„Ich erfahre viel Dankbarkeit“

Der syrischer Kurde Khalil Raslilo macht einen Freiwilligendienst bei der Saarbrücker Caritas

SAARBRÜCKEN Khalil Raslilo ist syrischer Kurde und seit ein paar Wochen freiwilliger Mitarbeiter des Migrationsdienstes der Saarbrücker Caritas. Der 28-Jährige stammt aus Aleppo im nördlichen Syrien und musste 2011 fliehen. Die erste Station seiner Flucht war der Libanon, wo es aber große Probleme mit einer Arbeitserlaubnis gab. Khalil Raslilo, der in Syrien sein Anglistik-Studium schon abgeschlossen hatte, sollte in seine Heimat abgeschoben werden – eine lebensbedrohliche Zukunftsaussicht. Raslilo hatte Glück und kam über Vermittlung der UN in ein deutsches Flüchtlingsprogramm für Menschen, die an Leib und Leben bedroht sind.

In Deutschland angekommen ging es zunächst in ein Aufnahmelager in Niedersachsen, danach nach Lebach. „Nur für eine Nacht“, betont Raslilo, der danach für zwei Monate in einem Dudweiler Wohnheim eine neue Bleibe fand. Sofort machte er sich auf die Suche nach einer eigenen Wohnung in Saarbrücken. „Danach hat mein neues Leben begonnen“, freut er sich. „Neues Leben“, das bedeutet zunächst Deutsch lernen: zwei Mal 600 Stunden waren zu investieren. Von Anfang an hatte Raslilo Kontakt zum Migrationsdienst der Saarbrücker Caritas. Dort hat sich jetzt ein Kreis geschlossen. Heute macht er dort seinen Bundesfreiwilligendienst. Gefördert wird der Freiwilligendienst von Geflüchteten für Geflüchtete von der Bundesregierung und dem „Willkommensnetz“, der Flüchtlingshilfe im Bistum Trier. Als er selbst Rat gesucht hatte, habe er sie beim Migrationsdienst gefunden, sagt er. Nun will er selbst helfen. An einem normalen Tag hat er mit etwa zehn Flüchtlingen oder anderen Ratsuchenden zu tun. Er, der mittlerweile sehr gut Deutsch spricht, arbeitet als Arabisch-Dolmetscher, hilft beim Ausfüllen von Formularen, begleitet Flüchtlinge auf die verschiedenen Ämter oder auch zur Schulanmeldung. „Wenn nötig auch außerhalb der Dienstzeit“, sagt er.

Raslilo engagiert sich halbtags als Freiwilliger. Weil er nicht dauernd von Leistungen des Staates leben, sondern sein Leben selbst finanzieren will, arbeitet er zusätzlich halbtags in der Gastronomie. Der Dienst bei der Caritas mache ihm Freude, betont er. „Ich erfahre viel Dankbarkeit von den Menschen, die hierher kommen und denen ich helfen kann.“ Der Freiwilligendienst ist für den exzellenten Tambour-Spieler (eine Art Gitarre) auch eine Vorbereitung auf sein geplantes Studium der Sozialarbeit. Ob er später wieder zurück gehe? Das kann sich Khalil Raslilo noch nicht vorstellen, zu viel scheint ihm derzeit unmöglich. Seine Familie lebt weiterhin im eingekesselten nördlichen Aleppo. Keine Chance dorthin zu kommen. Auch wenn er Heimweh hat und seine Eltern und acht Geschwister gerne wieder sehen würde. Ab und zu gelingt ein telefonischer Kontakt. Wenn Freiwilligendienst und Gastronomie Zeit lassen, dann widmet sich der junge Mann seinen sportlichen Hobbies, spielt Tischtennis, schwimmt und geht ins Fitness-Studio. Natürlich spielt er auch Fußball.

Begleitet wird Khalil Raslilo auch von den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier. Weitere Information: www. soziale-lerndienste.de. red./sh

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