Neue Wege zur Werksfeuerwehr

Saarstahl, Dillinger und BBZ Völklingen kooperieren bei der Ausbildung

VÖLKLINGEN Doppelte Premiere im Saarland: Erstmals in ihrer Geschichte bilden die Saarstahl AG und die AG der Dillinger Hüttenwerke (Dillinger) junge Menschen zum Werkfeuerwehrmann / Werkfeuerwehrfrau für ihre Werkfeuerwehren aus. Und es ist gemeinsam mit dem Berufsbildungszentrum (BBZ) in Völklingen gelungen, erstmals eine entsprechende Landesfachklasse für die Ausbildung im Saarland zu etablieren.

Die insgesamt 14 Azubis der beiden Saarhütten müssen daher nicht rund 200 Kilometer zur bisher nächstgelegenen Berufsschule ins hessische Rüsselsheim reisen, sondern werden ab August in der dualen Ausbildung am BBZ in Völklingen unterrichtet.

„Diese neue Kooperation mit dem BBZ, mit dem wir schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten, ist für uns ein echter Glücksfall“, erklärt Peter Schweda, Arbeitsdirektor von Dillinger und Saarstahl: „Unseren Azubis bleiben lange Fahrten erspart, für die Unternehmen entfällt eine zeitintensive Organisations- und Betreuungsarbeit und die Kosten reduzieren sich. Der standortnahe Unterricht macht den Beruf für Bewerber insgesamt attraktiver, zumal die Interessenten am BBZ hervorragende Bedingungen vorfinden.“

In der Tat überzeugte das BBZ gleich auf mehreren Ebenen: Da die Schule bereits zahlreiche technische Ausbildungsberufe mit verwandten Lerninhalten anbietet, stehen wichtige Funktionsräume wie ein Chemie-, Biologie-, Physik- und ein Werkstoffprüflabor bereits zur Verfügung.

benso kann auf eine Metall- und Holzwerkstatt sowie ein Elektrolabor zurückgegriffen werden. „Aufgrund unserer vorhandenen Ausstattung fallen keine zusätzlichen Sachkosten an“, erläutert Norbert Moy, Schulleiter des BBZ.

Zudem war kein zusätzliches Lehrpersonal notwendig, da in der Abteilung 4 (Metallberufe und Gewerbeschule), in die der neue Ausbildungsberuf integriert wird, breitgefächertes fachliches Knowhow vorhanden ist.

Insbesondere ein Oberlöschmeister und zwei Haupfeuerwehrmänner, die seit vielen Jahren in dieser Abteilung unterrichten, komplettieren die fundierte schulische Ausbildung.

Eine fachlich gesicherte und den Standards von Werkfeuerwehren entsprechende Ausbildung bildet die Grundlage für den professionellen Umgang mit extremen Situationen bei der Gefahrenabwehr in Betrieben. Darüber hinaus werden die Absolventen im Rahmen ihrer Ausbildung auch eine Ausbildung zum Notfallsanitäter sowie einen Führerscheinausbildung der Klasse C (LKW) erhalten.

Da der Arbeitsmarkt keine „fertigen“ Werkfeuerwehrleute bietet und die Werkfeuerwehrverordnung neue Anforderungen an die Ausbildung stellt, entschieden die Saarhütten, den Nachwuchs selbst auszubilden. Bisher bieten beide Hütten bereits rund 15 Ausbildungsberufe vom Verfahrenstechnologen über den Chemielaboranten bis zum Fachinformatiker an.

Nach den erteilten Befähigungsbescheinigungen Ende 2017 durch die IHK nahmen Dillinger und Saarstahl umgehend Kontakt auf zum zuständigen Kultusministerium und dem BBZ. Die Zusammenarbeit aller Partner lief dann derart konstruktiv, dass bereits zum Ausbildungsjahr 2018/19 die neue und im Saarland einzige Landesfachklasse für die Feuerwehrausbildung ihren Lehrbetrieb aufnehmen kann.

Im Saarland gibt es derzeit 16 Werkfeuerwehren; einige Betriebe haben bereits Interesse an einer Kooperation mit der Landesfachklasse signalisiert. Der Ausbildungsbedarf ist auf viele Jahre hin gegeben, der Standort BBZ Völklingen gesichert. red./am

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de