Neunkircher Gasometer gesprengt

50 Jahre Geschichte in Neunkirchen sind beendet

NEUNKIRCHEN In gerade einmal zehn Sekunden sind 50 Jahre Geschichte in Neunkirchen in sich zusammengebrochen. Wie in einer destruktiven Choreografie ist der Scheibengasbehälter, der als Wahrzeichen und Symbol der Geschichte der Kreisstadt als Hüttenstadt stand, durch gezielte Sprengladungen zu Fall gebracht worden.

Zuerst ertönte das Warnhorn des Sprengmeisters über die Stadt, dann ließ ein lauter Böller die Gläser klirren. Damit sollten eventuell noch auf dem Gebäude befindliche Vögel zum Aufbruch veranlasst werden.

Als erstes wurde der Treppenturm vom restlichen Gebäude losgesprengt, bevor der Deckel mit einem zweiten lauten Knall gelöst wurde und in das Gebäude stürzte. Mit einem wahren Feuerwerk wurden dann die stützenden Metallelemente im Inneren gesprengt und der Turm neigte sich fast schon majestätisch zur Seite, bevor er in sein vorbereitetes Bett sank.

Augenscheinlich war es eine wahre Bilderbuchsprengung denn nur kurze Zeit später konnte der Sprengmeister Entwarnung geben.

Mit lachendem und weinendem Auge

Oberbürgermeister Jörg Aumann verfolgte die Sprengung mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Die Landmarke mit der markanten Aufschrift Neunkircher Stahl war immer weithin sichtbar und grüßte schon aus der Ferne. So erfüllt es mich schon mit Wehmut, dass der Gasometer nicht mehr steht. Allerdings gibt es gleich mehrere gute Gründe dafür, dass die alte und sanierungsbedürftige Anlage abgerissen wurde“, so der OB. „Einer davon ist, dass der Abriss Platz schafft für die Erweiterung des Stadtkerns nach Westen hin, mit großem Potenzial für die künftige Stadtentwicklung. Ein weiterer guter Grund ist, dass die alte und wartungsintensive Anlage durch eine bessere und vor allem umweltfreundlichere Technik innerhalb des Saarstahlgeländes ersetzt werden kann.“

Der 75 Meter hohe Gasometer wurde 1970 errichtet und von Saarstahl als Zwischenspeicher für den Betrieb der beiden Hubbalkenöfen und einiger Nebenaggregate im Neunkircher Stahlwerk genutzt. Er fasste 80000 Kubikmeter Erdgas und diente in der Vergangenheit zur besseren Gas-Luft-Vermischung und zur Abdeckung von Verbrauchsspitzen. Seit Anfang 2020 wurde er lediglich als reiner Erdgasspeicher genutzt und ist schon seit einiger Zeit außer Betrieb.

Auf dem nun frei gewordenen Areal soll ein Globus-Markt mit 780 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen. jam

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