Gründen im Ausland – so geht man vor

Es kann unter Umständen gute Gründe dafür geben, als Deutscher im Ausland ein Unternehmen zu gründen. Dabei gilt es, nicht nur verlockende Vorteile zu bewerten, sondern auch potenzielle Nachteile zu kennen. Zu beachten ist außerdem, in welchem Land die Gründung stattfinden soll, da es zusätzlich noch landesspezifische Vorgaben gibt, die Deutsche vor ein Problem stellen könnten.

Mögliche Vorteile für eine Gründung im Ausland

Nachfolgend einige Vorzüge, die beim Gründen eines Unternehmens außerhalb von Deutschland eintreffen könnten. Ob und welche Vorteile dabei zum Tragen kommen, hängt natürlich vom individuellen Einzelfall ab.

•    Umsatzsteigerung durch größere Zielgruppe
•    Bekanntheitsgrad steigern
•    Positionierung in einem neuen Markt
•    Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten
•    positive Entwicklung durch Internationalisierung
•    neue Chancen nach turbulenten Zeiten
•    weniger Kosten im Ausland für Lizenzen, Produktion und Co.
•    besserer Markt-Zugang
•    eventueller Schutz des privaten Vermögens

Die oberste Regel: die Recherche

Bevor ein Unternehmen allerdings im Ausland gegründet wird, steht die Recherche an erster Stelle. Die Firmengründung muss sorgfältig geplant und vorbereitet werden. Wichtig ist, dass der Gründer sowohl die rechtlichen und steuerlichen Aspekte beachtet, aber auch die Begebenheiten vor Ort kennt. Das gilt generell, wenn Unternehmen einen neuen oder veränderten Schritt wagen, wie beispielsweise die Online-Präsenz für lokale Unternehmen. Auch hier ist die Vorbereitung wichtig, damit der Wechsel oder der Zusatz des Internetangebotes gelingt.

Informationen zum Wunschland

Um sich über das Land zu informieren, reicht es nicht, ein paar Mal Urlaub gemacht zu haben oder den Wikipedia-Artikel des Landes zu kennen. Stattdessen sollten Gründer sämtliche kulturellen Besonderheiten des Landes kennen und auch die wirtschaftliche Lage überprüfen. Zusätzlich sollte die politische Lage im Land als stabil gelten. Auch ein Blick in die Vergangenheit kann helfen, um eventuell künftig aufkommende Schwankungen abzusehen.

Als weiterer Punkt müssen Gründer die Zugangsbestimmungen des jeweiligen Marktes im Land recherchieren. Gibt es möglicherweise Geschäftspraktiken, die dort relevant sind und daher beachtet werden müssen? Generell sollten Gründer abwägen, welches Potenzial ein Markt in einem Land mit sich bringt. Wichtig zu wissen ist außerdem, welchen Wert das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung in diesem Land überhaupt hat. Hier kann es durchaus große Unterschiede geben!

In welchen Ländern kann ich gründen?

Theoretisch ist es möglich, in jedem Land der Welt ein eigenes Unternehmen zu gründen. Besonders leicht ist es aber natürlich in einem EU-Land. Wer aber das Unternehmen gründen möchte um bewusst Steuern zu sparen, wählt meistens
•    Luxemburg
•    Schweiz
•    Isle of Man
•    Liechtenstein
•    Gibraltar
•    Zypern
•    Monaco
•    Andorra
•    Belgien
•    Malta
•    kanarische Inseln
Je nachdem, in welcher Branche und mit welchen Umständen ein Unternehmen gründet, kann die steuerliche Situation in den genannten Ländern besser ausfallen.

Gut zu wissen: Wer sich für ein EU-Land entscheidet, kann als EU-Bürger sehr einfach im Ausland gründen. In diesen Ländern kann zudem sehr einfach eine Tochtergesellschaft oder eine Niederlassung des bereits bestehenden Unternehmens in Deutschland gegründet werden.

Vorgaben der einzelnen Länder beim Gründen

Rein rechtlich, steuerlich und wirtschaftlich lassen sich die Gründungsanforderungen und wissenswerten Details für alle Länder weltweit natürlich nicht in einem Artikel unterbringen. Aufgrund unserer Nähe möchten wir daher vor allem die Gründung in Luxemburg und Frankreich näher unter die Lupe nehmen.

Gründung in Luxemburg

Wer sich für Luxemburg als Gründungsland entscheidet, kann hier keine einfache Briefkastenfirma gründen oder die Firma aus Deutschland heraus fernsteuern. Nach dem Steuerrecht und Gesellschaftsrecht in Luxemburg ist es Vorgabe, dass in Luxemburg tatsächlich ein Büro geführt wird. Auch hier gilt, dass eine einfache Büroadresse für die Post nicht ausreicht.

