„Landrat macht Schule“

Auftakt am Homburger Christian von Mannlich-Gymnasium

HOMBURG In die Schulen hineingehen, mit den Schülern über politische Themen diskutieren, offen über seine tägliche Arbeit sprechen – dieses Ziel verfolgt Landrat Dr. Theophil Gallo mit seiner Idee „Landrat macht Schule“.

Im Hinblick auf die derzeit zunehmend sicht- und greifbare, immer stärker werdende Stimmungsmache gegen die EU – als Beispiele seien der „Brexit“, die Flüchtlingsfrage sowie nationalistische Töne aus verschiedenen Teilen Europas genannt – möchte der Landrat die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Saarpfalz-Kreis vor allem für die Themen Europa und Demokratie sensibilisieren. „60 Jahre nach ihrer Gründung befindet sich die EU in einer schweren Krise. Die Gründungsväter erschufen damals nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern legten auch den Grundstein für ein bislang beispielloses Friedensprojekt. Das darf niemals vergessen werden“, begründet Dr. Gallo seine primären Themenvorschläge, mit denen er mit den Schülern in den kommenden Monaten in den Dialog treten möchte.

Der Auftakt zu „Landrat macht Schule“ ist bereits erfolgt. Am Homburger Christian von Mannlich-Gymnasium kamen fast 200 Schüler der oberen Klassenstufen in der Aula zu einem Schulunterricht der besonderen Art zusammen.

Nach einer kurzen musikalischen Darbietung der Streichergruppe und des Chores der Klasse 6b sowie nach der Begrüßung durch Schulleiter Wolfgang Peters entwickelte sich den zwischen den Schülern und dem Landrat am Rednerpult ein abwechslungsreicher Austausch auf der Basis eines Vortrages und den daraus resultierenden gegenseitigen Fragen und Antworten.

Der Landrat spannte den Bogen vom Hambacher Fest 1832 über das Grundgesetz von 1949, der Grundlage unserer Demokratie, bis zu den Römischen Verträgen von 1957, der Grundlage des heutigen Europa. Besonders würdigte er den Widerstand während des Zweiten Weltkrieges gegen das Nazi-System, er erinnerte insbesondere an die Mitglieder der Weißen Rose und betonte, dass Widerständler wie Hans und Sophie Scholl und Willi Graf diesen Widerstand, ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlten. Deshalb verdiene auch der von Willi Graf stammende Satz „Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung“ bei der Diskussion um Frieden in unserem Land, in Europa, ganz besondere Beachtung.

„‚Denkzettel-Wahl‘ ist ein absolutes No-Go“

Es gelang ihm, auch das mit der Biosphäre verbundene Handlungsprinzip der Nachhaltigkeit in diesen Kontext zu stellen und die Bedeutung der Partnerschaften, wie sie das Mannlich-Gymnasium als UNESCO-Projektschule bereits auf vorbildliche Weise z. B. mit der Mill E. Godwin High School im Partnerkreis Henrico County/Virginia (USA), aber auch mit dem Liceum Ogolnoksztalcace im polnischen Dubiecko pflegt. Dabei kam er immer wieder zum Herzstück seiner Ausführungen zurück, zu einem „geeinten, einigen Europa als dauerhaften Friedensprojekt“.

„Was können wir konkret für Europa machen?“, fragte ein Schüler gegen Ende der Veranstaltung. „Die wohl denkbar einfachste Möglichkeit, sich sinnvoll für ein friedvolles und partnerschaftliches Europa stark zu machen, ist, in den Dialog mit den Menschen draußen zu treten und dort, wo immer kritische Stimmen laut werden, beherzt und mutig als Botschafter für Europa ein- und aufzustehen“, antwortete der Landrat. „Dazu gehört es auch, sich an der Europawahl im Mai zu beteiligen und seine Stimme nicht denen zu geben, die ständig gegen die EU wettern und nörgeln. Und eine „Denkzettel-Wahl“ aus irgendeiner momentanen Unzufriedenheit heraus ist ohnehin ein absolutes No-Go.“ red./jj

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