Pferdezucht als zweites Stand bein

Decksaison am Landgestüt Zweibrücken hat etwas verspätet begonnen

ZWEIBRÜCKEN Zum Glück gründet das Landgestüt auf zwei Standbeinen: den Veranstaltungen und der Pferdezucht. So ist die Decksaison 2020 zwar aus Unsicherheit wegen Corona etwas später angelaufen, der Verlauf jedoch macht Mut. Denn auch in diesem Jahr verfügt die EU-Besamungsstation unter Leitung der erfahrenen Tiermedizinerin Therese Willmen über einige attraktive Hengste, die aktuell im Landgestüt aufgestellt sind.

Das bedeutet für die Züchter, dass der Samen frisch und nicht eingefroren als TG-Sperma verfügbar ist. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine Stute bei der Befruchtung tragend wird. „Die Besamung findet bei uns ja fast im Freien statt. Penible Hygiene und ein Abstand von mindestens einer Pferdelänge sind dabei ohnehin üblich“, erklärt die Leiterin der EU-Besamungsstation. Für die Stuten und die notwendigen Papiere und auch die Fremdhengste ist eine kontaktfreie Übergabe organisiert.

Wieder zurück ist Camargo (For Pleasure x Canturo). Der mittlerweile elfjährige Hengst aus der Zucht von Ralf Jünger in Mayen war schon mehrfach im Landgestüt aufgestellt. Camargo, das aktuell erfolgreichste Springpferd in Rheinland-Pfalz-Saar, zählt zu den top erfolgreichen Hengsten weltweit und ist ein entsprechend gefragter Vererber. Die Stute Cocobelle (2013) etwa aus Camargos erstem Fohlenjahrgang war als Siebenjährige bereits in der Internationalen Youngster-Tour auf schwerem Niveau der Klasse S erfolgreich. Daneben gab es eine Vielzahl von Prämienfohlen, Staatsprämienstuten und Siegerinnen bei Stutenleistungsprüfungen und Seriensieger in Springpferdeprüfungen.

Bewegt und trainiert wird der Hengst, wieder einmal, von Andeas Rubly. Der erfahrene Züchter und Reiter, der Camargo bereits mit ausgebildet hat, und der sprunggewaltige Braune, der bereits in den schwersten Springen der Welt siegreich und vorne platziert war, sind ein eingespieltes Team. Da jedoch aktuell keine Turniere stattfinden dürfen, hält ihn Andreas Rubly nach eigener Aussage bei Laune. „Dem brauche ich ja nichts mehr beibringen. Der kann ja alles“, weiß er und setzt vier- bis fünfmal pro Woche entspannt auf Gymnastizieren und Kondition erhalten. Damit Camargo, wenn es wieder los geht, topfit und startbereit ist.

Doch dieser erfreut sich seiner Aufgabe als Zuchthengst. So geht es auch Göteborg. 2019 hatte die Familie Bruch vom Gestüt Welvert in St. Wendel den letzten Trakehner seiner Abstammung ins Zuchtgebiet Rheinland-Pfalz-Saar holen können. Sein mit Spannung erwarteter, erster großer Fohlenjahrgang besticht mit jungen Trakehnern, die extrem typvoll und extrem edel sind. Der einzigartige, charismatische Schimmelhengst steht den Züchtern ebenso mit Frischesamen zur Verfügung, wie sein heimischer Stallgenosse, der Trakehner Dunkelfuchs Phlox. Dafür hat der Last Action Hero bereits zum zweiten Mal seine Box im Landgestüt Zweibrücken bezogen. Laut wiehernd begrüßte er sein „Feriendomizil“.

„Er hat sich in Zweibrücken total wohl gefühlt und hier läuft alles top, so dass wir uns wieder für das Landgestüt entschieden haben“, erklärt Besitzerin Isabelle Frey-Fischer (Lampertsheim). Der mittlerweile 18-jährige, ausdrucksstarke Vollbluthengst besticht nicht nur mit seinem außerordentlich freundlichen Charakter. Er vererbt außerdem seine harte Kämpfernatur. Sein berühmtester Sohn, Leopard‘s Action, war im vergangenen Jahr unter der Irin Aoife Clark in einer internationalen CIC***-Vielseitigkeitsprüfung hoch erfolgreich. 2020 war er bereits unter dem Weltranglistendritten der Vielseitigkeit, Christopher Burton, in der Sunshine-Tour ebenfalls ganz vorne mit dabei.

Denkbar ist nach Aussage von Gestütsleiterin Maren Müller eine verlängerte Decksaison auf Grund des verzögerten Beginns. Therese Willmen bestätigt: „Das wird sich zeigen.“ cvw

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