Großes Ziel Klassenerhalt

Lob und Kritik von VTZ-Coach Danijel Grgic für die ersten Spieltage

ZWEIBRÜCKEN Nach sieben Spieltagen zieht VTZ-Coach Danijel Grgic ein erstes Fazit. Der ehemalige Profi sieht viel Positives, hat aber auch einiges zu kritisieren. So fordert er viel mehr Disziplin im Spiel seiner Mannschaft, die sich zu oft selbst aus dem Tritt und so um den verdienten Lohn bringt. Gleichwohl betont er aber auch, dass seine Mannschaft genügend Qualität mitbringt, um die Liga zu halten.

Die Handballer der VTZ und ihre Fans haben schon nach nur sieben Spielen fast alle Gefühlswelten, die der Handball mit sich bringt, durchlebt. Von Himmel hoch jauchzend hin zu am Boden zerstört war bislang schon so ziemlich alles vertreten, was man an diesem Sport so liebt, auch wenn es dem Herzkreislaufsystem nicht unbedingt so zuträglich ist. Stellvertretend hierfür steht sicherlich bislang das Heimspiel gegen den TSV Neuhausen/Filder, wo die Zweibrücker in der Schlusssekunde den sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand gaben. Denn was folgte war ebenso tragisch wie bitter. Es wurde ein letzter Wurf wenige Sekunden vor dem Ende genommen, den der gegnerische Torhüter entschärfen konnte. Mit dem Schlusspfiff erzielten die Gäste den umjubelten Ausgleich.

Zwischen Genie und Wahnsinn

„Wir agieren zu oft zwischen Genie und Wahnsinn“, sagte VTZ-Coach Danijel Grgic und meint damit sicherlich auch die Partie gegen Neuhausen. Aber auch sonst mangelt es in den Auftritten der VTZ bislang nicht am Spektakel. Im Auswärtsspiel bei Mitaufsteiger TVS Baden-Baden lag man fünf Minuten vor dem Ende noch mit vier Toren im Rückstand, um in der Crunchtime ein selten erlebtes Comeback zu feiern. Mit einem famosen 6:0-Lauf drehten sie noch die Partie und gewannen am Ende, auch etwas glücklich, mit 33:31. Ebenfalls wohl unvergessen wird die Partie gegen die TGS Pforzheim bleiben. Mit dem letzten Wurf der Partie nur zwei Sekunden vor dem Ende, rangen die Zweibrücker dem Favoriten einen Punkt ab.

„Wir haben etwas Zeit gebraucht in der neuen Klasse anzukommen. Gerade in den ersten beiden Partien (gegen die Reserve der Rhein-Neckar Löwen und den TuS Dansenberg) haben wir zu ängstlich agiert. Auch wenn wir es nach dem Durchschnittsalter nicht sind, hat man gerade am Anfang gemerkt, dass uns etwas Erfahrung fehlt“, erklärt Grgic.

Obwohl sich der erste Punktgewinn in der Saison gegen Neuhausen wie ein Punktverlust anfühlte, war dennoch eine gewisse Aufbruchsstimmung bei Mannschaft und Umfeld zu spüren. Große Hoffnungen wurde in die Partie gegen den TV Willstätt gesetzt, die allerdings bitter enttäuscht wurden. „Das war die schlechteste Leistung, die wir je gezeigt haben. Ein Wunder, dass wir nur mit zwei Toren Unterschied verloren haben“, ärgert sich Grgic.

Danach folgte der Kraftakt beim TSV Baden-Baden und der überraschende Punktgewinn gegen TGS Pforzheim. Auch wenn die bisherige Ausbeute mit vier Punkten nach sieben Spielen durchaus in Ordnung geht, trauert der ehemalige kroatische Nationalspieler immer noch den Chancen nach. „Nach den Leistungen bisher und den Chancen, die wir hatten, haben wir für mich drei Punkte zu wenig eingefahren. Das Problem ist immer noch, dass wir uns zu oft selbst im Weg stehen“, sagt Grgic. Seiner Meinung nach, sei die Mannschaft noch nicht komplett zusammengewachsen, wie es nötig wäre. Auch die Neuzugänge wussten bislang nur phasenweise zu überzeugen.

Dennoch sieht Grgic in seinen Neuen enormes Entwicklungspotenzial und fordert von allen: „Alle sind in der Verantwortung. Wir müssen die Jungs noch besser integrieren, damit sie für uns auch die erhoffte Verstärkung sein können.“

Immer wieder „Schwächephasen“

Dass die Umstellung auf die neue Liga etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, war vor der Saison klar. Nicht nur in Sachen Physis, sondern auch im taktischen Bereich weht in der 3. Liga Süd ein ganz anderer Wind als noch in der Oberliga-RPS. Es ist auch kein Geheimnis, dass die Zweibrücker nicht über die Spieler verfügen, die Spiele im Alleingang entscheiden können. Umso wichtiger ist es, dass sie es als Mannschaft schaffen jede Partie am Limit zu spielen.

Und genau hier liegt bislang die Problematik beim Liganeuling. Dass sie das Niveau haben mitzuhalten, haben sie in fast allen Partie bewiesen. Doch ihre schon fast obligatorischen Schwächephasen kosten sie immer wieder wertvolle Punkte. „Hier wird ein viel besserer Handball gespielt als noch in der Oberliga. Unsere Unkonzentriertheiten und teilweise auch mangelnde Disziplin brechen uns zu oft das Genick. Das würde ich mir einen etwas kühleren Kopf wünschen“, appelliert Grgic an seine Jungs.

Das, was Grgic bei der HG Saarlouis war, fehlt ihm selbst in seiner Mannschaft. Ein Spieler, der die Mannschaft auf dem Feld führt und das Tempo bestimmt. So einen Leader verkörperte Grgic bis vor wenigen Jahren noch beim jetzigen Ligakonkurrenten. Potenzielle Kandidaten gibt es bei der VTZ zwar auch, doch bislang blieben die Leistungen zu wechselhaft, um in diese Rolle hineinzuwachsen. Für Grgic kann deswegen der Klassenerhalt aber nur gemeinsam und mit viel Disziplin erreicht werden.

„Disziplin während der Partie ist alles. Wir müssen uns ohne Wenn und Aber an den Plan halten. Ich erhoffe und erwarte von jedem Einzelnen, dass er sich noch mehr fokussiert und besser auf jeden Partie und jedes Training vorbereitet“, fordert der VTZ-Coach, der vor etwas mehr als zwei Jahren das Ruder bei der VTZ übernommen hat. Bedenkt man zusätzlich noch, dass die Zweibrücker lediglich drei Mal die Woche trainieren können, unterstützt dies nochmal die Forderung des Trainers nach mehr Konzentration. Dem teilweise sehr hohen Tempo der Spitzenteams müssen die Saarpfälzer mit umso mehr Ruhe und Fokussierung auf den eigenen Plan entgegentreten, um eine Chance zu haben.

Auch wenn er nur bedingt mit der bisherigen Ausbeute und den gezeigten Leistungen zufrieden ist, sieht Grgic genug Potenzial in seiner Mannschaft, um das große Ziel Klassenerhalt zu realisieren. „Wir wollen uns jetzt bis Weihnachten weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen. Wenn wir bis zur Winterpause zweistellig gepunktet haben, bin ich zufrieden. Wir werden aber, egal wie es läuft, bis zum Schluss alles geben und dann schauen wofür es gereicht hat“, zeigt sich Grgic kämpferisch. red./dos

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