Hohes Gut Gesundheit

Ein Streifzug durch die Geschichte der Medizin

HORNBACH „Bei aller Berechtigung der Klostermedizin und von Naturheilmitteln können wir die Errungenschaften der modernen Medizin nicht hoch genug schätzen“ – zu diesem Ergebnis kamen Referentin Helke Burkhardt und die rund 20 Mitglieder des Historischen Vereins Hornbach durch den Vortrag „Von der Klostermedizin zur Moderne“.

In einem Parforceritt informierte die Apothekerin aus Wallhalben über die Entwicklung und die Erkenntnisse der Medizin im Laufe der Jahrtausende. In der Antike waren Priester meist Heiler in Personalunion. Auf den zwölfseitigen Heil-Papyri aus dem ägyptischen Heiltempel in Dendera war bereits die Wirkung von Knoblauch beschrieben. Der berühmte griechische Arzt und Philosoph Hipokrates, auf den die Ärzte bis heute ihren Berufseid schwören, wusste bereits um die Bedeutung der Ernährung: „Eure Heilmittel sollen Nahrungsmittel und eure Nahrungsmittel Heilmittel sein.“

400 Jahre lang prägte er das Heilwesen, bis die Römer die griechische Sprache unterdrückten und damit wertvolles Wissen verloren ging. Doch sie erkannten den Zusammenhang von Krankheiten und einer Dysbalance der Körpersäfte. Im Mittelalter heilten Bader mit Aderlass und Abführmitteln, bis um 500 n.Chr. die Klostermedizin entdeckt wurde. Krankenpflege galt als oberste Pflicht der Mönche. Berühmt ist die Pflanzenheilkunde der Benediktinerin Hildegard von Bingen, die mit Pflanzenheilkunde, Edelsteintherapie, Fastenkuren oder Schwitzbädern die Einheit von Körper und Seele wieder herzustellen trachtete, unterstützt von Gebet, Musik und Meditation.

Wertvolle exotische Gewürze wie Ingwer, Pfeffer oder Zimt wurden in Pillen, Pulvern, Elixieren, Tinkturen oder Salben eingesetzt. Einem Heilverbot der Priester folgte die Gründung medizinischer Schulen und Universitäten, an denen Anfangs Mönche und Nonnen unterrichteten. Besonders bekannt ist in Hornbach Hiernoymus Bock als einer der Väter der Botanik. Sein Zeitgenosse Paracelsus erkannte: „All Ding sind Gift und nichts ist ohn Gift – allein die Dosis macht es.“

Das Zeitalter der Entdeckungen (15. – 18. Jahrhundert) brachte tief greifende Umwälzungen und eine Vielzahl bedeutender Entdeckungen. Im Anatomietheater wurden Leichen öffentlich seziert. Blutkreislauf, Blutkörperchen und Samenzellen unter dem ersten Lichtmikroskop, Vitamin C gegen die Schiffskrankheit Skorbut, die Kuhpockenimpfung, die Bedeutung von Hygienemaßnahmen wie Pasteurisieren gingen den wichtigen Erkenntnis von Robert Koch voraus: Ein einziges Bakterium verursacht eine bestimmte Krankheit.

Der Weg in die Moderne war geprägt von technischen Errungenschaften bis hin zur Transplantation, der computer gesteuerten Operation ohne Patientenkontakt, der Gentechnik oder der Erforschung der DNA. Dass dennoch eine Rückbesinnung auf die Ursprünge mit der Nutzung von Heilpflanzen stattfindet, skizzierte Helke Burkhardt scherzhaft in der Therapieentwicklung: Von der Wurzel über das Gebet, die Tinktur, Tabletten und Antibiotikum zurück zur Wurzel.cvw

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de