Merchtalblick für Anlieger

Bürgerinitiative gegen Mietwohnanlage mit mehr als 100 Personen

MERCHWEILER/GÖTTELBORN Vor wenigen Tagen gründeten Bürger aus Merchweiler und Göttelborn die Bürgerinitiative „Merchtalblick für Anwohner“. Die Mitglieder setzen sich für die Erhaltung der gewachsenen Einfamilienhausstruktur im Umfeld der Gemeinden Merchweiler und Göttelborn ein und votieren gegen ein dort geplantes Investitionsprojekt einer Mietwohnanlage für weit über 100 Personen.

Notwendig wurde die Gründung der Bürgerinitiative durch die Verkündung eines Großprojektes des Investors Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im Merchweiler Ortsrat am 13. Mai ohne vorherige Information der Anwohner.

Der Investor plane eine hundert Meter lange und bis zu vier Stockwerke hohe Anlage mit über 60 hochpreisigen Luxuswohnungen, Veranstaltungsräumen, Parkanlage und Gastronomie für betuchte Senioren auf der Grenze von Merchweiler und Göttelborn. Damit werde die über Jahrzehnte gewachsene Einfamilienhausstruktur und große Naturflächen unwiederbringlich zerstört.

Dazu der Sprecher der Bürgerinitiative, Jochen Wagner: „Die Interessen der hier lebenden Bürger müssen mindestens genauso viel wert sein, wie die Interessen eines ortsfremden Investors. Für uns Anwohner und Betroffene ist dabei vollkommen egal, wie der Investor heißt. Fakt ist, die Pläne zeigen eine komplette Siedlungsanlage mitten in einer Einfamilienhausumgebung auf überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen. Unsere Bemühungen, im Vorfeld Informationen vom Investor oder Patrick Weydmann, dem Bürgermeister von Merchweiler, zu bekommen, scheiterten. Und das obwohl die betreffende Fläche laut ASB-Geschäftsführer Bernhard Roth auf der Ortsratssitzung dem ASB bereits im Frühjahr 2019 von Herrn Weydmann angeboten wurde. Also noch bevor das inhaltsgleiche ASB-Projekt in Illingen vom dortigen Gemeinderat und Bürgermeister abgelehnt wurde.

Wer die Pläne dieser Monsteranlage gesehen hat, fragt sich, ob die Anwohner und ihre Interessen zugunsten einer medienwirksamen Ansiedelungspolitik geopfert werden sollen? Es ist nicht das erste Mal, dass in Merchweiler Bauprojekte oder Flächennutzungspläne im Schnellverfahren geändert werden, ohne dass seitens der Gemeinde ernsthaft versucht wird, die Anwohnerinteressen zu berücksichtigen. So etwas wird es bei uns in der Nachbarschaft nicht ohne Widerspruch geben.“

Die Bürgerinitiative appelliert an die Orts- und Gemeinderäte in Merchweiler und Quierschied-Göttelborn, die Änderung des Flächennutzungsplanes und Einleitung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans zu verschieben und zuvor Informationsveranstaltungen zwischen Bürgern und Gemeinde zu ermöglichen. Es gab bereits im Merchweiler Ortsrat Stimmen, die sich für ein solches Vorgehen aussprachen, und das sollte der Merchweiler Gemeinderat auch so beschließen.

Bei einem auf Jahrzehnte angelegten Millionenprojekt kann es nicht auf ein paar Wochen ankommen. In Illingen hat der Investor vier Jahre und mehrere hunderttausend Euro für ein am Ende erfolgloses Projekt aufgewandt. Da darf es in Merchweiler – erkennbar die zweite Wahl des Investors – ruhig mal ein bis zwei Monate sein. Denn die coronabedingten Kontaktbeschränkungen erlauben es den Bürgern derzeit nicht, sich angemessen zu organisieren. Es dürfte auch nicht im Interesse von Herrn Weydmann sein, dass der Eindruck entsteht, er wolle das Projekt auf Biegen und Brechen an den Bürgern vorbei umsetzen“, so Wagner, der gleichzeitig die Hoffnung der Bürgerinitiative ausdrückt, dass der Bürgermeister der Gemeinde Quierschied, Lutz Maurer, aufgeschlossener gegenüber den Anliegen seiner Bürger ist.

Die Bürgerinitiative „Merchtalblick für Anwohner“ ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Anwohnern und Unterstützern, die sich folgenden Zielen verschrieben haben:

• Erhaltung und Förderung des über Jahrzehnte gewachsenen Wohngebietcharakters mit Einfamilienhäusern an der Hauptstraße im Grenzumfeld der Gemeinden Merchweiler und Göttelborn. In Übereinstimmung mit dem bisher gültigen Flächennutzungsplan.

• Aufrechterhaltung und Pflege der gewachsenen Naturflächen und der Beibehaltung einer regionalen, schonenden Landwirtschaft im angrenzenden Teil des Merchtals. Besonders in so großer Nähe zu Naturschutzflächen bzw. LIK.Nord-Flächen

• Beibehaltung einer lebendigen Nachbarschaftskultur und gegenseitige Unterstützung.

Die Bürgerinitiative wird – sobald es die Kontaktbeschränkungen wieder zulassen – die Vertreter der politischen Parteien zu Bürgerinformationsgesprächen einladen, damit sich die Betroffenen bei den Volksvertretern informieren und ihre Anliegen persönlich vorbringen können.

Ansprechpartner ist Jochen Wagner, Tel. (0176) 20526477 oder E-Mail: sprecher@merchtalblick.de. Weitere Informationen auf www.merchtalblick.de.red./eck

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