Immersive Theaterinstallation über Elfriede

„Grenzleben“ präsentiert von Theaterregisseurin Annalena Maas

SAARBRÜCKEN Als Achtjährige führte sie unter Lebensgefahr Flüchtlinge über die Grenze nach Frankreich. Sie erlebte die Evakuierungen Saarbrückens, den Bombenkrieg, Plünderungen und Essensmarken in der Nachkriegszeit.

Schmuggelte Waren bei Einöd über die Grenze, als das Saarland noch eigenständig war. In ihrer kleinen Küche in Saarbrücken saß Elfriede Maas viele Jahre später bei schlechtem Kaffee und erzählte Geschichten aus ihrem Leben. Auf tiefstem Platt. Bildreich, warmherzig und gänzlich unpolitisch.

Annalena Maas, Theaterregisseurin aus München, nimmt die typisch saarländische Biographie ihrer Großmutter als Vorlage für eine immersive Theaterinstallation, die danach fragt, wie wir mit gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen Umbrüchen umgehen, wie diese in den kleinsten Mikrokosmos hinein wirken und alle unsere Lebensbereiche betreffen – und inwiefern die Umstände, in die wir hineingeboren werden, unser Leben vorherbestimmen.

Elfriede verstarb vor zwei Jahren. Ihre Wohnung ist noch unberührt. Hier, in einem Saarbrücker Wohngebiet nahe der deutsch-französischen Grenze, empfängt ein Nachlassverwalter das Publikum. Die Zuschauer dürfen ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Er zeigt ihnen, wonach gesucht werden muss, plaudert aus dem Nähkästchen – und stößt dabei auf die Zeugnisse eines langen Lebens voller wirtschaftlicher und soziopolitischer Umbrüche. Eines Lebens, das uns an unsere eigenen Eltern, Großeltern und Urgroßeltern denken lässt: Fotos vom Krieg, alte Pässe und Geldscheine, Briefe und Karten.

„Grenzleben“ ist potenziert immersives Theater: Die Schränke in der Wohnung sind noch voll von Elfriedes Hab und Gut. Da hängen ihre gestickten Gardinen, hier die selbstgemalten Bilder ihrer Enkel. Die Zuschauer schauen durch das Küchenfenster auf Saarbrücken hinunter, so wie Elfriede es jahrzehntelang tagtäglich tat.

Sie gehen durch ihre Räume, betrachten ihre Fotos und Erinnerungen und lassen sich von der Atmosphäre in ihre Lebensgeschichte hineinziehen.

Die Premiere findet am Donnerstag, 20. August, statt.

Weitere Vorstellungen sind am 21., 22., 23., 26., 28., 29., 30. August und am 1., 2., 4., 5. und 6. September.

Beginn ab 17. 30 Uhr, am Wochenende ab 15 Uhr.

Die genaue Uhrzeit wird den Besuchern bei der Online-Buchung mitgeteilt. Der genaue Spielort wird in der Reservierungsbestätigung mitgeteilt.

Buchung und weitere Informationen unter www.grenzleben.de. red./jb

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