LIDL bringt die Praxis in die Schule

Kooperationsvertrag zwischen Berufsbildungszentrum und Handelsunternehmen

FRIEDRICHSTHAL Feierlich besiegelten das Berufsbildungszentrum Sulzbach und das LIDL Handelsunternehmen einen Kooperationsvertrag. Dabei lobte die Abteilungsleiterin im Bildungsministerium für beruflichen Schulen im Saarland, Anja Wagner-Scheid, die wegweisende „Lernkooperation“.

„Wenn man sich über diese Schiene näher kennen lernt, bietet dies Schülern und dem Unternehmen große Chancen, ihre Zukunft zu organisieren. Ich sehe landesweit gerne mehr solcher Bündnisse. Heute gibt es auf dem Arbeitsmarkt so viele Möglichkeiten. Da die richtige Entscheidung zu treffen, ist nicht einfach. Es hilft, wenn man sich frühzeitig umschauen kann“, so Anja Wagner-Scheid.

Auch BBZ-Schulleiter Josef Paul freute sich über diese neue Möglichkeit die praktischen Erfahrungen in Unternehmen zu finden: „Diese Kooperation bringt unsere Schule ein Stückchen weiter nach vorne – und das ist gut für unsere Schüler“.

BBZ-Abteilungsleiter Hans-Jörg Opp, der diese Initiative in Zusammenarbeit mit Christian Kautenburger, bei Lidl für die Aus- und Weiterbildung zuständig, vorbereitet und bis zur Unterschriftsreife begleitet hatten, skizzierte die Motivation, mit der sie in mehrmonatiger Arbeit die nicht einfache Klammer zwischen Schulanforderungen und Zwängen eines Unternehmens schufen: „Wir müssen Praxis in die Schule bringen“, sagte der ­Pädagoge.

Im Laufe der nächsten Monate werden Schule und Unternehmen vertiefende Projekte organisieren. Fest verankert ist bereits, dass den Schülern des Handelsschulzweigs praktische Hilfe bei der Bewerbung gegeben werden soll. Sogar ein Vorstellungsgespräch oder ein Assessmentcenter soll den jungen Leuten übungshalber angeboten werden, wie Susanne Zadach, Personalleiterin bei Lidl, avisierte: „Denn wir haben festgestellt, dass da sehr viel Unsicherheit herrscht. Schüler wissen oft nicht, was auf sie zukommt.“

Christian Kautenburger betonte, dass diese Personalauswahlverfahren bei vielen Unternehmen ähnlich sind. In Richtung der Schüler, die dem Startschuss der Kooperation beiwohnten, sagte er: „Da können wir euch ganz viel für euren weiteren Berufsweg mitgeben.“ Erste Impulse bekam eine Schülergruppe, mit der das im Saarland noch sehr seltene Kooperationsmodell startete.

Lidl investierte viel Energie, um den jungen Leuten einen Perspektivwechsel zu ermöglichen. An diesem Vormittag gingen sie nicht mit dem Blick des Kunden, sondern mit der Brille des Mitarbeiters durch das Geschäft. Was das im Kern heißt, illustrierte ihnen ein Angestellter vor dem ersten Schritt im Markt: „Ihr müsst euch das so vorstellen, als wäre es euer Haus und ihr erwartet Gäste. Da soll es dann doch ordentlich und einladend sein. Dafür zu sorgen, das ist unsere Aufgabe“.

Wenig später fanden sich die Jungen und Mädchen in der Bäckerei wieder. Erst wuschen sie sich ordentlich die Hände, dann bürsteten sie Backbleche. Schwuppdiwupp hatten zwei von ihnen weiße Einwegschürzen um.

Aus dem erstaunlich großen Kühlraum holten sie die bei minus 25 Grad lagernden Brötchen und bereiteten sie für den Aufbackvorgang vor. Andere wiederum sondierten, ob noch ausreichend Vorräte in der Auslage sind.

Grundzüge der Logistik begegneten ihnen, ehe der große Uhrzeiger eine ganze Runde hinter sich hatte. Das sind Aktivitäten, die einem normalerweise gar nicht bewusst sind, wenn man schnell mal durch den Markt hastet, bestätigt ein 17-Jähriger aus der Gruppe. Nicht nur er sah das Geschäft plötzlich mit anderen Augen. Die Lehrerschaft des BBZ hörte Anekdoten wie diese hinterher gerne.

Es war genau dieser Aha-Effekt, den sich die Pädagogen mittels dieser Kooperation bei ihren Schülern erhofften. Wer weiß, dass an der Kasse nicht nur stupide Waren über einen Laser gezogen werden, sondern auch rund 100 Codes für Gemüse oder Obst im Kopf gespeichert sein sollten, der weiß, dass Lernen ohnt. Noch lassen sich nicht alle Dinge des Lebens übers Smartphone regeln.

Eine Erfahrung, die die jungen Leute mit in die Schule nahmen. Genauso wie die Erkenntnis, die der Junge an der Kasse sammelte: „Anfangs war es ein eher unangenehmes Gefühl, da zu sitzen. Aber ich denke, mit zunehmender Erfahrung gibt sich das“. Der Anfang ist gemacht. eb

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