Irgendwie verbunden bleiben

Die Kommunionkinder des Bistums Trier schreiben Briefe an Bischof Ackermann

TRIER Der „Weiße Sonntag“ ist für katholische Jungen und Mädchen ein ganz besonderes Ereignis, denn an diesem Tag feiern sie das Fest der „Ersten Heiligen Kommunion“.

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Um die Ausbreitung des gefährlichen Corona-Virus einzudämmen, musste die Feier auf ein noch ungewisses Datum verschoben werden. Bei der Live-Übertragung der „Heiligen Messe“ am 19. April aus dem Trierer Dom wandte sich Bischof Dr. Stephan Ackermann direkt an alle Kommunionkinder und ermunterte sie, ihm zu schreiben.

Zuvor hatte er ihnen und ihren Eltern Briefe geschickt, in denen er die Situation aus seiner Sicht erklärt. In den darauffolgenden Wochen erreichte den Bischof eine Vielzahl an Zuschriften aus dem ganzen Bistum, die er allesamt persönlich beantwortete.

Enttäuschung und auch Verständnis

Konstantin (9) aus Bachem schreibt in seinem handschriftlich verfassten Brief an den Bischof: „Ich fand es sehr schön, dass Sie in der Messe zum ,Weißen Sonntag‘ an uns alle gedacht haben und sogar Kinder per Video Fürbitten sprechen durften.“

Neben dem Neunjährigen bekundeten viele weitere Kinder ihre Freude über den besonderen, live gesendeten Gottesdienst, den sie mit der ganzen Familie zuhause mitgefeiert haben.

Bei manchen flossen dabei auch Tränen der Enttäuschung. „Nicht nur, weil ich traurig war, dass ich keine Kommunion hatte. Sondern auch, weil es so lange dauert, bis ich ein richtiger Messdiener werde. Ich bin nämlich schon zwei Jahre Hilfsmessdiener, weil meine große Schwester schon lange Messdienerin ist“, schreibt Jannes aus Bous.

Ich finde es schade, dass die Kommunion abgesagt ist

Fast alle Kinder sind traurig darüber, dass die Erstkommunion verschoben werden musste. So schreibt etwa Mia aus Bitburg: „Ich finde es schade, dass die Kommunion abgesagt ist, kann es aber auch verstehen.“

Auch Joshua ist zwar enttäuscht, „aber wir müssen das Beste daraus machen. Natürlich hoffe ich, dass wir das Virus schnell eindämmen können, damit wir die Erstkommunion schnell nachfeiern können.“ Konstantin erklärt genau, warum er endlich zur Kommunion gehen möchte: „Ich habe mich sehr auf dieses Fest gefreut – ich habe ja auch viel über Jesus, sein Leben und seine guten Taten gehört.“

Einige Jungen und Mädchen erzählen in ihren Briefen, was sie im Rahmen der Erstkommunionkatechese gelernt und erlebt haben.

Spannende Zeit der Erstkommunionkatechese

Moritz aus Wiesbach etwa schreibt, dass er während einer Führung durch die Kirche im Ort sogar bis in den Glockenturm steigen durfte. „Da habe ich gelernt, dass die Wiesbacher Kirche das größte Geläut im Bistum nach dem Trierer Dom hat. Stimmt das?“, fragt er. Der Bischof kennt die Wiesbacher Kirche, weil er selbst vor einigen Jahren dort zu einer Firmung war. Ganz sicher ist er sich aber nicht. „Auf jeden Fall gehört das Wiesbacher Geläut zu den großen und wenigen sechsstimmigen Geläuten im Saarland“, schreibt er Moritz zurück.

Doch auch ganz persönliche Fragen, gute Wünsche und kleine Geschenke wie selbst gemalte Bilder und Blumensamen erreichten den Bischof. So fragt etwa ein Kommunionkind: „Wie geht es Ihnen so in diesen Zeiten als Bischof ohne die Messen?“. Die herzliche Bitte „Bleiben Sie gesund!“ steht unter fast allen Zuschriften.

Stefanie Glaser, Mutter eines Kommunionkindes aus Dillingen, fasst in ihrem Brief an Ackermann zusammen, was Eltern und Kinder in Zeiten von Corona besonders bewegt: „Ihre Worte haben uns Trost und Hoffnung gespendet. Es ist für uns Menschen auf der ganzen Welt schwer, mit dieser Situation umzugehen, umso mehr finde ich es wichtig, dass wir uns alle Halt geben und auch stärken, und das haben Sie, lieber Herr Bischof, mit Ihren Worten vermittelt.“

Kinder wollen trotz Corona den Kontakt halten

Und wie wichtig gerade die persönliche Kommunikation von Mensch zu Mensch in Zeiten der Pandemie ist, bringt Kommunionkind Konstantin in seinem langen Brief an den Bischof auf den Punkt: „Vielen Dank, dass Sie an uns denken und wir Ihnen schreiben dürfen, so fühlt man sich doch irgendwie verbunden.“red./ti

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de