Noch monatelang im Lockdown?

Merziger Bürgermeister und Amtskollegen aus Illingen und Eppelborn fordern Corona-Umdenken

Merzig. Illingen. Eppelborn. Viele der getroffenen Corona-Maßnahmen seien notwendig und richtig gewesen, insbesondere zu Beginn der Pandemie, als noch vieles unklar und neu war, bilanzieren die CDU-Bürgermeister Armin König (Illingen), Marcus Hoffeld (Merzig)und Andreas Feld (Eppelborn). In einer gemeinsamen Erklärung fordern sie nun aber ein Umdenken in der Corona-Politik.

„Wir sind jetzt ein Jahr weiter, haben viele neue Erkenntnisse, haben Impfstoff, Testmöglichkeiten, in ausreichender Anzahl medizinischen Mund-Nasen-Schutz – mit all diesen Möglichkeiten müssen wir auch die Corona-Politik ändern“, folgert der Illinger Bürgermeister König.

Insbesondere das Testen sei ein Schlüssel, um Infektionsgefahren in Schulen und Einrichtungen deutlich zu verringern, auch um bisher unerkannte Risiken zu erkennen.

Der Merziger Bürgermeister Hoffeld bestätigt: „Wir können nicht nur noch mit Lockdowns arbeiten, sondern wir müssen die bestehenden Möglichkeiten nutzen, um unser Leben, das wir noch bis zum Beginn der Pandemie kannten, an die neue Situation anzupassen.“

Für König, Hoffeld und Feld, steht fest, dass Gesundheitsschutz an oberster Stelle steht. Es sei fundamental, Infektionen nachzuverfolgen und Infektionsketten zu unterbrechen.

Die drei Bürgermeister sagen aber zugleich, dass auch psychische Belastungen erhebliche negative Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Menschen haben.

„In vielen Gesprächen erlebe ich, dass viele Menschen unter den derzeitigen Einschränkungen körperlich und seelisch leiden, zum Teil schwer“, sagt König: „Das hinterlässt tiefe Spuren und führt zu Gesundheitsgefahren, die bisher noch gar nicht abschätzbar sind. Man kann dies nicht gegen die Virusgefahr aufrechnen, sondern muss dieses Problemfeld eigenständig betrachten.“ Hier ticke eine Zeitbombe.

„Viele Menschen leiden nicht nur seelisch, sondern auch körperlich darunter, dass sie schon lange keine Sporteinrichtungen mehr nutzen konnten“, weiß Hoffeld: „Das hat direkte Folgen – insbesondere im Bereich der Prävention, der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der rehabilitativen Maßnahmen. Daher ist es aus meiner Sicht aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich, dass unter Einhaltung der Hygieneregeln die Menschen wieder Sport- und Fitnesstraining ausüben können. Jüngere und ältere Menschen tun dort etwas für ihre Gesundheit“.

Auch Kulturangebote sind nach Ansicht der Bürgermeister Teil der Daseinsvorsorge. Und auch die Gastronomie sei gerade hier im Tourismus- und Gastronomie-Land Saarland von großer Bedeutung.

„Die Menschen wollen wieder leben, sie wollen auch wieder essen gehen“, führt Feld, Bürgermeister der Gemeinde Eppelborn, aus: „Das gehört zu unserem gewohnten Leben dazu, das ist doch Lebensqualität, die sich auf die Psyche und damit auf das Wohlbefinden der Menschen positiv auswirkt. Und die Gastronomie und die Hotellerie sind wesentliche Wirtschaftsfaktoren im Land. Das kommt mir in der derzeitigen Diskussion oftmals viel zu kurz.“

„Auch unsere Gewerbetreibenden und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen Planungssicherheit“, sagen dazu die Bürgermeister. „Die Gewerbetreibenden kaufen Ware ein, zahlen oftmals Miete, bezahlen Löhne: Sie müssen die dauerhafte Möglichkeit haben unter Einhaltung aller Hygieneregeln und Testungen ihre Betriebe zu öffnen, ohne die Befürchtung haben zu müssen, dass sie in Kürze wieder schließen müssen.“

„Was machen wir, wenn – was ich nicht hoffe, was aber wahrscheinlich ist – das Virus erneut mutiert, der Impfstoff unter Umständen dann nicht mehr richtig wirkt?“, fragt der Illinger Bürgermeister König: „Leben wir dann noch monatelang von Lockdown zu Lockdown oder gar im Dauerlockdown unter Ausschaltung wesentlicher Grundrechte?“

Die Bürgermeister sind der Meinung, dass unter Einhaltung von strengen Abstands- und Hygieneregeln, mit Hilfe von Testungen und digitalen Techniken wie Apps alle Einrichtungen und Gewerbebetriebe wieder öffnen sollen oder geöffnet bleiben (mit Ausnahme von einigen wenigen Betrieben, bei denen die Abstandsregeln nicht einzuhalten sind).

Die Landesregierung in Baden-Württemberg habe der Stadt Tübingen die Möglichkeit eingeräumt im Rahmen eines Modellprojekts mit einem Schnelltest viele Einrichtungen und Gastronomiebetriebe unter Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregelungen zu besuchen.

König, Hoffeld und Feld haben in einem Schreiben der Landesregierung angeboten, dass sie im Saarland mit ihren Kommunen für ein ähnliches Modellprojekt zur Verfügung stehen: „Wir brauchen – auch im Sinne der Akzeptanz bei den Menschen – Regelungen für ein Leben mit dem Virus, aber ohne Lockdown“. red./am

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