Impfen auch bei Blutverdünner

Fragen und Antworten der Telefonaktion von WOCHENSPIEGEL und BZgA zum Thema Impfen

Weitere Infos der BZgA:

Saarbrücken. Der WOCHENSPIEGEL hatte am 22. März in Kooperation mit der Bundeszen­trale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Telefonaktion durchgeführt, bei der das Expertenteam der BZgA zwei Stunden lang für Fragen unserer Leserinnen und Leser rund um das Thema Impfen zur Verfügung stand. Mittlerweile ist die Fragerunde ausgewertet. Nachfolgend einige der gestellten Fragen und die Antworten darauf.War die Aussetzung der Impfung mit AstraZeneca nicht überstürzter Aktionismus? Hätte man nicht weiter impfen und dabei die Ursache der Thrombosen ermitteln können?Nein. Hirnvenen-Thrombosen sind schwere Erkrankungen, die zum Tod führen können. Es war nicht zu vertreten, weiter zu impfen, ohne die auffällige Häufung dieser sehr seltenen Thrombosen-Art zu analysieren. Impfung ist Vertrauenssache. Die Begutachtung der gemeldeten Fälle durch Experten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hat ergeben, dass „die beobachteten Fälle mit der Impfung zusammenhängen könnten“. In dieser Situation waren das PEI und Bundesministerium für Gesundheit verpflichtet, die abgestimmten Verfahren bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA einzuleiten. Unabhängig davon mussten die Impfungen vorläufig gestoppt werden.

Wie geht es jetzt weiter?Nachdem die EMA nun entschieden hat, die Impfung mit AstraZeneca weiter zu empfehlen, wurden die impfenden Ärzte informiert. Die zu impfenden Personen werden über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. Jeder muss sicher sein, dass alle Informationen zum Impfstoff transparent und vollständig vermittelt werden und nichts zurückgehalten wird. Der Staat hat bei empfohlenen Impfungen besondere Sorgfaltspflichten.

Worauf soll ich nach der Impfung mit AstraZeneca achten?

Sie sollten sich sofort an einen Arzt wenden, wenn Sie vier bis 16 Tage nach der Impfung – also nach Abklingen der üblichen Impfreaktionen – Symptome wie Kurzatmigkeit, Unterleibs- oder Brustschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen entwickeln. Auch bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sowie neurologischen Symptomen (halbseitige Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, epileptische Anfälle) sollten Betroffene sofort einen Arzt konsultieren.

Was sind die üblichen Impfreaktionen nach einer Impfung mit AstraZeneca?Die Reaktionen nach der Impfung gleichen im Wesentlichen denen anderer Corona-Impfstoffe: Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur oder Fieber.

Ich bin 82 und Diabetiker. Meine Frau sagt, ich sei verpflichtet, mich auf Grund des Diabetes impfen zu lassen. Ist das so?Nein, die Impfung ist ein Angebot, keine Pflicht. Zur Impfung wird geraten, da es sich beim Coronavirus um ein neuartiges, ansteckendes Virus handelt, das die teils lebensgefährlich verlaufende Krankheit COVID-19 verursacht. Das Risiko für einen ernsten Krankheitsverlauf steigt mit zunehmendem Alter und bei bestimmten Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes. Für Ende der Woche habe ich einen Impftermin, bin aber sehr erkältet. Sollte ich vorsichtshalber absagen?Nein, eine Erkältung oder eine gering erhöhte Temperatur bis 38,5°C sind kein Grund, die Impfung zu verschieben. Doch wer an einer akuten Krankheit mit Fieber über 38,5°C leidet, soll erst nach Genesung geimpft werden.

Wo wird dokumentiert, dass ich geimpft wurde?In Ihrem Impfpass. Diesen sollten Sie ins Impfzentrum mitbringen. Wenn Sie keinen haben, stellt Ihnen das Impfzen­trum eine Ersatzbestätigung aus. Bitte denken Sie auch an Ihren Personalausweis, damit die Mitarbeiter einen Altersnachweis haben. Wann bin ich nach der Impfung immun? Muss die Maske dann noch sein?Volle Immunität ist je nach Impfstoff ein bis zwei Wochen nach der zweiten Impfung hergestellt. Doch auch wenn Sie immun sind, können Sie das Virus möglicherweise noch übertragen. Insofern werden wir alle noch eine ganze Weile die Maske benutzen und die AHA-Regeln einhalten müssen.

Lassen sich die Impfstoffe an die Mutationen anpassen?Sowohl die neuen Impfstoffe gegen COVID-19 mit Boten-RNA als auch Vektor-Impfstoffe können schnell an Mutationen angepasst werden. Der Einfluss der aufgetretenen Virusvarianten auf den Impfschutz wird in zahlreichen wissenschaftlichen Studien ständig untersucht.

Ich muss Blutverdünner nehmen. Ist für mich die Corona-Impfung überhaupt möglich?Auch für Menschen, die Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen, ist die Impfung möglich. Es wird mit einer sehr feinen Injektionskanüle in den Oberarmmuskel geimpft und danach die Einstichstelle über mindestens zwei Minuten fest gedrückt.

Kann man zwischen Impfstoffen wählen?Nein, wegen der Impfstoffknappheit hat man nicht das Recht, den Impfstoff eines bestimmten Herstellers zu wählen.

Kann ich mich bei eventuellen Problemen nach der Impfung an meinen Hausarzt wenden, auch wenn er mich nicht geimpft hat?Ja, Impfreaktionen melden Sie direkt Ihrem Hausarzt oder in der Apotheke. Ärzte und Apotheker sind zur Weitergabe der Information an das Paul-Ehrlich-Institut verpflichtet. Bleiben Sie mit Ihrem Hausarzt im Austausch. Für die Bewertung der Nebenwirkungen, einer möglichen Diagnose und Folgebehandlung ist er weiterhin Ihr Ansprechpartner, auch wenn er Sie nicht geimpft hat. Wenn Sie möchten, können Sie Nebenwirkungen auch direkt beim Paul-Ehrlich-Institut über die Website www.nebenwirkungen.bund.de oder über die App des Paul-Ehrlich-Instituts SafeVac 2.0 melden.

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