Kommunen, denkt an eure Chöre!

Der Saarländische Chorverband im Gespräch mit dem WOCHENSPIEGEL

Saarbrücken. „Es gibt uns noch, aber es müssen dringend Perspektiven her“, so Präsidentin Jutta Schmitt-Lang und Vizepräsident Frank Vendulet vom Saarländischen Chorverband in einem Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung. Dass Chöre schon seit Jahren oft große Existenznöte plagen, ist hinlänglich bekannt. Der große Boom des gemeinsamen Singens, wie es ihn früher einmal gab, ist verflogen. Und dann auch noch Corona ...

Für Jutta Schmitt-Lang und Frank Vendulet war dieser Pressetermin der Anlass, einmal deutlich zu sagen: „Ja, unsere Chöre gibt es noch und wir haben auch einiges vor, aber es müssen dringend Perspektiven her.“

Der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen droht abzureißen

Gab es nach dem ersten Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres noch einen Sommer, der den Gesang im Freien oder in großen Räumen wieder ermöglichte, liegt der Chorgesang seit November praktisch brach. „Unser Problem ist ja nicht nur die altersgemäße Fluktuation bei zum Teil jahrzehntelangen Sängerinnen und Sängern, sondern auch der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen droht abzureißen.“ Und das ist genau der Punkt, an welchem man nun ansetzen muss, um ein Chorsterben zu verhindern.

Neben einem Netzwerk zwischen Chorverband, den Kreischorverbänden und den einzelnen Chören, der den Austausch wahrt, gibt es auch einen gemeinsamen Austausch mit den weiteren Akteuren in der ehrenamtlichen Breitenkultur. Hierzu zählen die Musikvereine (vor allem Bläser), Theater oder auch Karnevalsvereine. Gemeinsam hatte man kürzlich ein Gespräch mit Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot zum gegenseitigen Austausch. „Natürlich ist auch klar, dass wenn wir wieder aktiv werden dürfen, wir nicht sofort auftreten können, denn es müssen ja erst einmal die Proben erfolgen. Uns fehlen zwar die Möglichkeiten, uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren, aber daneben geht es auch um gemeinsame Aktivitäten, das Pflegen eines Hobbies, Freunde zu Treffen und einiges mehr.“

Mit überarbeiteten Hygienekonzepten will man so bald wie möglich wieder im Freien proben und zur Freude der Menschen auftreten. Auch auf das baldige Proben zumindest in kleinen Gruppen in Innenräumen hoffen die Chorsänger. Natürlich darf dabei die Gesundheit der Sänger nicht gefährdet werden.

Ein Appell richtet sich in diesem Zusammenhang auch an die einzelnen Kommunen, den Chören nach Möglichkeit größere Räume anzubieten beziehungsweise ihnen bei einer entsprechenden Finanzierung zu helfen (beispielsweise durch Mieterlass). „Kommunen, denkt an eure Chöre“, so die Aufforderung, denn diese bereichern manche Anlässe und Feste und dienen dem Allgemeinwohl zur Unterhaltung. „Sie sind Teil des gesellschaftlichen Lebens vor Ort.“ Mit diesem Anliegen hat der Chorverband auch Kontakt zum Städte- und Gemeindetag aufgenommen.

Das letzte Engagement im vergangenen Sommer waren so vereinzelt öffentliche Proben im Freien, welche beispielsweise vor Seniorenheimen die Bewohner erfreuten.

Aktuell kleine Gesangsgruppen oder Online-Angebote

Aktuell gibt es kleine Gesangsgruppen in Gottesdiensten oder Online-Angebote, die aber nicht mit Präsenzproben und -auftritten zu vergleichen sind und entsprechend auch nicht so den Zusammenhalt stärken können.

Einige Planungen und Perspektiven im so wichtigen Kinder- und Jugendbereich sind nun die anstehende Verleihung des Kinderchorlandpreises Saarland, der aus dem Vorjahr nachzuholende Termin für eine Station des Kinderchorland-Singbusses oder das Projekt „Jedem Ort ein Kinderchor“.

Für angehende Chorleiter startet zudem im Sommer eine neue Ausbildung und ein großes Ereignis (ebenso ursprünglich für 2020 geplant) soll im kommenden Jahr die Veranstaltung SingCity in Sankt Wendel sein. In seiner fünften Auflage wird dieses Chorfestival auf zehn Bühnen (Innen- und Außenbereich) die ganze Vielfalt der Chöre präsentieren. „Für einen ehrenamtlich geführten Verband eine große Herausforderung“, so Jutta Schmitt-Lang und Frank Vendulet im Gespräch mit dem WOCHENSPIEGEL. ks

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