Marta-Drumm-Medaille verliehen

Auszeichnung für Menschlichkeit und Solidarität für Amaneh Golnaz Abedian

SULZBACH Die Peter-Imandt-Gesellschaft/Rosa-Luxemburg-Stiftung im Saarland, die VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Region Saar Trier haben aus Anlass des 200. Geburtstages von Florence Nightingale und zum 110. Geburtstag der Neunkircherin Marta Drumm erstmalig die Marta-Drumm-Medaille an die Gesundheits- und Krankenpflegerin Amaneh Golnaz Abedian verliehen.

Da die geplante Festveranstaltung im Landratsamt des Kreises Neunkirchen wegen den Beschränkungen der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann, hat der Vorsitzende der Peter-Imandt-Gesellschaft und ver.di-Pflegebeauftragte Michael Quetting die Medaille und das Preisgeld von 500 Euro persönlich überreicht.

Marta Drumm aus Wiebelskirchen war eine saarländische Antifaschistin und Widerstandskämpferin und gehört zu den „Gerechten der Pflege“. Das sind Pflegende, die inmitten des Terrors der Nazidiktatur durch ihr Leben und Werk späteren Generationen Orientierung für eine humane Pflege gaben. Im Abstimmungskampf 1935 stand sie auf der Seite der Status-quo-Bewegung Sie musste ihre Heimat nach der Abstimmung verlassen. Auf er Seite der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg arbeitete sie als OP-Pflegekraft. Hochschwanger verlor sie ihren Mann in diesem Krieg. Später bekämpfte sie als Mitglied der französischen Résistance die deutschen Faschisten. Das Rote Kreuz verlieh ihr die Florence Nightingale Medaille, gestorben ist Marta Drumm im Januar 2002.

„Ob in einem Bürgerkrieg oder im aktuellen Ausnahmezustand unter Corona wird offensichtlich, welche Last und Verantwortung Pflegekräfte für Humanität und Menschenwürde schon lange tragen, ohne dafür eine angemessene Würdigung in Form von höherer Entlohnung und besseren Arbeitsbedingungen zu bekommen,“ so Michael Quetting, Initiator der Medaille und Pflegebeauftragter bei ver.di. Deswegen freue er sich, dass die Jury entschieden habe, mit der Auszeichnung Amaneh (Goly) Abedian zu ehren. Sie arbeitet im Knappschaftskrankenhaus Sulzbach und wurde von dessen Betriebsrat für die Auszeichnung vorgeschlagen.

Amaneh Golnaz Abedian wurde 1968 im Iran geboren. Schon in frühester Jugend engagierte sie sich im Iran politisch in der Opposition. Mit 19 Jahren war sie gezwungen, ihre Heimatstadt zu verlassen und in den Untergrund abzutauchen. Mit 20 Jahren flüchtete sie mit ihrem Kind aus dem Iran. Nach einer langen Odyssee durch verschiedene Länder konnte sie 1991 in Deutschland einreisen, ihr Asylantrag wurde bewilligt. Mittlerweile ist sie deutsche Staatsbürgerin.

Auch in Deutschland ist Amaneh Golnaz politisch tätig, sie engagiert sich für die Rechte der Pflegekräfte und der Frauen und gegen Ausländerfeindlichkeit. Nach einer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Kreiskrankenhaus St. Ingbert war es für sie selbstverständlich, sich gewerkschaftlich zu ­organisieren. Seit vielen Jahren kämpft sie als Aktivistin in ver.di für bessere Arbeitsbedingungen im Krankenhaus. So ist sie teamdelegierte im Kampf der Gewerkschaft ver.di für Entlastung der Pflege­personen.

Die Laudatio für die Ausgezeichnete hat Michael Quetting wegen den Beschränkungen der Corona-Pandemie vor dem Krankenhaus Sulzbach gehalten und auf Video aufgenommen und kann auf der Webseite der Gesellschaft angesehen werden. red./jb

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