Murmel 2.0

Samenkugeln kullern durch den Saarpfalz-Kreis

Saarpfalz-Kreis. Um die Entstehungsgeschichte der Seedballs, auch Seedbombs genannt, ranken sich viele Geschichten vom Guerilla-Gardening über japanische Reisbauern bis in die Nilauen im alten Ägypten. Wo und wann auch immer sie erfunden wurden –inzwischen rollen die aus Wildblumensamen und einer erdfeuchten Mischung aus Lehm und Pflanzerde von Hand hergestellten Samenkugeln auch durch den Saarpfalz-Kreis. Dort lässt sich genau sagen, woher sie kommen: aus dem Projekt „Burg Kirkel und Umgebung“ der AQuiS GmbH. Die Projektteilnehmenden produzieren die Samenkugeln und verpacken sie in eigens für diesen Zweck designte und in Handarbeit selbst hergestellte Tütchen. Diese verschenken sie an Kindertagesstätten und Schulen.

Problem des Insektensterbens in den Fokus rücken

Beim ersten Anblick erinnern die Samenkugeln an große Murmeln. Wie beim Murmelspiel graben Kinder im Saarpfalz-Kreis kleine Mulden in die Erde, in welche Samenkugeln gelegt werden. Anders als beim Murmeln gibt es weder Regeln für die Art und Weise, wie die Kugeln in die Mulde rollen sollen, noch gibt es Champions oder Verlierer. Beim Spiel mit den Samenmurmeln gibt es nur Profiteure: Insekten und Schmetterlinge genießen den Nektar der Blumen, die aus den Kugeln sprießen. Die Menschen im Saarpfalz-Kreis erfreuen sich an den bunten Blumen. Die Wurzeln der Blumen können das Erdreich lockern, so dass es sich als Lebensraum für Kleinstlebewesen eignet. Lässt man die verblühten Blumen stehen, reifen Samen heran, die als Vogelfutter dienen oder sich mit dem Wind weiter verteilen und die Region im nächsten Sommer noch bunter werden lassen. Hohle Stengel und verdorrte Blätter werden von Insekten gerne als Winterquartier und als Kinderstube benutzt. Die nächste Generation fleißiger Bestäuber wächst in den Blumenresten heran. Irgendwann wird aus den Blumenresten dann ganz langsam Erde. Eine runde Sache, diese Kugeln.

Mit den Samenkugeln will das Projekt „Burg Kirkel und Umgebung“ das drängende Problem des Insektensterbens nicht nur ins Bewusstsein rücken, sondern auch etwas dagegen tun.

Landrat Dr. Gallo: „Wir machen viel im Kreis, um unserer geschädigten Umwelt zu helfen und die Artenvielfalt zu erhalten. Mit den Samenkugeln leisten wir einen ebenso wichtigen Beitrag zu diesem Ziel wie z. B. mit den Schwalbennestern an unseren Häusern. Es gibt viele Flächen, die hierfür genutzt werden können.“

Hinweis an alle, die selbst Samenkugeln herstellen wollen: Insekten und Schmetterlinge können nur bestimmte Pflanzen nutzen. Sie sind nicht etwa „schnäägisch“, sondern durch die Evolution an bestimmte Futter- und Eiablagepflanzen gebunden. In den Seedballs sollten daher nur die Samen regionaler Wildblumen verwendet werden. red./jj

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