Grundlegender Umbau vorgesehen

Ökologisches Schullandheim Spohns Haus: Perspektiven nach der Corona-Zeit

GERSHEIM Noch hat das Ökologische Schullandheim Spohns Haus in Gersheim Reserven. Doch müsste sich im Herbst die Situation grundlegend ändern, um die Pandemie-Krise endgültig zu überstehen. In der Bildungseinrichtung, der einzigen mit nachhaltiger Bildung im Biosphärenreservat Bliesgau, herrscht derzeit noch gedrückte Stimmung bei den Verantwortlichen.

Nach dem im März erlassenden Verbot für saarländische Schulen Klassenfahren zu unternehmen, folgte wenige Tage die Allgemeinverfügung der Landesregierung, die für das mittlerweile 15 Jahre bestehende Biosphären-Leuchtturmprojekt den kompletten Stillstand bedeutete. Auch als das Haus im Mai hätte wieder öffnen können, bestand das Klassenfahrtenverbot immer noch. So blieben die sehnsüchtig erwarteten Gäste aus. Und das bis heute.

Geführt wird das Haus durch seine beiden Träger, den Verein für europäische Umweltbildung und Umwelterziehung (Veube) sowie einer kommunalen Trägergesellschaft, geführt von der Gemeinde Gersheim. „Den Trägerverein hat es durch die Förderung des Landes und die Genehmigung der Kurzarbeit für die Mitarbeiter nicht so stark betroffen, dass die Existenz auf dem Spiel gestanden hätte, trotzdem war es eine sehr schwierige wirtschaftliche Situation“, informierte der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Frank Grandjean. Weit schlimmer habe es die Gesellschaft getroffen, deren Umsätze seit März praktisch auf Null gesunken seien.

Die Folge für das Schullandheim: Alle Mitarbeiter inklusive der Geschäftsführung wurden in Kurzarbeit geschickt, mit dem Reinigungspersonal, das mit geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen ausgestattet ist und nicht unter die Kurzarbeiterregelung fällt, wurde eine temporäre Vertragsänderung mit verminderter Arbeitszeit ausgehandelt. Ende Juli musste jedoch trotz allem ein geringfügiges Arbeitsverhältnis aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise aufgelöst werden.

Positiv habe sich ausgewirkt, so Veube-Geschäftsführer Dr. Jerzy Wegrzynowski, dass das Deutsch-Polnische Jugendwerk, das für das Schullandheim eine der wichtigsten Fördereinrichtungen darstellt, einen Teil der Projektkosten zum einen für die ausgefallenen Veranstaltungen während der Europawoche, zum anderen der abgesagten Sommerfreizeiten, übernommen hatte. Gerade durch die traditionell durchgeführten Sommerfreizeiten, die sich in den letzten Jahren zu einem Erfolgsmodell entwickelt hatten, wäre der ersehnte Neustart nach den Wochen der Schließung möglich gewesen. „Wir hatten so viele deutsche Anmeldungen wie noch nie und auch aus Polen hatten sich viele Interessenten gemeldet, “ so Wegrzynowski. Die Peter-und-Luise-Hager-Stiftung, einer der Projektpartner, hätte gar die Kosten für etwaige Corona-Tests der Teilnehmer übernommen.

Nach Abwägung innerhalb des Vereinsvorstandes und dadurch bedingt, dass in Schlesien, wo die meisten Gäste herkommen sollten, ein Corona-Hotspot entstanden ist, wurden die Ferienwochen schweren Herzens abgesagt. Da Spohns Haus über ein von Gesundheits- und Ordnungsamt genehmigtes Hygienekonzept verfügt, sei die Aufnahme und die Übernachtung von Gästen, wenn auch in wesentlich geringerer Anzahl möglich. Da jedoch weiterhin keine große Nachfrage für Gruppenreisen festzustellen sei, blieben nur eigene Tagesveranstaltungen oder auch kleinere mehrtägige Ferienmaßnahmen ohne Übernachtung anzubieten.

Hans Bollinger, kürzlich wiedergewählter Vorsitzender des Veube, freute sich über die zwischenzeitlich erfolgte Zusage der Ministerien, auch im Falle einer fortwährenden Krise das Schullandheim nach Möglichkeit zu unterstützen. Dies auch vor dem Hintergrund des bestehenden Perspektivplans, der einen grundlegenden Umbau der Einrichtung vorsieht. Dazu meint Gersheims Bürgermeister Michael Clivot, dass auch in der Krise erkennbar wurde, dass die aktuelle Trägerstruktur des Hauses Probleme macht. Er hofft zum einen, dass mit dem neuen Schuljahr die Abstandsregelungen wie auch in den Schulen im Schullandheim wegfallen, dass mehr Gäste aufgenommen werden können, dass aber auch das Konstrukt mit Verein und Betriebsgesellschaft verändert werde. Ziel sei es, Spohns Haus mittelfristig als ein internationales Zentrum für nachhaltige Bildung im Biosphärenreservat Bliesgau zu etablieren.red./ott

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