Operative Neuausrichtung

Teilung des Geschäftsbereichs „Thyssenkrupp System Engineering“

LOCKWEILER Mit Beginn des neuen Geschäftsjahres zum 1. Oktober startet „Thyssenkrupp“ mit der operativen Teilung seines automobilen Anlagenbaus. Die bisherige Business Unit System Engineering wird dazu in den kommenden Monaten kaufmännisch, operativ und rechtlich in zwei eigenständige Geschäftseinheiten aufgeteilt.

Ziel der Teilung ist die Schaffung von zwei unabhängig voneinander agierenden Unternehmen mit unterschiedlichen Produktprogrammen. Zukünftig wird es einen auf Karosseriemontage spezialisierten Anlagenbauer geben, der weiterhin im automobilen Zuliefer- und Service-Segment (Automotive Technology) von „Thyssenkrupp“ geführt wird. Die bisherigen Aktivitäten im Bereich der Antriebs- und Batteriemontage werden in einem Unternehmen gebündelt, das zum Portfolio-Segment (Multi Tracks) von „Thyssenkrupp“ gehört.

Neuausrichtung wurde akribisch vorbereitet

Für dieses Geschäftsfeld soll perspektivisch eine Lösung außerhalb des Konzerns gefunden werden, entweder in Partnerschaften oder in neuen Eigentümerstrukturen. Die operative Teilung der „Thyssenkrupp System Engineering“ in eine Karosserie- und eine Antriebs- und Batterieeinheit ist Teil der Portfolio-Strategie, die der Konzern im Mai dieses Jahres vorgestellt hat.

Ingo Steinkrüger, Chief Executive Officer (CEO) der „Thyssenkrupp System Engineering“: „Wir haben die Neuausrichtung des Unternehmens in den letzten Monaten akribisch vorbereitet. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir sie nun Schritt für Schritt umsetzen. Als Ergebnis werden wir zwei neue, spezialisierte Unternehmen geschaffen haben, die sich in ihrem jeweiligen Marktsegment profitabel weiterentwickeln können.“

Der Karosserieteil des Unternehmens mit Standorten in Baden-Württemberg, dem Saarland und Hessen wird als ein entlang der gesamten Wertschöpfungskette integrierter Karosseriebauer neu aufgestellt. Dieses Unternehmen wird spezialisiert sein auf Karosseriemontage-Lösungen und die Serienproduktion von Karosserieleichtbauteilen für Kunden aus der Automobilindustrie. Im Antriebs- und Batterieteil wird die Transformation in Richtung Elektromobilität weiter vorangetrieben, um sich zukünftig als Generalunternehmer im Anlagenbau für alternative Antriebe und Speichertechnologien zu etablieren. Das betrifft in erster Linie Standorte des Unternehmens in Bremen, Niedersachsen und Sachsen.

Mit der Teilung und Neuaufstellung der beiden Geschäftsbereiche gehen weitere Restrukturierungen an den einzelnen Standorten einher. So sollen in beiden Einheiten im laufenden Geschäftsjahr rund 800 Stellen abgebaut werden. Rund 500 Stellen entfallen dabei auf Standorte in Deutschland. Grund für die Restrukturierung ist ein durch die Corona-Krise drastisch verschärfter Einbruch bei Auftragseingang und Umsatz. Zudem werden mit der Teilung bestehende zentrale Strukturen in der Verwaltung aufgelöst.

„Die Marktsituation im automobilen Anlagenbau bleibt nach wie vor extrem angespannt. Wir gehen davon aus, dass die Produktionszahlen der Autoindustrie frühestens in zwei bis drei Jahren wieder das Vorkrisenniveau erreichen werden. Deshalb müssen wir die Teilung und Neuaufstellungen des Unternehmens nutzen, um die Strukturen und Verwaltungskosten in beiden Geschäftsteilen dem Marktniveau anzupassen. Wir werden dabei kein Technologiesegment verlieren, werden aber unser Standortkonzept anpassen und Kompetenzen bündeln“, so Steinkrüger weiter.

Neun Entwicklungs- und Produktionsstandorte

Die „Business Unit System Engineering“ betreibt in Deutschland derzeit neun Entwicklungs- und Produktionsstandorte. In Bremen und Langenhagen (Niedersachsen) entwickelt und fertigt das Unternehmen Montage- und Testanlagen für Verbrennungs-, E-Motoren und Brennstoffzellen. An den Standorten Heilbronn (Baden-Württemberg), Lockweiler (Saarland) und Burghaun (Hessen) werden Montageanlagen für den Karosseriebau entwickelt und produziert. Zudem betreibt das Unternehmen in Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz (Sachsen) zwei Werke für Batteriemontageanlagen. An den Standorten Mühlacker und Weinsberg (Baden-Württemberg) werden zudem Leichtbaulösungen für Fahrzeuge entwickelt und in Serie gefertigt. Insgesamt sind in Deutschland derzeit rund 3200 Mitarbeiter im automobilen Anlagenbau bei „Thyssenkrupp“ beschäftigt.red./ti

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