Laut gegen Rechts im Landkreis

Jugendzentren und Jugendbüros gegen gesellschaftlichen Rechtsruck

NEUNKIRCHEN Von Ende September und bis zum 9. November veranstalten die Jugendzentren Schiffweiler, Neunkirchen und Wiebelskirchen und die Jugendbüros im Landkreis Neunkirchen unter dem Motto „Laut gegen Rechts“ Konzerte, kostenlose Filmvorführungen und Vorträge zu den Themen Rechtsextremismus und dem Gedenken an die Shoa.

Die Veranstaltungsreihe erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der Kreisstadt Neunkirchen, Juz United und wird gefördert durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“.

Filmabende

Neben einem Bandcontest Ende September startet die Reihe am Donnerstag, 10. Oktober um 18 Uhr im JUZ Neunkirchen mit dem Dokumentarfilm „Dir sid net vergiess!“ - Das Konzentrationslager Hinzert in die zweite Runde.

In Anwesenheit des aus Spiesen stammenden Filmemachers Julian Weinert und eines Vertreters der Gedenkstätte KZ Hinzert wird anhand von Historikern, Zeitzeugen und der Besichtigung einer luxemburgischen Schülergruppe der heutigen Gedenkstätte die Geschichte des Konzentrationslagers im Hunsrück geschildert. Trotz seiner geringen Größe verfügte das Lager über einige Besonderheiten, die es innerhalb des deutschen Lagersystems einzigartig machten.

Ein weiterer Filmabend findet am Samstag, 26. Oktober, 18 Uhr im Juz Schiffweiler statt. Gezeigt wird der Spielfilm „Zug des Lebens“ (Train de vie) von Radu Mihaileanu. In der Tragikomödie organisieren die Bewohner eines kleinen jüdischen Shtetls ihren eigenen Deportationszug, um der Verschleppung durch die Deutschen zu entkommen, und planen die Flucht über Russland nach Palästina.

Vorträge und Workshops

Neben Filmabenden und Konzerten werden dieses Jahr auch wieder Vorträge angeboten. Der erste am Montag den 4. November um 18 Uhr im Haus am See/Juz Wiebelskirchen trägt den Titel „Das Versteckspiel“ und klärt auf über Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen.

Der Vortrag und Workshop soll eine Hilfestellung liefern, Neonazis im Alltag erkennen zu können und die zum Teil versteckten Botschaften zu entschlüsseln, um entsprechend handeln zu können.

Der zweite Vortrag am 5. November um 18 Uhr im Juz Schiffweiler behandelt unter dem Titel „Grauzone – Rechte Lebenswelten in Punk, Oi und Deutschrock“ ein aktuelles und gerade im Saarland und dem Landkreis Neunkirchen zunehmend brisanteres Thema – der Musik- und Bandszene von scheinbar unpolitischen aber rechtsoffenen Musikern, zu deren Vorbildern u.a. Bands wie die Böhsen Onkelz und Frei.wild gehören.

In den vergangenen Jahren häuften sich die Konzertauftritte solcher Bands im Landkreis Neunkirchen und seinem Umfeld. Ob in Wellesweiler, Schiffweiler, Neunkirchen oder Hassel, meist waren die Reaktionen der privaten oder öffentlichen Vermieter und Verantwortlichen von Unkenntnis über die Szene und Bands geprägt. Der Vortrag, der u.a. den Fragen nachgeht wo die Grauzone beginnt und endet, worin ihre aktuelle Dynamik besteht und was eigentlich „rechte Lebenswelten“ sind, ist demzufolge nicht nur als Bildungsangebot für Jugendliche zu verstehen, sondern auch als Aufklärungsangebot an Verantwortliche im Kulturbereich.

4. Unstumm-Festival

Die Veranstaltungsreihe endet am Samstag, 9. November mit der vierten Ausgabe des Unstumm-Festivals in der Stummschen Reithalle Neunkirchen. Ab 19 Uhr wird das Motto „Laut gegen Rechts“ Wirklichkeit, wenn Bands wie Our Mirage aus Marl/NRW, From Fall To Spring, Shellz, Lumbematz und die Gewinnerin des Unstumm-Bandcontests die Bühne betreten.

Das Datum des kostenlosen Konzertes fällt dabei, wie bereits im letzten Jahr, auf den Jahrestag der Reichspogromnacht im Deutschen Reich, dem Beginn der systematischen Verfolgung von Juden, im Zuge dessen auch die Neunkircher Synagoge am Oberen Markt zerstört wurde. Die Geschichte dieses Tages und seine lokalen Ereignisse werden deshalb auch Thema an diesem Abend sein.

Der Eintritt zu allen Filmabenden, Vorträgen und dem Unstumm-Festival ist frei.

red./eck

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