reden gemacht. Ihr gesellschaftliches Engagement, für das sie kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, wird ihr aber nicht von allen Seiten gedankt.

Im Gegenteil: Hass-Mails und üble Beleidigungen bis hin zu schlimmsten Verwünschungen gehören zu dem digitalen Mobbing, dem sich Hayali immer wieder ausgesetzt sieht.

„Ich erlaube mir dennoch ein Gutmensch zu sein“, sagte die beinahe zierliche Frau, die dafür eintritt, „für Werte einzustehen, sie aktiv zu vertreten und zu verteidigen“.

Und so wurde ihr Vortrag über den digitalen Medienwandel und seine Auswirkungen auf Publikum und Macher auch ein eindringliches Plädoyer für mehr Wachsamkeit gegenüber Fake News und mehr Verantwortung im Netz. Digitale Manipulation und „Hass auf Knopfdruck“ seien zerstörerisch für Mensch und Gesellschaft. Auch Journalisten machten Fehler, räumte Hayali ein, „wem passiert sowas nicht?“

Dann heiße es, sich zu korrigieren und die Dinge richtigzustellen. Schlimm werde es allerdings, wenn Richtiges gar nicht mehr rüberkomme, in digitalen Netzwerken „die Wahrheit durch die Masse an Manipulation ersetzt wird“. Deshalb sei es wichtig, mit diesen Erkenntnissen auch in die Schulen zu gehen und aufzuklären. Zudem: Sich gesellschaftlich zu engagieren, Gesicht und Zivilcourage zu zeigen, könne für jeden „ein ganzes Paket Glück“ bedeuten, zitierte die Journalistin aus ihrem neuen Buch „Haymatland“.

Dass der Medienwandel eine ganz neue Form des Umgangs erfordere, „sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für Erwachsene“, darauf hatte in seiner Begrüßung auch der KSK-Vorstandsvorsitzende Horst Herrmann hingewiesen. Obligatorisch die Einladung zum anschließenden gemütlichen Beisammensein, dem viele der 500 an diesem langen und höchst interessanten Freitagabend wie immer gerne folgten. red./jb

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