Homburger Meisterkonzert

Grigory Lipmanowitsch Sokolov im Saalbau

HOMBURG Ein ganz Großer aus der Weltelite der Pianisten beehrt seine Fans hier im „Homburger Meisterkonzert“ am Donnerstag, 19. April, 20 Uhr im Kulturzentrum Saalbau: Grigory Lipmanowitsch Sokolov. Mit einem eigens für ihn angelieferten Konzertflügel sowie mit Werken von Joseph Haydn (1732-1809) und Franz Schubert (1797-1828) erfüllt er sich einen Geburtstagswunsch, denn er feiert einen Tag zuvor seinen 68. Geburtstag. Grigory Sokolov kam am 18. April 1950 im heutigen St. Petersburg zur Welt, das damals noch Leningrad hieß. Dort an der Newa begann nach harter russischer Ausbildung seine musikalische Karriere. Sie war so erfolgreich, dass er als 16-jähriger beim 3. Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau nicht nur den 1. Preis im Klavierwettbewerb, sondern auf Vorschlag von Emil Gilels auch die Goldmedaille für die beste Leistung unter allen Wettbewerbs-Sparten zugesprochen bekam.

In der damaligen Sowjetunion längst ein Star, wurde ihm erst spät erlaubt, auch im Westen zu spielen, in der Carnegie Hall in New York beispielsweise oder im ehrwürdigen Wiener Musikvereinssaal. Dabei wurden seine gedankentiefe Interpretationen der Klavierwerke von Bach, Beethoven, Brahms und Chopin bewundert und deren Einspielungen auch mit begehrten Auszeichnungen gewürdigt. So bekam Sokolov gerade erst vor drei Jahren den „Echo Klassik“ für die Einspielung seines „Salzburg Rezitals“ und im selben Jahr den 1. Preis beim „Cremona Music Award“, dessen Empfang er jedoch ablehnte. Der russische Pianist gilt als höchst sensibel, wegen seiner Launen und Überraschungen bei Konzertanbietern aber auch als schwierig. Vielleicht ist das die rechte Seelenlage, sich der frühen Klaviersonaten von Joseph Haydn zu widmen, die in den 60er und 70er Jahren des 18. Jahrhunderts im Dienst derer von Esterházy entstanden sind und auf spannende Weise die Entwicklung der Gattung vom Wiener Divertimento zur klassischen Sonate aufzeigen. Es sind Werke für das intime, höfische Musizieren etwa der Schwestern Katharina und Marianna Auenbrugger in Wien, denen Haydn die sechs „Auenbrugger-Sonaten“ widmete, darunter jene in f-Moll Hob. XVI:36, mit der Sokolov vor der Konzertpause sein Haydn-Rezital krönen wird. Wirkten die Haydn-Sonaten mehr nach innen ins höfische oder häusliche Musizieren hinein, so wollte Franz Schubert in seinem zweiten Vierer-Zyklus von Impromptus op. posth. 142 (D 935) ähnlich wie sein übermächtiger Zeitgenosse Beethoven vom Konzertpodium aus die große Zuhörerschaft von Kennern erreichen. Wie Beethoven, so dachte und plante auch Schubert die vier Impromptus nach einer viersätzigen Sonatenanlage. Deren langsamer Satz, das im Dreiertakt wiegende Impromptu As-Dur und das „Rosamunde“-Thema mit seinen reizvollen Variationen im 3. Impromptu B-Dur sind als wahre Ohrwürmer geläufig. Umso gespannter dürften die Meisterkonzert-Freunde sein, wie der russische Virtuos die selten zu hörenden Ecksätze meistert, den gewaltigen, orchestral wirkenden Sonatenhauptsatz im 1. Impromptu f-Moll oder die tänzerisch flirrende Virtuosität im letzten Impromptu f-Moll.

Der Vorverkauf ist eröffnet. red./jj

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