Heilsam für Körper und Geist

„Meditativer Waldspaziergang“ mit der Vorsitzenden des Kneippvereins Zweibrücken

ZWEIBRÜCKEN Mit strahlenden Gesichtern, jeder in seinem eigenen Tempo und mit dem mittlerweile schon sprichwörtlichen gebührendem Abstand, spazierten fast 20 Senioren durch den Wald hinter dem Waldfriedhof.

„Wie kann ich Menschen aktivieren, die schlecht zu Fuß sind, die sich allein gar nicht mehr in die Natur trauen und die keine offizielle Wanderung mit- und durchhalten können?“ hatte sich Monika Mohr gefragt. Die Vorsitzende des Kneippvereins Zweibrücken betonte: „Wir gehen langsam, achtsam und richten uns im Tempo nach dem schwächsten Glied.“

Noch am Treffpunkt an der Kugelfanghütte erklärte sie die Bezeichnung „Meditativer Spaziergang“. Darin steckt das Wort Gang. „Wenn wir jemandem begegnen, fragen wir uns gegenseitig ,Wie geht es denn‘?“ Gehen bedeute vorwärtskommen, mobil und selbstständig sein. Meditativ bedeute es, sich ganz zu fokussieren, auf sich selbst und auf den Wald. Der Wald sei gesundheitsfördernd. Allein die grüne Farbe der Blätter und Sträucher wirke heilsam auf die Psyche.

Bäume kommunizieren miteinander und informieren sich gegenseitig über Angriffe von Krankheiten oder Schädlingen. Dann schützten sich die übrigen Bäume, indem sie so genannte Terpene ausschütten. „Wenn wir die ganz tief einatmen, stärkt das unser Immunsystem. Wenn ich nicht richtig atme, habe ich keine gute Energieversorgung“, erinnerte Mohr. Es sei wichtig, nicht nur tief in den Bauch einzuatmen, sondern gründlich auszuatmen. Sie erklärte weiter: „Wenn ich nicht richtig ausatme, entgifte ich nicht richtig.“

Sie lud dazu ein, auf dem ersten Wegstück einmal zu schweigen und sich achtsam auf den eigenen Gang zu konzentrieren. Die erste Meditation galt dem Frieden. Die Gruppe reckte in alle vier Himmelsrichtungen die Arme in Y-Pose in den Himmel und „Frieden allen Wesen“ im Osten, Süden, Westen und Norden, mit auf dem Herzchakra gefalteten Händen „Frieden in mir!“ Langsam und schweigend spazierte die kleine Gruppe durch den sommerlichen Wald, einige mit Gehstöcken, andere sogar mit Rollatoren.

Eine von ihnen war Johanna Mohr. Die 94-jährige Zweibrückerin, die im betreuten Wohnen lebt, war zum ersten Mal seit vier Monaten wieder außer Haus. Sie erzählte: „Als ich es in der Zeitung gelesen habe, wollte ich unbedingt mit. Mir hatten alle Angst gemacht, ich sollte unbedingt zuhause bleiben und auf keinen Fall mehr allein gehen.“ Ihr kam das Angebot des Kneippvereins gerade recht. Langsam, jedoch glücklich, bildete sie das Schlusslicht der munteren Waldgänger, darunter auch zwei Männer. Am ersten Zwischenstopp lud Monika Mohr die Teilnehmer ein, sich vorzustellen, wie sich die leuchtende Farbe Gelborange über ihre Hände ausbreitete und sie damit eine riesige Kugel Lebensfreude um sich herum zogen. Zum Schluss ließ sie eine riesige, strahlende Sonnenblume visualisieren. Große Freude hatten die Teilnehmer auch an dem Aussichtspunkt mit Blick ins weite Land.cvw

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