Geschichte der Russlanddeutschen

Historische Ausstellung noch bis 11. August in der Stadtbibliothek Saarlouis

SAARLOUIS Die Saarlouiser Bürgermeisterin Marion Jost hat unter Corona-Bedingungen gemeinsam mit den Projektleitern Jakob Fischer und Eugen Eichelberg die Wanderausstellung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in der Stadtbibliothek eröffnet.

22 großformatigen Tafeln berichten hier über die Geschichte der Auswanderer, die im 18. Jahrhundert aufgrund des Manifestes der Zarin Katharina II. ihre deutsche Heimat in Richtung Russland verließen. Wie es ihnen dort erging und wie ihre Nachkommen heute leben, liest sich spannend und hochinteressant.

Bis 11. August kann die, von den Bundesministerien des Innern und für Migration und Flüchtlinge geförderte, Ausstellung während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Das Datum der Vernissage war bewusst gewählt. Auf den Tag genau, vor fast 260 Jahren, verfügte die deutschstämmige Herrscherin, dass eingewanderte Deutsche in den Steppen der Kirgisen und Tataren Weizen anbauen sollten. Dafür wurden jeder Familie umfangreiche Privilegien und bis zu 30 Hektar Land Familie zugesichert. So entstanden in den folgenden 100 Jahren zahlreiche deutsche Siedlungen von der Wolga bis zum Kaukasus.

Die Nachfahren der deutschen Auswanderer mussten in Folge der beiden Weltkriege und der daraus resultierenden Konflikte viel Schlimmes ertragen: Pogrome, Deportationen, Enteignungen, Repressalien und das Verbot, ihre Muttersprache zu sprechen, bewog viele Deutsche die Russische Föderation sowie die Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR zu verlassen und ins Land ihrer Vorfahren zurückzukehren.

„Wir möchten mit unserer Ausstellung nicht nur informieren, sondern auch Vorurteile abbauen und zur Verbesserung der Akzeptanz russlanddeutscher Spätaussieder beitragen“, betonte Jakob Fischer.

„In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, sich aktiv für Verständnis, Toleranz und einen respektvollen Umgang miteinander einzusetzen“, bekräftigte Bürgermeisterin Marion Jost. Sie berichtete, dass in der Kreisstadt Saarlouis 1723 Aussiedler leben – die Mehrheit von ihnen kommen aus Polen, Russland und Kasachstan.

Viktor Beierbach, Vorsitzender der Landesgruppe Saarland der Landsmannschaft, betonte wie dankbar man der Bundesrepublik Deutschland für die Hilfe und Unterstützung sei. Die politischen Rahmenbedingungen dafür seien sogar im Grundgesetz verankert.

red./am

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