Mit offenem Ohr durch die Krise

„Seniorenpatenschaften“ bringt Ehrenamtliche und einsame Senioren zusammen

SAARLOUIS Die Corona-Krise stellt unser gewohntes soziales Leben gerade gründlich auf den Kopf. Soziale Distanz im Alltag ist gefordert – insbesondere für ältere alleinlebende Menschen ist der Kontakt-Verzicht schwer zu ertragen. Wegen gesundheitlicher Einschränkungen und mangelnder Mobilität leben die meisten ohnehin schon zurückgezogen in ihrer Häuslichkeit und haben kaum Möglichkeiten sich mit anderen Menschen zu treffen oder auszutauschen.

Als Risikogruppe sollen sie das Haus nicht verlassen und möglichst keine Besuche empfangen, das heißt durch die langandauernde Krise fällt das Mindestmaß an Kontakten nun auch noch weg. Viele ältere Menschen fühlen sich zunehmend isoliert und es droht Vereinsamung.

Abwechslung im Alltag

Es ist nicht einfach, diese schwierige Zeit zu überbrücken und den älteren Menschen trotz Kontaktbeschränkungen nahe zu sein – doch genau das möchte der Besuchsdienst „Seniorenpatenschaften“ erreichen. Er wurde vor knapp zehn Jahren vom Landkreis Saarlouis in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt und dem Caritasverband gegründet. Mittlerweile haben es sich rund 50 ehrenamtliche Mitarbeiter zur Aufgabe gemacht, einsame Menschen regelmäßig zu besuchen, um ihnen Abwechslung zu bringen, ihnen zuzuhören und sich zu kümmern, wenn im Alltag Probleme auftreten.

Besonders jetzt in der Krisenzeit ist der Dienst umso wichtiger geworden. Es sind die regelmäßigen Telefongespräche, die kleinen Besorgungen und Treffen in sicherer Distanz, die den älteren Menschen Freude machen. Aber auch das Bewegen an der frischen Luft mit Mundschutz und Abstand zueinander sind in Einzelfällen möglich. Einige Ehrenamtliche schreiben Briefe, aufmunternde Texte oder Gedichte, schicken Postkarten oder überraschen die Senioren mit kleinen Geschenken oder Blumengrüßen. Annette Müller ist seit zwei Jahren im ehrenamtlichen Dienst bei der Caritas tätig und besucht ihre Seniorin in der Regel einmal wöchentlich für zwei bis drei Stunden. Normalerweise plaudern sie miteinander, genießen die Sonnenstunden auf der Terrasse oder sie spielen Karten. Gerne bummeln sie gemeinsam über den Markt, besuchen Geschäfte oder gehen Eis essen.

Kontakt mit Distanz

Noch ist dies nicht möglich, aber Annette Müller telefoniert sehr oft mit Frau M., besorgt ihr kleine Einkäufe und unterhält sich in sicherer Distanz mit ihr. Beide sehnen sich nach dem Ende der Krise, wenn persönliche Kontakte in gewohnter Form wieder möglich werden.

Wer im Besuchsdienst „Seniorenpatenschaften im Landkreis Saarlouis“ mitmachen möchte, kann sich bei Doris Bierenfeld vom Caritasverband bewerben, Tel. (06881) 52006, oder bei Anna Maria Stoffel von der Arbeiterwohlfahrt, Tel. (06831) 176113. Weitere Auskünfte erteilt auch die Leitstelle „Älter werden“ unter Tel. (06831) 444-239.

red./vw

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