Homecoming to San Antonio

Zweibrücker Professor ein Jahr an der University of the Incarnate Word in Texas

ZWEIBRÜCKEN/ SAN ANTONIO Mit Sack und Pack für ein Jahr in die USA ziehen – kein Problem zu Studienzeiten. Doch im Forschungsfreisemester mit der Familie für ein Semester nach San Antonio umzuziehen, das erforderte einen etwas größeren Aufwand und im Hinblick auf Visa und Arbeitserlaubnis z.T. viel Geduld.

Prof. Dr. Marc Piazolo der Hochschule Kaiserslautern vom Zweibrücker Fachbereich Betriebswirtschaft hat kürzlich ein kombiniertes Lehr- und Forschungssemester an der University of the Incarnate Word in San Antonio (Texas) verbracht. „Neun Jahre nach dem ersten Aufenthalt an der University of the Incarnate Word (UIW) fühlte es sich 2018/2019 wie eine Rückkehr in die alte Heimat an“, blickt Dr. Piazolo nun zurück.

Die Familie kannte die Stadt und zog dieses Mal – statt in einen Vorort 25 km vom Zentrum entfernt – mit in das Herz der 1,5 Millionenstadt San Antonio im südlichen Texas: zwei Blocks vom Riverwalk im hippen In-Viertel an der Pearl-Brewery. 2009 stand hier nur eine heruntergekommene Industriebrache. Jetzt beherbergte die Brauerei das Luxushotel Hotel Emma mit umgebenden Parks Apartmenthäusern, Boutiquen, Cafés, Fitness-Studios, Kneipen und Kleinkunstbühnen. Das erfolgreiche Urban Revival zieht Yuppies, aber auch viele junge Familien mit kostenlosen Konzerten, Events und einem Farmers Market an.

An das eigentliche Stadtzentrum beim Alamo ist das Pearl-Gelände über den Riverwalk entlang des San Antonio Rivers vorbei an Museen, Theatern, vielen Kunstobjekten und Hotels angebunden. In 40 Minuten läuft man in die Innenstadt – Touristen bevorzugen die Shuttle-Boote. Am schnellsten kommt man jedoch mit dem E-Scooter oder einem Fahrrad voran.

Wurzeln deutscher Einwanderer

Überall stößt man in der Stadt auf die Wurzeln deutscher Einwanderer. Ein ganzes Stadtviertel ist nach King William (Kaiser Wilhelm) benannt. Historisch hat sich die Partnerhochschule UIW den Bildungsauftrag zugunsten des benachteiligen hispanischen Teils der Bevölkerung von Süd-Texas auf die Fahnen geschrieben. Dies spiegelt sich in eigenen Privatschulen vor Ort, vom Kindergarten bis zur High School und einem Campus in Mexico wider. Inzwischen liegt der Anteil der Hispanics unter den Studierenden und Mitarbeitern bei über 50 Prozent bis hin zu einem wachsenden Anteil unter den Professoren. Auf die kulturelle Diversität wird in Berufungsverfahren besonderen Wert gelegt (positive Diskriminierung). Studierende aus einkommensschwachen Familien erhalten Stipendien oder Studienkredite vom Staat und der Hochschule selbst.

Als Gastprofessor hielt Dr. Marc Piazolo an der HEB School of Business and Administration drei Lehrveranstaltungen – Microeconomics (Bachelor) und International Economics (MBA). Als private Universität mit regulären Jahresgebühren von rd. 30000 USD wird der Service-Gedanke für die (zahlenden) Kunden großgeschrieben – umgekehrt ist bei den Kunden die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Dies betrifft insbesondere die Beratung und Betreuung der Studierenden. Microeconomics ist für alle Studiengänge – von Management bis Nursing – eine Pflichtveranstaltung, so dass sowohl Vorwissen (Mathematik) als auch fachliches Interesse oft fehlten. Durch ein umfangreiches Prüfungsportfolio (Mini-Paper, Präsentation, mehreren Homeworks, Midterm und Final Exam) erhalten die Studierenden den Anreiz kontinuierlich zu arbeiten.