Als Geschäftsform werden in Luxemburg vor allem folgende Varianten gegründet:
•    Offene Handelsgesellschaft „Societe en nom collectif“ (kurz SENC)
•    Kommanditgesellschaft „Societe en commandite simple“ (kurz SECS)
•    Aktiengesellschaft „Societe Anonyme“ (kurz SA)
•    Kommanditgesellschaft auf Aktien „Societe en commandite par actions“ (kurz SECA)
•    Gesellschaft mit beschränkter Haftung „Societe a responsabitite limitee“ (kurz SARL)
•    Genossenschaft

Besonders oft wird in Luxemburg die GmbH bzw. SARL gegründet oder die AG bzw. SA gegründet. Die SARL vereint, wie die deutsche GmbH, Eigenschaften der Kapitalgesellschaft und Eigenschaften einer Personengesellschaft. In Luxemburg sind etwa zwei Drittel der Firmen eine SARL, sodass dies als die geläufigste Rechtsform gilt.

Gründung in Frankreich

Wer in Frankreich eine Firma gründen möchte, muss sich als erste Anlaufstelle an die CFE wenden. Das ist die Centres de Formalités des Entreprises. Dort muss der Betrieb vom Unternehmer angemeldet werden. Sollten sich individuelle Fragen ergeben, ist die CFE ebenfalls eine gute Anlaufstelle.

Wie in Deutschland, so kann es auch in Frankreich sein, dass eine staatliche Genehmigung für die Unternehmensgründung benötigt wird. Das gilt beispielsweise für Firmen im Bereich Immobilien, Versicherungen, Arzneimittel, Alkohol und weitere Branchen. In Frankreich nennt sich diese Genehmigung „Licence“, alternativ auch „Carte Professionelle“.

Bei den Unternehmensformen gibt es, genau wie in Deutschland, auch für Frankreich verschiedene Möglichkeiten. Am häufigsten sind:
•    Einzelpersonengesellschaft „Entreprise individuelle“ (kurz I.E.)
•    Offene Handelsgesellschaft „Société en Nom Collectif“ (kurz S.N.C.)
•    Kommanditgesellschaft „Société Commandite Simple“ (kurz S.C.S.)
•    Aktiengesellschaft „Société Anonyme“ (kurz S.A.)
•    Gesellschaft mit beschränkter Haftung „Société à Responsabilité Limitée“ (kurz S.A.R.L.)
•    Ein-Mann-Unternehmen mit beschränkter Haftung als „Entreprise Unipersonelle à Responsabilité Limitée“ (kurz E.U.R.L.)

Wie in Luxemburg, so ist auch in Frankreich zahlenmäßig die GmbH bzw. S.A.R.L. am häufigsten vertreten. Eine große Rolle spielen in Frankreich auch die Gesellschaften des bürgerlichen Rechts. Diese Rechtsform kommt in vielen wichtigen Bereichen des Landes vor, wie dem Bauwesen, den Immobilien, der Landwirtschaft oder auch in freien Berufen.

Auch die Fördermöglichkeiten beachten

Neben der richtigen Unternehmensstruktur bzw. Unternehmensform ist es zudem auch wichtig, Förderungen im jeweiligen Land zu beachten. Nicht nur in Deutschland werden beispielsweise Start-ups gefördert, sondern auch in anderen Ländern. Handelt es sich um ein EU-Land, dann gibt es zudem mehrere EU-Fonds, die vielleicht für eine Förderung infrage kommen könnten. Informationen dazu gibt es unter anderem auf der Startup Europe Webseite (allerdings nur in englischer Sprache).

Möglichkeiten für einen Betrieb im Ausland

Da in einigen Ländern vorgeschrieben ist, dass der tatsächliche Betrieb auch in das Land verlagert wird, reicht es nicht aus, einfach eine Briefkastenfirma für eine eventuelle Steuerentlastung zu gründen. Stattdessen müssen sich Gründer individuell Gedanken machen, wie sie dem geltenden Recht entsprechen und dennoch ihr Unternehmen fortführen können.

Der erste Lösungsansatz ist meistens, dass der Geschäftsführer ins Zielland pendelt und demnach die Geschäftsführung vorrangig tatsächlich im Ausland stattfindet. In einem Grenzland und mit entsprechend nahem Wohnort sollte das auch problemlos realisierbar sein.

Die zweite Lösung ist zwar rechtlich am besten, aber nicht immer so einfach umsetzbar. Dabei ziehen die Geschäftsführer tatsächlich ins Ausland um und verlagern daher ihr Geschäfts komplett ins neue Land. Hier sind allerdings auch wieder wichtige steuerliche Vorgaben zu beachten, um beispielsweise die Wegzugbesteuerung zu umgehen, falls der Geschäftsführer noch bei einem Mutterunternehmen Anteile hat.

Als dritte Option können Unternehmer im Ausland einen Geschäftsführer anstellen. Auf diese Weise findet die Geschäftsführung im Ausland statt und der frühere Geschäftsführer kann im eigenen Land verbleiben. Dieser Weg bringt aber natürlich einige Kosten mit sich, weshalb die meisten Unternehmen – gerade ohne weitere finanzielle Mittel – diese Lösung gar nicht in Erwägung ziehen können.

Es gilt, individuell abzuwägen, welche der genannten Optionen für die Gründung im Ausland am ehesten infrage kommt. Falls sich alles nicht realisieren lässt, ist es möglich, die Gründung stattdessen in einem Land vorzunehmen, indem diese konkrete rechtliche und steuerliche Vorgabe nicht besteht. Hier ist eine individuelle Beratung bei einem Steuerberater immer notwendig, ehe die Gründung im Ausland in Erwägung gezogen wird.

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