Mit vielen Schritten weiter voran

FREISEN/NONNWEILER/NOHFELDEN Es ist ein sogar vom Bund finanziell unterstütztes Großprojekt von Land, Landkreis und Kommunen, dessen Umsetzung stetig voranschreitet: Auf einer stillgelegten Bahntrasse entsteht ein knapp 30 Kilometer langer Freizeitweg, der die Gemeinden Freisen, Nonnweiler und Nohfelden verbindet. Der Bund wird dieses Projekt fördern, mit rund fünf Millionen Euro aus dem Programm „Klimaschutz durch Radverkehr“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Denn der geplante Weg wird auch als Zubringer zu vielen Betrieben und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Sportplätzen und Schwimmbädern dienen. Ein großes Plus aus Sicht des Bundes. Insbesondere der Anschluss an den neu ausgebauten Bahnhof Türkismühle als zentralem ÖPNV-Verknüpfungspunkt erfüllt wichtige Voraussetzungen für das Förderprogramm.

Die Projektträgerschaft des Landkreises St. Wendel, die Finanzierung des Projektes und die Aufteilung der Fördergelder sind in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen dem Landkreis St. Wendel und den Gemeinden geregelt. Diese bildet die rechtliche Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Gemeinden.

Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf rund 9,2 Millionen Euro. Der Weg an sich kostet, wie gehabt, rund 5 Millionen Euro. Die zusätzlichen Fördergelder des Bundes erlauben durch den höheren finanziellen Spielraum Maßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherungspflicht über das erforderliche Maß auszuweiten, sodass alle Brückenbauwerke derart tiefgründig saniert werden können, dass sie über einen Zeithorizont von 25 Jahren hinaus baulich gesichert sind. Auch konnte die Trasse von ursprünglich 2,50 Meter auf drei Meter verbreitert werden. Besonders wichtig ist die jetzt auch mögliche Verlängerung des Radweges vom Ortseingang Freisen, am Freisener Rathaus vorbei bis zur Eisernen Brücke. Diese wird im Rahmen der Baumaßnahme ebenfalls saniert. Die Fördergelder von Bund und Land sind ausschließlich für die Schaffung eines Radwegs bereitgestellt worden.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein der Projektumsetzung war der Ankauf der Flächen von der Bahn. Der Landkreis St. Wendel hat mit den betroffenen Gemeinden Freisen, Nohfelden und Nonnweiler für den Landerwerb von der Bahn und die baufertige Bereitstellung der benötigten Trasse die Ökoflächenmanagement (ÖFM), eine Tochtergesellschaft der Naturlandstiftung Saar, beauftragt. Hierzu wird ein Erbbaurechtsvertrag zwischen der ÖFM und den Gemeinden abgeschlossen.

Bis Ende Februar 2019 sollen nun die Rodungsarbeiten auf dem ersten Bauabschnitt in der Gemeinde Freisen durchgeführt werden, da dort die Gleise bereits vor Jahren abgebaut worden sind. Der naturschutzrechtliche Antrag wurde bereits beim LUA eingereicht. Voraussichtlich kann im kommenden Sommer mit den ersten Baumaßnahmen begonnen werden.

In Freisen wird die Baumaßnahme wohl im Frühjahr 2020 komplett abgeschlossen sein, mit der Fertigstellung der Gesamtmaßnahme rechnen die Verantwortlichen bis Herbst 2022.

Das Projekt des Freizeitwegs wurde im September 2016 von Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger offiziell Presse und Öffentlichkeit vorgestellt. Noch im gleichen Jahr wurden der Bau des behindertengerechten Freizeitwegs im Kreistag und 2017 in den Gemeinderäten beschlossen.

Trotz der fortgeschrittenen Planungen und konkreten Umsetzungen forderte eine Interessensgemeinschaft (IG) zunächst eine Museumsbahn, nun aber eine Draisinenbahn auf dem Abschnitt Türkismühle – Nonnweiler-Bierfeld. Dabei, so die IG, solle der Radweg neben den Gleisen verlaufen. Aus Sicht der für das Gesamtprojekt Verantwortlichen sprechen mehrere schwerwiegende Tatsachen gegen diese Vorstellung: Die Trasse ist auf der Gesamtlänge hierfür nicht breit genug. Zwischen dem ehemaligen Bahnhof Nonnweiler und Bierfeld müsste das derzeit mittig gelegene Gleisbett an den Rand verschwenkt werden, um den Radweg überhaupt neben dem Schienenstrang anlegen zu können. Zudem sind die beiden Tunnel und das Viadukt Nonnweiler als das Primstal überspannende Brückenbauwerk zu schmal, um Radweg und Bahntrasse nebeneinander führen zu können. Gleiches gilt für vier weitere relevante Brückenbauwerke auf dem Abschnitt zwischen Türkismühle und Nonnweiler-Bierfeld.

Es müssten zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Radfahrer ergriffen werden. Der Radweg selbst müsste streckenweise abseits der Bahntrasse über Wirtschaftswege und Hauptstraßen, teilweise mit enormen Steigungen, geführt werden. Zudem wäre er dann nicht mehr behindertengerecht und entspräche nicht mehr den Kriterien an einen tourismustauglichen und attraktiven Radweg. Auch müsste viel Geld in die Hand genommen werden, um die entsprechenden Draisinenbahnhöfe, Unterstellmöglichkeiten und die Rücktransporte bereitzustellen. Ein ständiger Personaleinsatz wäre am Start- und Endpunkt der Strecke erforderlich. Außerdem befindet sich in unmittelbarer Nähe im Landkreis Kusel eine Draisinenbahn, die bereits nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.red./eck

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de