Hilfe für Kobane und die Camps

Der Verein „ezidische Jugend“ engagiert sich für seine Glaubensgenossen in Syrien und dem Irak

NEUNKIRCHEN Es ist noch nicht lange her, da klangen Namen wie Kobane oder Lalish in unseren Ohren eher wie exotische Gerichte denn als Städte. Das hat sich auf dramatische Weise geändert. Durch das mörderische Vorgehen des sogenannten „Islamischen Staats (IS)“ bei der Verfolgung der êzîdîschen Kurden weiß mittlerweile jeder, dass es sich hier um kurdische Städte handelt, in denen die Terroristen versuchen, eine ganze Religion auszumerzen. Wer die Bilder im Fernsehen gesehen hat, weiß, dass Hilfe unbedingt notwendig ist.

Diese Bilder haben auch einen Verein aufgeschreckt, der im April 2011 in Thalexweiler gegründet worden ist und laut Satzung eigentlich ganz andere Ziele hat. Der Ezidische Jugend e.V. ist angetreten, die Integration in Deutschland und den Erhalt der êzîdîschen Werte fördern. Der Vorstand bestand hauptsächlich aus Studenten und Abiturienten, viele im Saarland geboren, und es war sehr wichtig, dass der Vorstand sowohl weibliche als auch männliche Mitglieder hat.

Monotheistisch

Das Ezidentum ist eine Monotheistische Kultur, die nur einen Gott anbetet und nicht darauf aus ist zu missionieren. Denn Ezide kann man nur von Geburt aus sein. Es gibt keine Bücher, Überlieferungen werden nur über Texte und Gesänge vermittelt.

So hat Wabi Karaca, der 2. Vorsitzende der Ezidischen Jugend seine Religion geschildert. Der junge Neunkircher, geboren in Völklingen, Bankkaufmann bei der Sparkasse hat die Redaktion angeschrieben mit der Bitte, aufgrund der aktuellen Bilder aus Nahost, den Verein und seine Ziele vorzustellen. Ursprünglich sollte er Ansprechpartner für Jugendliche sein, die in der Diaspora aufgewachsen sind, um ihnen ihre eigene Kultur zu erläutern, sie aber auch mit der deutschen Gesellschaft bekannt zu machen. „Berührungsängste sollten abgebaut werden“, erklärt Karaca. So seien viele junge Kurden noch nie in einer Kirche gewesen, da es Gotteshäuser in ihrer Religion nicht gibt. „Wir wollten ihnen die Scheu nehmen.“

Sechs Transporte auf den Weg gebracht

Durch die Ereignisse um den IS haben sich die Anliegen des Vereins nun geändert. Allein im vergangenen Jahr haben die 40 Mitglieder fünf Transporte auf den Weg gebracht, jeweils beladen mit 40 Tonnen Hilfsgütern. Und dies alles mussten die Mitglieder allein stemmen. Durch eigene Aktionen kamen sie zu Spenden und dann wurde in vielen Nächten alles geordnet und auf den Weg gebracht. „Dabei haben wir vor Ort im Camp nicht darauf geachtet, ob da jemand Christ, Moslem oder Ezide ist“, berichtet Wabi Karaca, der selbst noch nie in der Türkei war, sich nun aber doch einmal zu seinen Wurzeln begeben will.

Ein weiterer Transport ist nun an die türkisch-syrische Grenze unterwegs, wobei sich dieses Mal ein Sponsor gefunden hat, der den LKW stellt.

Für weitere Transport benötigt der Verein aber weitere Sponsoren und Spender, da die jungen Leute solche Maßnahmen nicht mehr allein stemmen können.

Wer helfen möchte, kann sich mit Ömer Kurt, (0162) 1708960 in Verbindung setzen. Weitere Infos zum Verein findet man auch im Internet unter ezidische-jugend.de.eck

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