Kinobetreiber fürchten um ihre Existenz

Kritik wegen fehlender Kommunikation und zielführender Gespräche – Forderung nach einem „Runden Tisch“ mit Vertretern der Landesregierung

SAARBRÜCKEN Existenzbedrohende Zeiten für Veranstalter und Kulturschaffende aller Art sowie für die saarländischen Kinobetreiber – die Corona­krise lässt die Angst der mittelständischen Unternehmen vor der Insolvenz wachsen und ein schnelles Ende der prekären Situation ist nicht in Sicht.

Die Kinobetreiber sind gleich doppelt betroffen, nicht nur, dass die Hygiene- und Abstandsregeln die Plätze in den Kinosälen empfindlich reduzieren, auch die Filmverleiher halten wegen der Corona-Pandemie die großen Blockbuster, die das Publikum ins Kino locken soll, zurück.

Im Gespräch mit dem WOCHENSPIEGEL legen Claudia Ziegler und Robert Haas vom Familienbetrieb Haas FilmtheaterBetriebe, die Kinos in Saarlouis, Illingen, St. Wendel und Lebach betreiben, die sehr angespannte und schwierige Lage der saarländischen Kinobetreiber dar.

„Wir hatten unsere Kinos seit dem Lockdown im März, wie fast alle anderen im Saarland, drei Monate geschlossen. Seit der Wiederöffnung am 18. Juni läuft der Betrieb sehr schleppend und so lässt sich leider nicht wirtschaftlich arbeiten. Wir haben zwar Überbrückungsgeld beantragt und die Mittelstandssoforthilfe erhalten, trotzdem ist die Lage für alle Kinobetreiber sehr bedrohlich. Aber es fehlen uns nicht nur diese wichtige Einnahmen, uns fehlen in dieser Situation vor allem die Kommunikation und ein richtiger Kontakt zur Politik und zur saarländischen Landesregierung“, sagt Claudia Ziegler und fügt hinzu: „Außer Steffen Conrad von der Saarland-Medien GmbH, der uns in den letzten Monaten sehr unterstützt und auch den Kontakt zur Staatskanzlei vermittelt hat, fehlt uns einfach ein wirklicher Ansprechpartner, um die Situation analysieren und Pläne erarbeiten zu können. Bezeichnend ist es, dass es bislang leider noch keinen ‚Runden Tisch‘ mit allen Kinobetreibern und Vertretern der Landesregierung gegeben hat“, erläutert Claudia Ziegler.

Hier sieht auch ihr Bruder ­Robert Haas ein immenses Problem. „Wir wollen in persönlichen Gesprächen diskutieren und gemeinsam einen Fahrplan und Leitlinien erstellen, wie es zukünftig in den Kinos weitergehen kann. Mit einer Auslastung der Kinosälen von rund 30 Prozent können wir auf Dauer nicht überleben. Ändert sich diese Situation nicht, stehen die Kinobetreiber vor dem Aus“, sagt Robert Haas.

Unter Einhaltung des Hygienekonzeptes und auf Grundlage der Infektionszahlen fordert Claudia Ziegler Lockerungen auf Landkreisebene. „Wir müssen die Infektionszahlen in den Landkreisen im Auge behalten und entsprechend Lockerungen zulassen. Die Abstände in den Sälen müssen verringert werden, so dass jeder zweite Platz genutzt werden kann. Das wäre schon einmal ein wichtiger Schritt. Gerade mit den guten Belüftungssystem in den Kinosälen wäre eine höhere Auslastung ohne Probleme machbar“, sagt Claudia Ziegler.

Hoffnung auf ein wenig Besserung der Situation macht der neue Film ­„Tenet“ von Christopher Nolan, der seit 26. August in den Kinos läuft. Der Thriller mit John David Washington in der Hauptrolle hat Block­busterqualitäten und schürt die Sehnsucht auf mehr Besucher in saarländischen Kinos. „Mit dem Film ­‚Tenet‘ starten wir einen Testballon. Die ersten Tage waren zwar ein wenig besser als vorher, aber ich kann leider nicht sagen, dass wir unter Corona-Bedingungen an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen sind“, sagt Robert Haas abschließend. jb

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