Gleichzeitig reduziert sich der Druck vor der einzelnen Prüfungsleistung. Bei Bedarf werden auch individuelle Tutorien angeboten. In den Bachelorveranstaltungen nahmen jeweils mehrere Sportstudenten teil. Diese finanzieren sich über ein Stipendium, trainieren halb-professionell und studieren meist „nebenher“. Im Fall Semester wurden Football und Basketball erfolgreich gespielt. Die Stimmung an den Spieltagen heizten die Uni-Band u nd Cheerleader-Gruppen kräftig an. Teilweise reisen die Teams zu Auswärtsspielen per Bus bis zu 14 Stunden weit. So kam es immer wieder zu deutlichen Fehlzeiten, die individuell nachzuarbeiten waren. Die Coaches sind jedoch angehalten den akademischen Fortschritt ihrer Spieler zu verfolgen: sobald der aktuelle Notendurchschnitt unter „Grade C“ (Note 3,0) sank, durften die Spieler nicht auflaufen.

Wiedersehen mit Zweibrücker Studentin

„In der ersten Woche überraschten mich in der Sprechstunde zwei MBA-Studenten aus Heidelberg. Ann-Kathrin kannte ich gut aus dem Bachelor-Studiengang Finanzdienstleistungen am Campus Zweibrücken. Als Praxissemester hatte ich ihr vier Jahre zuvor den Studienaufenthalt an der UIW empfohlen. Sie kam begeistert zurück und wechselte im Master nach Heidelberg. Im Rahmen eines Double Degrees verbrachte sie nun ein ganzes Jahr an der UIW und hatte ihrem Kommilitonen Max meinen Kurs in International Economics ans Herz gelegt. Wir trafen uns von nun an regelmäßig zu einem Kaffee und tauschten uns über unsere Erfahrungen aus. Wir schätzten insbesondere die Offenheit und den interkulturellen Austausch an der UIW, den uns Max mit seinem Engagement in indischer Tanzkunst vorlebte“, erzählt Piazolo.

Intensives Campus-Leben

Das Campus-Leben ist für Studierende, die während der ersten zwei Jahre auf dem Campus in Wohnheimen leben müssen, aber auch für die Dozenten wesentlich intensiver als in Deutschland. Es wird im kulturellen und sportlichen Bereich viel geboten, die Sicherheit wird durch eine eigene Campus-Police großgeschrieben und die Studierenden haben sich außerhalb ihres eigenen Studiums auch zu engagieren – von religiösen Veranstaltungen (Faith ist wichtig) bis hin zu sozialen und ökologischen Projekten, wie der Integration von Flüchtlingen, einem Uni-Gemüsegarten über den Tierschutz bis hin zur Soup Kitchen in Downtown. Entsprechendes Engagement wird von Angestellten wie Professoren erwartet und in den Arbeitsverträgen festgehalten. „In der Vorweihnachtszeit waren wir aufgerufen aufgrund der knappen Haushaltslage (private Uni) 180000 USD an den eigenen Arbeitgeber zurück zu spenden. Die Fakultäten standen mit ihren Beteiligungsquoten im Wettbewerb, das war schon etwas befremdlich“, berichtet Piazolo.

Spannende und offene Gespräche

In dem berufsbegleitenden MBA-Kurs International Economics kamendie Professoren um politische Diskussionen und fachliche Beurteilungen zum Brexit, dem neuen Handelsabkommen in Nordamerika USMCA, den US-Strafzöllen gegenüber der EU und China sowie den The Wall-Ambitionen der US-Regierung nicht umhin. Es ergaben sich spannende und offene Gespräche mit Studierenden, Kollegen und Freunden. Es fiel jedoch auf, dass die Amerikaner sich einfacher mit Ausländern über strittige Themen unterhielten als untereinander. Jeder schien in der eigenen News-Blase zu leben.

Gradutation Cermony im Freeman Coliseum

Die Gradutation Cermony fand aufgrund des hohen Andrangs von Familienmitgliedern in Caps & Gowns Mitte Dezember im Freeman Coliseum statt. Aufgrund der schnellen Korrekturzeiten (max. acht Tage) erhielten auch zwei der MBA-Studierenden ihren Masterabschluss.

Den Abschluss des Aufenthaltes erlebte die Familie Piazolo Silvester nebenan im neuen AT&T Center bei einem spannenden NBA Spiel der San Antonio Spurs gegen die Boston Celtics. Trotz Niederlage der Spurs ist ein Auslandsstudium an der UIW immer eine Empfehlung wert!

Prof. Dr. Marc Piazolo

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