Kunst aus der Traumwelt

Eine besondere Ausstellung setzt sich mit Demenz auseinander

OTTWEILER Noch bis Ende März ist in der Marienhausklinik Ottweiler die Ausstellung von Carolus Horn „Wenn aus Wolken Spiegeleier werden“ zu sehen.

Carolus Horn war einer der

bekanntesten Designer im Nachkriegsdeutschland. Er gestaltete unvergessene Werbekampagnen des deutschen Wirtschaftswunders wie beispielsweise für Esso („Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an“) oder Opel („Nur Fliegen ist schöner.“).

Mit 60 Jahren erkrankte er an Alzheimer. Die Ausstellung dokumentiert, wie sich die Krankheit in seine Werke einschlich, Farb- und Formsprache über sieben Jahre veränderte und schließlich zum Zerfall der Gestaltungskraft führte.

Die Oberin der Marienhausklinik Beate Leonard-Kaul freute sich bei der Vernissage sehr darüber, dass der Demenzverein im Landkreis Neunkirchen in Kooperation mit der Leitstelle „Älter werden“ des Kreises die Ausstellung in ihrem Haus durchführt. „Die Krankheit ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, die Ausstellung zeigt dies sehr anschaulich“, so Leonard-Kaul.

Landrat Sören Meng betonte, auch als Vorsitzender des Demenzvereines, die Netzwerkarbeit im Bereich Demenz in den vergangenen Jahren. „Seit Gründung des Vereines vor 17 Jahren hat sich viel verändert. Betroffene und ihre Angehörige finden hier Hilfe und können auf ein Netzwerk bauen, in dem mittlerweile rund 80 Institutionen aktiv sind. Die Ausstellung, die wir bereits vor 16 Jahren präsentierten, fasziniert mich sehr. Sie zeigt, wie kreativ man auch mit der Diagnose Demenz sein kann. Hier geht es um Teilhabe am Leben.“

Einen beeindruckenden Vortrag erlebten die Gäste der Vernissage von Dr. Jörg Eberling, vom Unternehmen Novartis Pharma, dem Initiator der Ausstellung. Er entführte in die durch Demenz ausgelöste „Traumwelt“ und machte deutlich, wie Erkrankte ihre Situation selbst wahrnehmen.

Anhand der Werke von Carolus Horn zeigte er auf, wie sich die Denkweise und seine Kunst veränderten. Gingen zu Beginn Perspektive und Konturen mehr und mehr verloren, änderte sich im Verlauf der Krankheit auch die Farbgebung und Farbwahrnehmung. Mit Blick auf die Ausstellung und darüber hinaus, betonte Dr. Eberling abschließend: „Denken Sie sich in die Welt des Demenzpatienten hinein. Und versuchen Sie nicht die Fehler zu sehen, sondern die Dinge, die bleiben.“red./eck

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