Menschenschatten Ausstellung

Ab 15. Juni sind Werke von Seiji Kimoto im Parc Explor Wendel zu sehen

PETITE ROSSELLE In einer grenzüberschreitenden Ausstellung in Deutschland und Frankreich stellt der im Saarland lebende japanische Künstler Seiji Kimoto von 15. Juni bis 15. August unter dem Titel „Menschenschatten / L’ombre des hommes“ in der ehemaligen Kohlenwäsche des Parc Explor Wendel in Petite-Rosselle eine Auswahl seiner großformatigen Skulpturen vor.

Die groß angelegte, grenzüberschreitende Schau „Menschenschatten – L’ombre des hommes“ spürt der Komplexität von Seiji Kimotos Werk nach.

Vom 16. Juni bis 15. August werden zunächst die skulpturalen Werke in Frankreich gezeigt, die dem menschlichen Leiden einen berührenden, bisweilen verstörenden und nicht zuletzt erschütternden Ausdruck verleihen.

Anschließend stehen vom 20. Oktober bis 11. Januar in Deutschland die meditativen, zugleich sehr kraftvollen Tuschezeichnungen im Zentrum, die durch ausgewählte Plastiken ergänzt werden.

„Kunst muss uns berühren und Spuren in uns hinterlassen“, so das Postulat des in Japan geborenen Künstlers Seiji Kimoto.

Und in der Tat bindet er uns sowohl mit den figurativen als auch mit den sich der Gegenständlichkeit entziehenden Arbeiten in ein Geflecht aus Gefühlen und Gedanken ein. Dabei werden wir Zeugen einer zerreißenden Stille, die aus überdehnten, geknebelten und fragmentierten Leibern entströmt. Und es drängen sich uns Fragen auf – sowohl hinsichtlich der Ursprünge einer entfesselten Unmenschlichkeit als auch hinsichtlich der Frage nach Menschenwürde und menschlichen Werten.

Seiji Kimoto klagt mitnichten an, vielmehr beobachtet er aufmerksam und ergründet das Sein des Menschen, um so das Abgründige von dessen Handeln Schicht für Schicht freizulegen.

Die Skulpturen Seiji Kimotos erzählen Geschichten von entgleister Machtanwendung, die sich an unterdrückten, versehrten und gemarterten Menschen artikuliert. In ihrer klaren, unverkennbaren Formensprache, die die widerstreitenden Prinzipien von Spaltung und Bindung, Druck und Aufbegehren, Spannung und Lösung in sich vereint, machen sie Unterdrückung nicht nur begreifbar, sondern erlebbar. Präsentiert in der ehemaligen Kohlewäsche des Parc Explor Wendel entfalten diese raumgreifenden Arbeiten eine Eigendynamik und spinnen den Erzählfaden dort weiter, wo Seiji Kimoto ihn bei der Fertigstellung im Atelier hat ruhen lassen:

Die Menschenschatten interagieren mit dem Raumkorpus aus Stein und Metall und lassen neue Interpretationen zu.

Von einer gleichermaßen gestalterischen als auch inhaltlichen Präsenz sind die Tuschezeichnungen, die sich in den modernen Räumlichkeiten der Stiftung Demokratie Saarland entfalten können.

n ihrem kontemplativen Duktus stehen sie ganz in der Tradition der Zen-Malerei, werden jedoch durch geometrisch-strenge Strichinterventionen herausgefordert. Auf diese Weise verwandeln sie Stillstand in Bewegung, Schwere in Leichtigkeit und Geschlossenheit in Öffnung, sodass die kraftvollen Pinselschwünge und filigranen Striche in einen spannenden Dialog treten. Während uns die skulpturalen Arbeiten Schmerzgrenzen erspüren lassen, werden wir von den Tuschearbeiten behutsam ins Zentrum des Unrechts geleitet.

Plastiken und Tuschezeichnungen sind durch den künstlerischen Schaffensprozess und ihren inhaltlichen Gehalt eng miteinander verflochten. Aufgrund dieser Geschlossenheit ist es dem Parc Explor Wendel und der Stiftung Demokratie Saarland nicht nur möglich, Exponate Seiji Kimotos räumlich getrennt, sondern zudem über Landesgrenzen hinweg zu zeigen und damit auf die gemeinsamen Zielsetzungen beider Nationen im Umgang mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu verweisen. red./am

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